Nigeria

Meningitis: Mangel an Diagnostik und verfügbaren Behandlungen

Nigeria ist aktuell von dem größten Meningitis C-Ausbruch seit neun Jahren betroffen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden seit Mitte Dezember rund 13.943 Verdachtsfälle und 1.112 Todesfälle registriert. Bart Bardock, Projektkoordinator unseres Teams für akute Notfälle, berichtet in einem Interview von unserer Arbeit in den nigerianischen Staaten Sokoto, Zamfara, Kebbi und Niger. Dort sammelt das Team Proben, führt eine Überwachung vor Ort durch und unterstützt die nationale Impfkampagne, um die Auswirkungen der Meningitis C-Epidemie zu reduzieren.

Wie reagiert Ärzte ohne Grenzen auf den aktuellen Meningitis-Ausbruch in den nigerianischen Staaten Sokoto und Zamfara?

Seit Februar sind wir vor Ort aktiv. Wir unterstützen das nigerianische Gesundheitsministerium dabei, Krankheitsfälle zu diagnostizieren, indem wir Proben sammeln und den Meningitis-Typ durch einen Schnelltest im Labor bestimmen. Wir haben medizinisches Personal geschult, Antibiotika an Behandlungszentren gespendet und geholfen, neue Fälle zu identifizieren, um die Erkrankungshäufigkeit und Sterblichkeitsrate zu senken. Zudem betreuen wir zwei Behandlungszentren in Sokoto und Zamfara. Vom 01. bis 08. Mai unterstützten wir das Gesundheitsministerium bei ihrer Impfkampagne in Sokoto.

Wie viele Menschen haben Sie pro Tag im Staat Sokoto geimpft?

In einem Zeitraum von sieben Tagen haben 25 Teams eine Impfkampagne durchgeführt. Insgesamt wurden rund 140.600 Menschen in den drei am stärksten betroffenen Gebieten von Sokoto geimpft. Das entspricht 95% von den 148.000 Personen, die wir uns im Rahmen der Kampagne des Gesundheitsministeriums zum Ziel gesetzt haben.

Warum kommt es in Nigeria wiederholt zu Meningitis-Ausbrüchen?

Nigeria ist Teil des sogenannten „Meningitisgürtels“ in Subsahara-Afrika. Dieser erstreckt sich vom Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten durch 26 Länder und weist die höchste Anzahl an Krankheitsfällen in ganz Afrika auf. Da die Impfungen im Durchschnitt nur einen Schutz für drei Jahre bieten, ist man nur temporär gegen die Krankheit immun. Bei einer Bevölkerung von rund 300 Millionen Menschen im „Meningitisgürtel“ gestaltet es sich schwierig, diesen Schutz aufrecht zu erhalten.

Ist dieser Ausbruch anders als in den Vorjahren?

Seit 2013 behandeln wir Meningitis C, aber dies ist der größte Ausbruch der Krankheit, den wir in den vergangenen neun Jahren erlebt haben. In Nigeria gab es auch schon zuvor große Meningitis-Epidemien, aber dabei handelte es sich um Meningitis A. In der Vergangenheit wurden die Fälle von Meningitis A durch Massenimpfkampagnen drastisch reduziert, wodurch der C-Stamm dominant wurde. Da viele Menschen noch nicht gegen Meningitis C geschützt waren, hat sich die Krankheit in der Bevölkerung weit verbreitet.

Was sind die größten Herausforderungen, mit denen Ärzte ohne Grenzen bei der Reaktion auf den Ausbruch konfrontiert wird?

Die größten Herausforderungen sind die begrenzte Anzahl an verfügbaren Impfstoffen zum Schutz der Bevölkerung, das Fehlen einer frühzeitigen Diagnostik und Behandlung sowie die mangelnde Kenntnis über die Krankheit in der Bevölkerung. In einem Land mit 183 Millionen Menschen ist es schwierig, Krankheiten mit einem potenziell epidemischen Charakter frühzeitig zu erkennen. Die Menschen sind sich nicht immer über die Anzeichen und Symptome der Krankheit bewusst und lassen sich nicht rechtzeitig behandeln. Daher ist es wichtig, den Verdacht auf eine bestimmte Krankheit durch Labortests zu bestätigen, um eine Fehldiagnose zu vermeiden. Diese Tests helfen, den genauen Meningitis-Stamm zu identifizieren und zu bestimmen, welche Art von Impfstoff oder Behandlung eingesetzt werden sollte. Die Reaktionsfähigkeit von Ländern, die innerhalb des "Meningitisgürtel" liegen, muss verbessert werden.

Unsere sogenannte Emergency Response Unit (NERU) ist seit 2006 in Nigeria aktiv und auf medizinische Notfälle wie Meningitis und Masernausbrüche spezialisiert.

 

 

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