„Die Stadt glich einem Friedhof”

17.01.2019
Isa Sadiq Bwala - MSF Nurse in Rann
MSF
“Rann was like a graveyard” Médecins Sans Frontières nurse Isa Sadiq Bwala is just back from Rann, in northeastern Nigeria, where he went to assess people’s medical needs after the 14 January attack on the town. Most of Rann’s residents have sought safety in Bodo, Cameroon, where an MSF team is providing them with medical care. “What struck me when we arrived was the silence. Usually Rann bustles with life, but yesterday it was eerie and quiet, like a graveyard. Usually kids run around and play, but yesterday the only ones I saw were standing around quietly, looking anxious. The town has been devastated and I was devastated to see it. Many parts of the town have been burnt. There was still smoke drifting in the sky and the fires were still burning in places. I met a woman who was just back from the burial of her elderly mother, who had died inside her burning home. She burnt to death inside because she couldn’t escape the fire. MSF’s base, office and pharmacy have been burnt to the ground. All that’s left are piles of ashes. When I arrived, the tent where we store our equipment was still on fire. The buildings of other humanitarian organisations have also been looted and burnt. Luckily, all of our staff from Rann are safe. Several have fled to Cameroon, along with the majority of the population of Rann. We evacuated one man with a gunshot wound. I was told that other people had been injured too, but it seems they have left for Cameroon. I saw a long line of people leaving for Cameroon – women, children and men, of all ages. Some had donkeys but many were just carrying their belongings. The ones I spoke to said they were leaving because they were too afraid to stay. There is not much left for them to stay for anyway: their homes are gone and I don’t know what they would live on. The market was burnt and looted – food stores also. There is nowhere to get food from. People who don’t have any food at home will not be able to get any more. I spoke to one of our staff members, who said the last time he ate was on the day of the attack. He hasn’t been able to find any food since. I nearly cried yesterday in Rann, seeing the people and seeing our staff. I am devastated.”

Unser Krankenpfleger Isa Sadiq Bwala hat die Stadt Rann im Nordosten Nigerias nach dem verheerenden Angriff vom 14. Januar besucht. Er war vor Ort, um die medizinischen Bedürfnisse der Bevölkerung nach dem Angriff zu ermitteln. Was er dort gesehen und gehört hat, hat ihn zutiefst erschüttert.

„Was mich bei unserer Ankunft erschüttert hat, war die Stille. Normalerweise sprüht Rann voller Leben, aber gestern war es gespenstisch und still, wie auf einem Friedhof. Normalerweise laufen Kinder durch die Straßen und spielen, aber gestern standen die wenigen Kinder, die ich sah, still und verängstigt herum.

Die Stadt wurde verwüstet. Das Ausmaß der Zerstörung hat mich zutiefst erschüttert. Ein Großteil der Stadt wurden niedergebrannt. Auch gestern brannten immer noch Feuer und Rauchschwaden trieben am Himmel. Ich traf eine Frau, die gerade von der Beerdigung ihrer Mutter zurückkam, eine ältere Frau, die in ihrem brennenden Haus gestorben war. Sie verbrannte, weil sie dem Feuer nicht entkommen konnte.

Unsere Nothilfebasis, das Büro und unsere Apotheke wurden bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Übrig geblieben ist ein Haufen Asche. Als ich ankam, stand das Materialzelt noch in Flammen. Auch die Gebäude anderer humanitärer Organisationen wurden geplündert und niedergebrannt.

„Die Menschen haben zu große Angst, um in Rann zu bleiben“

Glücklicherweise sind alle unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus Rann in Sicherheit. Einige sind zusammen mit der Mehrheit der Bevölkerung von Rann nach Kamerun geflohen. Wir haben einen Mann mit einer Schusswunde versorgt. Mir wurde gesagt, dass auch andere Menschen verletzt worden sind, aber sie scheinen ebenfalls nach Kamerun geflohen zu sein. Ich sah eine lange Menschenschlange – Frauen, Kinder und Männer, allen Alters –, die sich auf den Weg nach Kamerun machte. Einige hatten Esel, aber viele trugen ihr Hab und Gut selbst. Die Menschen, mit denen ich gesprochen habe, sagten mir, sie hätten zu große Angst, um in Rann zu bleiben.

Es gibt sowieso nicht mehr viel, wofür sie noch bleiben könnten. Ihre Häuser sind abgebrannt und ich weiß nicht, wovon sie leben könnten. Der Markt wurde niedergebrannt und geplündert, ebenso die Lebensmittelläden. Es gibt keine Möglichkeit, Essen zu bekommen. Wer kein Essen zu Hause hat, kann keines mehr auftreiben. Ein Mitarbeiter von uns erzählte mir, dass er zuletzt am Tag des Angriffs etwas gegessen hätte. Seither hat er nichts Essbares mehr gefunden. Als ich gestern die Menschen und unsere Mitarbeitenden in Rann gesehen habe, habe ich fast geweint. Ich bin zutiefst erschüttert.“