Guinea: 117.000 Menschen gegen Cholera geimpft

Wien/Conakry 1. Juni 2012. Innerhalb weniger Wochen haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) in Guinea in der Region Boffa, 150 Kilometer nördlich der Hauptstadt Conakry, 117.000 Menschen gegen Cholera geimpft. Es handelt sich dabei um eine Schluckimpfung, die in zwei Dosen eingenommen wird. Zum ersten Mal wurde in Afrika eine Bevölkerungsgruppe nach Ausbruch einer Epidemie auf diese Weise geschützt. Diese Impf-Aktion könnte wegweisend sein und weltweit zu einer Verbesserung bei der Bekämpfung von Cholera-Epidemien führen.

In Zusammenarbeit mit dem guineischen Gesundheitsministerium hat sich MSF auf eine Küstenregion in der Nähe von Conakry konzentriert, die als aktiver Cholera-Herd gilt. „Die Epidemie war gerade ausgebrochen, und als erstes wollten wir die Menschen mit der Impfung schützen und auf diese Weise die Verbreitung der Cholera verhindern“, erklärt Dr. Dominique Legros, der bei Ärzte ohne Grenzen in Genf für die Entwicklung von innovativen Strategien zuständig ist.

Kampf gegen Cholera-Epidemien

„Ärzte ohne Grenzen ist regelmäßig bei der Bekämpfung von Cholera-Epidemien im Einsatz, und es ist immer schwierig, diese unter Kontrolle zu bringen“, fährt Dominique Legros fort. „Mit der Schluckimpfung haben wir ein neues Mittel zur Hand, das uns dabei helfen kann, die sehr rasch fortschreitende Krankheit einzudämmen. Wir können die Verbreitung am ehesten reduzieren, indem wir die Kontrolle über die aktiven Herde gewinnen. Wir müssen von diesem neuen Ansatz Gebrauch machen und die Ergebnisse dokumentieren.“

Nach der Impfung haben Ärzte ohne Grenzen und sein Partner Épicentre die epidemiologische Routine-Überwachung verstärkt, um über die nächsten sechs Monate sowohl die Entwicklung der Epidemie als auch die Wirksamkeit der Impfung zu verfolgen.

Impfung allein nicht ausreichend

Die Analyse der Ergebnisse aus dieser Überwachung soll gleichzeitig dazu dienen, eine globale Strategie für die Bekämpfung von künftigen Epidemien auszuarbeiten. MSF wird in der Lage sein, Teams schnell in betroffene Gebiete zu entsenden und ausgewählte Zielgruppen zu impfen. Auf diese Weise kann die Organisation mehr Menschen schützen, und dies in sehr kurzer Zeit.

Sauberes Trinkwasser enorm wichtig

Obwohl die Cholera-Impfung ein vielversprechendes neues Mittel zur Bekämpfung dieser Krankheit darstellt, ist die Impfung allein nicht ausreichend. Aufklärungs- und Präventionsarbeit sowie Maßnahmen im Hygienebereich werden auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Auch die medizinische Betreuung von Erkrankten wird nach wie vor zu den Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen gehören. Ein besonderer Akzent soll künftig auf den Zugang zu qualitativ gutem Trinkwasser gelegt werden.

„Eine Investition in Wasser- und die Abwasserentsorgung ist enorm wichtig, da auf diese Weise sämtliche Krankheiten, die über verunreinigtes Wasser übertragen werden, eingedämmt werden können. Die Cholera-Impfung allein ist kein Wundermittel gegen alle Durchfallerkrankungen in Afrika“, fügt Dr. Legros hinzu.

Die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen hat aufgezeigt, dass die Impfung gegen Cholera während einer Epidemie möglich ist. Die Impf-Teams benötigen nur eine Grundausbildung, da die Impfung einfach zu verabreichen ist. Sie führt außerdem kaum zu Nebenwirkungen und wird von der Bevölkerung positiv aufgenommen.

Informationen zur Impfkampagne

Zwischen Ende April und Mitte Mai 2012 hat MSF 31 Impf-Teams auf drei verschiedene Ausgangsorte verteilt: Boffa, Tougnifily und Koba. Die Arbeit dieser Teams ermöglichte es, 68 Prozent der Zielgruppe -schätzungsweise etwas mehr als 163.000 Menschen - beide Impfdosen zu verabreichen. Dieser Einsatz konnte dank der Zusammenarbeit mit dem guineischen Gesundheitsministerium und den anwesenden Gesundheitsbehörden im Küstengebiet von Boffa durchgeführt werden. Zusätzlich haben die MSF-Teams soeben mit der Impfung von nahezu 50.000 Menschen in der Region Forécariah, südlich der Hauptstadt Conakry, begonnen.

Anmerkung zur Impfung: Es handelt sich um einen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannten Cholera-Impfstoff, der in zwei Dosen im Abstand zwischen zwei und sechs Wochen verabreicht wird. Ärzte ohne Grenzen verfügt über umfangreiche Erfahrung mit dieser Impfung, da die Organisation sie früher in endemischen Ländern bereits präventiv eingesetzt hat. In Guinea wurde sie allerdings zum ersten Mal nach Ausbruch einer Epidemie in Afrika eingesetzt.

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