Haiti

Die logistischen Herausforderungen der Erdbebenhilfe

Laurent Dedieu ist logistischer Manager für die Projekte von Ärzte ohne Grenzen in Haiti. Er ist seit dem Erdbeben am 12. Januar in regelmäßigem Kontakt mit dem Team vor Ort und hilft, die gesamte Logistik zu organisieren. Im Interview beschreibt er die logistischen Herausforderungen, mit denen die Mitarbeiter konfrontiert sind.

Mit welchen logistischen Problemen haben die Teams zu kämpfen?

Im Moment müssen wir die Patienten unter sehr schlechten Bedingungen behandeln. Das größte Problem ist, dass wir nicht genügend Gesundheitseinrichtungen haben, in denen wir die Menschen behandeln können. Wir konnten aber eine freie Fläche finden, auf der wir morgen ein aufblasbares Krankenhaus aufbauen werden. Damit haben wir vor Ende der Woche ein zusätzliches Krankenhaus mit 100 Betten und zwei Operationssälen.

Haben Sie ausreichend Strom und Wasser, um die chirurgische Arbeit machen zu können?

Wir haben Wasservorräte für etwa eine Woche und Generatoren für den Strom. Das aufblasbare Krankenhaus kommt vollständig ausgestattet an - einschließlich sanitärer Anlagen, Röntgenmaschine und anderer Dinge. Benzin bleibt ein großes Problem. Wir können in der ganzen Stadt kein Diesel bekommen. Wir haben für die drei Projekte von Ärzte ohne Grenzen maximal noch für zwei oder drei Tage Benzin auf Lager. Wir müssen daher überlegen, Benzin entweder aus der Dominikanischen Republik oder aus Miami zu holen. Wir wissen noch nicht, was einfacher sein wird.

Und woher bekommt das Team anderes Material?

Heute kommen 20 internationale Mitarbeiter in Port-au-Pronce an, morgen sollen weitere 15 kommen. Mit ihnen kommen zwei Charterflüge mit dem Krankenhaus und medizinischem Material aus unserem Lager in Bordeaux. Vor dem Erdbeben war alles auf Haiti verfügbar, die Güter wurden aus Amerika importiert. Aber die Unternehmen, die das betreiben, werden nicht in der Lage sein, in den kommenden Wochen eine angemessene Versorgung zu gewährleisten. Daher müssen wir alles alleine organisieren. Wir wissen, dass die Straße von Santo Domingo nach Haiti nutzbar ist. Außerdem überprüfen wir die Möglichkeit, Güter über den Seeweg anzuliefern, das Problem ist allerdings, dass der Hafen in Port-au-Prince zerstört wurde. Daher müssen wir einen anderen Hafen auf Haiti benutzen, der nicht zerstört ist.

Gibt es noch immer Probleme mit dem Flugverkehr?

Der Transport per Flugzeug ist sehr schwierig. Das größte Problem ist die begrenzte Kapazität des Flughafens in Port-au-Prince. Nur eine bestimmte Anzahl von Flugzeugen kann auf dem Boden sein. Die Landungen weiterer Flugzeuge muss eingestellt werden, wenn eine bestimmte Anzahl erreicht ist. Wenn Flugzeuge länger als geplant auf dem Boden bleiben, kommt es zu Verzögerungen. Da die Beleuchtung zerstört wurde, kann man nachts nicht landen. Ich weiß nicht, wann das wieder repariert sein wird. Das heißt, dass man viel Zeit mit den Behörden verbringt, um die Landung eines Flugzeuges durchzusetzen.

Es gibt einen riesigen Bedarf an Nahrung und Wasser - wird Ärzte ohne Grenzen zur Versorgung beitragen?

Es gibt dort etwa drei Millionen Menschen, die keinen Zugang zu Nahrung, Wasser und sanitären Einrichtungen haben. Es ist eine große Herausforderung. Wir können nicht allen in Port-au-Prince helfen, werden aber doch sehr wahrscheinlich einen Teil der Bedürfnisse decken können. Im Moment stellen wir noch kein Wasser zur Verfügung. Wenn wir damit anfangen sollten, müssen wir Wasserquellen einrichten, die zugänglich und nicht verseucht sind. Ein weiterer Schritt wäre, darüber nachzudenken, Löcher zu bohren oder Wasserreinigungsanlagen zu errichten - vielleicht um Salzwasser zu reinigen, da es im Meer verfügbar ist.

Waren die Teams von Ärzte ohne Grenzen schon mit Sicherheitsprobleme konfrontiert?

Nein, die Bevölkerung ist aber noch immer sehr unruhig, und es gibt viele Gerüchte über ein zweites Erdbeben und einen steigenden Meeresspiegel. Das könnte eine Panik auslösen. Zudem gibt es Spannungen, da es nicht ausreichend Wasser und Nahrung gibt. Aber Ärzte ohne Grenzen hat Sicherheitsregeln: So sind unsere Teams deutlich als Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen zu erkennen, bei Nacht führen wir nur begrenzt Fahrten durch und bewegen uns auch nicht unbeschränkt überall hin; in unseren Gesundheitseinrichtungen sind keine Waffen erlaubt und wir arbeiten eng mit den Gemeinden zusammen. Die Qualität unserer Arbeit gibt uns zusätzliche Sicherheit.

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