Zentralafrikanische Republik

Die Gewalt in den Spitälern von Bangui

Paris/Wien, 10. Dezember 2013 Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières  (MSF) fordert alle im aktuellen Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik involvierten Parteien auf, den Verletzten und Kranken den so dringend benötigten Zugang zu medizinischen Einrichtungen zu ermöglichen. Ärzte ohne Grenzen ruft weiters dazu auf, die Gewalt gegen Zivilbevölkerung, Patienten und medizinisches Personal, das derzeit in den Gesundheitsstrukturen in Bangui und dem Rest des Landes arbeitetet, einzustellen.

Die Welle der Gewalt, die seit vergangenem 5. Dezember Bangui erschüttert, betrifft auch die medizinischen Einrichtungen der zentralafrikanischen Hauptstadt. So waren vergangenen Donnerstag Patienten und Personal des Krankenhauses L’Amitié Zeugen von Erschießungen im Schnellverfahren, die von bewaffneten Männern am Krankenhausgelände durchgeführt wurden. „Am Donnerstag haben unsere Teams etwa ein Dutzend Leichen gesehen, die vor dem Krankenhaus lagen“, berichtet Rosa Crestani, Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. Aufgrund der Unsicherheit will das Krankenhauspersonal nicht mehr arbeiten. Es sind zwar noch einige Patienten im Amitié-Krankenhaus, aber es ist nicht mehr in Betrieb. Ein paar Krankenhausangestellte haben die Teams des Gemeindekrankenhauses verstärkt, wohin auch ein Teil der Verletzten transportiert wurde.

Verstoß gegen humanitäres Völkerrecht

Auch dort ist die Situation sehr angespannt. Patienten, Mitarbeiter und Beschäftigte des Gesundheitsministeriums wurden bedroht und unter Druck gesetzt. Unser Team musste sich mehrmals zwischen Patienten und bewaffnete Männer stellen. „Wir setzen unsere Arbeit fort, aber die Gewalt innerhalb des Gemeindespitals ist untragbar und stellt einen schweren Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht dar. Sie hat schwerwiegende Auswirkungen auf die medizinische Versorgung, verlangsamt die Bereitstellung von Hilfe und nötigt Mitarbeiter des Krankenhauses dazu, ihre Stellen zeitweise zu verlassen", so Thomas Curbillon, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen . "Außerdem bedeutet die Gewalt, dass viele Verwundete unter Umständen keine medizinische Einrichtung aufsuchen. Humanitäre Hilfe wie wir sie definieren - neutral, unparteiisch und unabhängig - kann angesichts von Bedrohung und Gewalt nicht bereitgestellt werden."

Ärzte ohne Grenzen betont nachdrücklich, dass sämtliche im Konflikt involvierten Parteien in der Zentralafrikanischen Republik - sowohl in Bangui als auch im Rest des Landes - die Zivilbevölkerung und medizinische Einrichtungen zu respektieren haben und ermöglichen müssen, dass Verwundete und Kranke ohne Diskriminierung behandelt werden können.  Ärzte ohne Grenzen ruft zu einem Verbot jeglicher Bewaffnung in Gesundheitseinrichtungen auf und einem Stopp der Angriffe und Bedrohungen von Patienten und medizinischen Fachkräften, sowohl lokaler als auch internationaler Herkunft. Ärzte ohne Grenzen ist eine internationale medizinische Hilfsorganisation und arbeitet unabhängig von jeglichen Behörden und Autoritäten. Unser Ziel ist, den medizinischen Bedarf der Bevölkerung und deren humanitäre Bedürfnisse zu erfüllen.  

Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in Bangui

Gemeindespital Bangui: In den ersten Stunden nach Beginn der Kämpfe haben sich Teams von Ärzte ohne Grenzen in das Gemeindespital begeben, um den ankommenden Verletzten zu helfen. In der Abteilung für Notfälle, der chirurgischen und der stationären Abteilung sind 15 medizinische Mitarbeiter tätig. Seit dem 5. Dezember sind ca. 260 verletzte Patienten behandelt worden. Die Mehrheit dieser Patienten haben Schusswunden oder wurden durch Messer oder Macheten verletzt. Zurzeit werden rund 100 Personen stationär betreut. Es wurden über 60 chirurgische Operationen durchgeführt. Ein weiteres chirurgisches Team wird erwartet, das die Teams von Ärzte ohne Grenzen und der Gesundheitsbehörden unterstützen wird. Ein zweiter Operationssaal wurde eröffnet und sieben Zelte für die Verwundeten aufgestellt, um die Kapazitäten des Spitals zu erhöhen. Das Rote Kreuz, das IKRK und Familien brachten ca. 200 Tote ins Leichenhaus des Spitals.

Entbindungsstation Castor: 27 Spitalbetten zur Behandlung leicht verwundeter Patienten (kleinere chirurgische Eingriffe) und für Schwangere.

Für die Vertriebenen, die sich am Flughafen (15.000 Menschen) und im Don Bosco-Gemeinschaftszentrum (13.000 Menschen) aufhalten: Medizinische Versorgung der Kinder unter 5 Jahren und der schwangeren Frauen. Die Verwundeten sowie medizinische und chirurgische Notfälle werden an die Entbindungsstation Castor, an das Gemeindespital oder an die pädiatrische Einrichtung in Bangui überwiesen, die von der NGO Emergency unterstützt wird. Zudem hat Ärzte ohne Grenzen im Don Bosco-Zentrum für die 5-6.000 Vertriebenen in der Umgebung eine Trinkwasser-Station eingerichtet und Latrinen zur Verfügung gestellt.

Ärzte ohne Grenzen spendete der Klinik Saint Luc , die sich im Vertriebenenlager von Boy-Rabe (15.000 Menschen) befindet, Medikamente und medizinisches Material.

Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in Bossangoa

Bei den heftigen Kämpfen in den vorangehenden zwei Tagen starben 28 Menschen. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen , denen 23 internationale Mitarbeiter angehören, arbeiteten rund um die Uhr, um den medizinischen Bedarf abzudecken und den 37.000 Vertriebenen in der Gegend zu helfen.

Im Spital in Bossangoa wurden 21 Personen wegen Schussverletzungen und 2 Personen wegen Verletzungen durch Macheten behandelt; 15 Schwerverletzte wurden operiert und rund 60 Personen stationär aufgenommen. Die Aktivitäten für Hygiene und sauberes Wasser wurden fortgeführt: Trinkwasser und Latrinen für die 37.000 Vertriebenen zur Verfügung gestellt, die sich bei der Kathedrale und der Schule „Liberté“ versammelt haben. Zudem begann Ärzte ohne Grenzen 2.000 neu Vertriebene an verschiedenen weiteren Orten zu helfen. In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Roten Kreuz haben die Teams auch Leichen in der Umgebung der Stadt geborgen.

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