Jemen

Erneut Kämpfe im Norden des Jemen ausgebrochen

Im Norden des Jemen hat am 11. August die sechste Offensive der jemenitischen Armee gegen die Al Houthi-Rebellen begonnen. Die Bevölkerung ist erneuter Gewalt ausgesetzt und von der Gesundheitsversorgung abgeschnitten. Teams von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) kümmern sich um die Verletzten und versuchen den Vertriebenen zu helfen, soweit es die Sicherheitslage zulässt.

Der Konflikt zwischen der jemenitischen Armee und den Al Houthi-Rebellen hat sich nach den Zusammenstößen in den vergangenen Wochen intensiviert. Es ist bereits die sechste Offensive während der letzten fünf Jahre im Regierungsbezirk Saada, bei der schwere Waffen eingesetzt und Luftangriffe geflogen werden.

Tausende Menschen auf der Flucht

Tausende Menschen fliehen vor den Kämpfen in den Norden des Regierungsbezirkes Sadaa sowie in Richtung der Regierungsbezirke Hajja, Amran und Al-Jawf. MSF-Mitarbeiter haben die Bedürfnisse in den Dörfern Baquim und Yesnem im Norden von Sadaa untersucht und leisten nun medizinische Hilfe für die nahezu 30.000 vertriebenen Menschen, die dort Zuflucht gesucht haben.

Die schwierigen Fahrtbedingungen auf den Hauptverkehrsstraßen erschweren den Zugang zu den Gesundheitseinrichtungen für die Bevölkerung, insbesondere für die Verwundeten. Aufgrund der Sicherheitslage musste Ärzte ohne Grenzen die mobilen Kliniken einstellen, die im Juli in zehn Gesundheitszentren in Sadaa begonnen hatten.

Die Beschaffung von medizinischem Material ist ebenfalls ungewiss und es gibt Befürchtungen, dass die Reserven in den abgelegenen Gesundheitszentren ausgehen. Ärzte ohne Grenzen hat auf Anforderung der beiden Konfliktparteien etwa zehn Boxen mit medizinischem und chirurgischem Material an lokale Gesundheitseinrichtungen geliefert.

Arbeit trotz heikler Sicherheitslage

Die Kämpfe verschonen die Gesundheitseinrichtungen nicht und stellen eine Bedrohung für die Patienten und das Pflegepersonal dar. Ärzte ohne Grenzen ist mit allen Beteiligten des Konflikts in Kontakt, um zu betonen, wie wichtig der Zugang zu medizinischer Hilfe ist und um die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten.

Trotz der heiklen Sicherheitslage kann Ärzte ohne Grenzen die Programme in den Kliniken in den ländlichen Städten Razeh und Al-Talh in Zusammenarbeit mit dem jemenitischen Gesundheitsministerium weiterführen. Das MSF-Team in Al-Thal hat seit dem 11. August 63 Notfälle behandelt, darunter 36 kriegsbedingte Verletzungen. Bei 33 dieser Patienten wurde ein chirurgischer Eingriff vorgenommen.

Ärzte ohne Grenzen hat zwischen Januar und Juli 2009 in der Provinz Sadaa etwa 30.000 Behandlungen durchgeführt, darunter waren 8.000 Notfälle. Mehr als 1.400 dieser Patienten wurden stationär behandelt. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben mehr als 700 chirurgische Eingriffe durchgeführt, von denen ein Zehntel auf Verletzungen durch die Kämpfe zurückzuführen sind.

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