Liberia

Ebola in Liberia: Staatengemeinschaft muss Hilfe an neue Phase der Epidemie anpassen

Monrovia/Wien, 10. November 2014 . Trotz zurückgehender Patientenzahlen in Liberia warnt die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF), dass die Epidemie alles andere als vorüber ist. Stattdessen kommt es weiterhin über das ganze Land verteilt zu neuen Krankheitsausbrüchen. Die internationale Hilfe muss sich schnell an die nun erreichte neue Phase der Epidemie in Liberia anpassen. Ansonsten setzt sie die erzielten Fortschritte aufs Spiel.

Im Gegensatz zu den Nachbarländern Guinea und Sierra Leone, wo die Zahl neuer Ebola-Fälle weiter steigt, beobachten die Teams von Ärzte ohne Grenzen in Liberia zum ersten Mal seit Beginn der Epidemie, dass weniger Patienten in die Behandlungszentren eingeliefert werden. Derzeit werden im 250-Betten-Zentrum „Elwa 3“ in Monrovia etwa 50 Patienten behandelt. In Foya in Nordliberia befindet sich seit dem 30. Oktober kein Patient mehr in Behandlung. Seitdem gibt es in diesem Bezirk keine neuen bestätigten Ebola-Fälle. Allerdings könnte die Zahl der Patienten auch schnell wieder ansteigen. In Guinea hat Ärzte ohne Grenzen seit März schon zweimal beobachtet, dass die Zahl der Patienten zunächst sank, aber dann plötzlich wieder deutlich anstieg - und auch aktuell nimmt sie zu.

Strategie der internationalen Hilfe muss angepasst werden

„In Liberia läuft die dringend benötigte internationale Hilfe endlich an“, sagt Fasil Tezera, der Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Liberia. „Finanzielle Unterstützung kommt ins Land, und gewaltige Ressourcen werden mobilisiert, um große Isolierstationen zu errichten. Die Behandlungszentren haben nun in Monrovia und einigen Teilen des Landes eine angemessene Kapazität erreicht. Jetzt müssen wir unsere Strategie anpassen, wenn wir die Ausbreitung von Ebola eindämmen und die Epidemie stoppen wollen. Wir müssen jetzt flexibel sein, um auf neue Ausbrüche schnell reagieren zu können und gleichzeitig das reguläre Gesundheitssystem trotz Ebola wieder funktionsfähig zu machen.“

Flexible und gut ausgestattete Teams müssen rasch in Gebiete mit neuen Krankheitsherden entsandt werden. Dort müssen rasch Patienten isoliert, Kontaktpersonen von Infizierten identifiziert, sichere Begräbnisse organisiert, kontaminierte Orte desinfiziert und die Bevölkerung zur Mithilfe gewonnen werden.

Vertrauen und Verständnis der lokalen Bevölkerung enorm wichtig

„In Foya gehen wir davon aus, dass dieser umfassende Ansatz sowie das aktive Engagement der lokalen Bevölkerung zu einem stetigen Rückgang der Fälle im Umkreis geführt haben“, erklärt Dr. Nico Heijenberg, Koordinator des Nothilfeeinsatzes von Ärzte ohne Grenzen . „Vertrauen und Verständnis der lokalen Bevölkerung sind von enormer Bedeutung, damit unsere medizinische Arbeit anerkannt und das Virus erfolgreich eingedämmt werden kann.“

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Wiederaufnahme lebensnotwendiger medizinischer Hilfe jenseits der Behandlung von Ebola-Patienten. Das liberianische Gesundheitssystem ist aufgrund der Epidemie praktisch zusammengebrochen. Viele Krankenhäuser und Kliniken haben geschlossen. Jene, die noch geöffnet haben, weisen Patienten mit Fieber oder Übelkeit aus Angst vor Ebola ab. Ärzte ohne Grenzen erweitert nun seine Aktivitäten in Monrovia. Mitarbeiter verteilen in großem Umfang Malariamedikamente und haben neben dem Redemption-Krankenhaus eine Anlaufstelle zum Ebola-Screening errichtet, um es bei einer sicheren Wiederinbetriebnahme zu unterstützen. Die 200-Betten-Klinik war bislang von der Regierung betrieben worden, hat im Verlauf der Ebola-Epidemie aber die Arbeit eingestellt.

Ressourcen sollten flexibel eingesetzt werden

„Innerhalb regulärer medizinscher Einrichtungen sollten Infektionskontrollmaßnahmen wie Screening-Stellen für Ebola eingerichtet werden, damit Ebola sich nicht weiter ausbreitet und die Menschen nicht mehr an vermeidbaren Krankheiten und unbehandelten Komplikationen anderer Erkrankungen sterben“, erklärt Nico Heijenberg. „Viele internationale Gelder zur Unterstützung der Ebola-Hilfe sind mit einer Zweckbindung für spezifische Hilfsprojekte versehen. Stattdessen sollten die internationalen Geber und Organisationen ihre Ressourcen flexibel zur Verfügung stellen, so dass sie dort zum Einsatz kommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden.“

Für die Hilfsprojekte im Kampf gegen Ebola sind rund 3.300 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Guinea, Liberia und Sierra Leone im Einsatz. Die Organisation betreibt sechs Ebola-Behandlungszentren und zwei Screening-Zentren, in denen Patienten mit Ebola-Verdacht untersucht und vorübergehend isoliert werden. In Mali unterstützt ein Team von Ärzte ohne Grenzen das Gesundheitsministerium. Seit Beginn des Ebola-Ausbruchs hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 5.600 Patienten aufgenommen.

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