Mosambik

Missing Maps: Die zentrale Rolle von neuen Technologien bei humanitärer Nothilfe

Unmittelbar nachdem der Zyklon Idai den Süden Afrikas traf, schickte die internationale medizinische Organisation Ärzte ohne Grenzen vier Geoinformationssystems (GIS) -Experten in die Region und mobilisierte tausende Freiwillige auf der ganzen Welt, qualitativ hochwertige Karten der am stärksten betroffenen Gebiete zu machen, um die Notfallteams vor Ort bestmöglich zu unterstützen.

Der Zyklon Idai traf Mosambik und Simbabwe Mitte März, überflutete weite Landstriche, hinterließ viele hunderttausend Menschen obdachlos und zerstörte Gebäude, Ernten und Infrastruktur.

Teams von Ärzte ohne Grenzen reagierten auf die Naturkatastrophe, indem sie Notfallteams und medizinische Versorgungsgüter in den Süden Afrikas schickten. Gleichzeitig wurden vier GIS-Experten engagiert – einer von ihnen war bereits in Simbabwe – um die Teams mit detaillierten, vielschichtigen Karten der Region zu unterstützen. Es handelt sich hierbei um den größten GIS-Einsatz seit der Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika.

Geoinformationssysteme können mehrere Informationsebenen auf einer einzigen Karte kombinieren und so den Einsatzkräften helfen, das Ausmaß des Notfalls zu verstehen, die Logistik zu planen, die epidemiologische Überwachung zu verbessern und sich mit anderen Organisationen abzustimmen.

"Bei so einer großen Naturkatastrophe sind die Bedürfnisse zu Beginn der Krise am größten", sagt Audrey Lessard-Fontaine, Leiterin der GIS-Einheit von Ärzte ohne Grenzen. "Zu Beginn ändern sich die Umstände ständig - sei es bei der Straßenanbindung, dem Wasserstand oder der Schadensbewertung. Wir brauchen diese Informationen, um zu planen, wie wir die betroffene Bevölkerung erreichen können."

Die Bedeutung von GIS für Einsätze

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind sich der Bedeutung von GIS für die Planung von Einsätzen und die Unterstützung in Entscheidungsprozessen in Notfällen zunehmend bewusst und fordern mehr Unterstützung als je zuvor. Edith Rogenhofer von Ärzte ohne Grenzen Österreich betont die Wichtigkeit von Karten für die Arbeit von Hilfsorganisationen, um den Überlebenden von Katastrophen Schutz, Nahrung, Wasser, medizinische Unterstützung und sanitäre Einrichtungen zur Verfügung stellen zu können.

„In Notfallsituationen bitten die Teams für eine epidemiologische Reaktion fast schon reflexartig um GIS-Unterstützung, um zu sehen, woher die Patienten kommen", sagt Lessard-Fontaine. "Außerdem brauchen sie GIS-Unterstützung, um die Wasserversorgung bewerten zu können und herauszufinden, wo sich Wasserstellen und Latrinen befinden."

Das Missing Maps Projekt 

Das Schlüsselelement der Einsätze mithilfe von Geoinformationssysteme sind Basiskarten, die Gebäude, Wasserläufe und Straßennetze in der Region zeigen. GIS-Experten benötigen diese Basiskarten, um qualitativ hochwertige Analysen der betroffenen Gebiete für Logistiker und Epidemiologen von Ärzte ohne Grenzen zur Verfügung stellen zu können.

Überraschenderweise existieren solche Basiskarten für viele Regionen, in denen Ärzte ohne Grenzen arbeitet, nicht. Diese Gegenden sind oftmals abgelegen, katastrophenanfällig oder Heimat der am stärksten gefährdeten Menschen der Welt. Der Mangel an Karten stellte eine große Herausforderung dar – bis eine einfache Lösung gefunden wurde, bekannt als das Missing Maps Projekt. Mit der Hilfe von OpenStreetMap – einer aus Crowdsourcing gewonnenen Karte – digitalisieren weltweit tausende Freiwillige Satellitenbilder und erstellen für Hilfsorganisationen Karten der am stärksten gefährdeten Gebiete der Welt.

Das Missing Maps Projekt wurde 2014 von einer Reihe von humanitären Organisationen, darunter Ärzte ohne Grenzen, ins Leben gerufen. Als der Zyklon Idai Afrika traf, machten sich Freiwillige sofort an die Arbeit. Bereits jetzt haben sie mehr als 200.000 Gebäude und fast 17.000 Kilometer Straßen in den betroffenen Gebieten kartiert.

Simbabwe ist ein Land, für das es nur wenige detaillierte Basiskarten gibt. Der GIS-Verantwortliche Last Prosper Mufoya unterstützt Ärzte ohne Grenzen in Simbabwe. Als der Zyklon eintraf, schaltete Mufoya sofort die Missing Maps Community ein, um Karten des am schlimmsten betroffenen Gebietes Chimanimani zu erstellen. "Chimanimani war vom Rest der Welt völlig abgeschnitten, da alle Straßen beschädigt waren und die meisten Brücken weggespült wurden", sagt Mufoya.

Mit Hilfe von Satellitenbildern konzentrierten sich die Freiwilligen auf die Erfassung von Straßen, Gebäuden und Wasserableitungssystemen, da nur sehr wenige dieser Daten auf der OpenStreetMap verfügbar waren. "Freiwillige aus allen Ecken der Missing Maps Community, einschließlich unserer simbabwischen Einheit, arbeiteten unermüdlich daran, Daten beizusteuern", sagt Mufoya.

Die von den Freiwilligen erstellten Basiskarten von Mosambik, Simbabwe und Malawi – Malawi wurde von dramatischen Überflutungen ausgelöst vom Zyklon Idai heimgesucht - wurden an alle, an den Soforthilfemaßnahmen beteiligten Organisationen, verteilt und helfen ihnen, sich ein klares Bild von der Situation vor Ort zu machen und eine schnelle und effektive Reaktion zu planen.

Mapathon in Wien

Auch in Wien fand im Rahmen der European Geosciences Union, kurz EGU, am 11. April ein Mapathon statt. Anhand von Luftbildern von Simbabwe aus der Zeit vor dem Zyklon und der Unterstützung von OpenStreetMap wurden unter anderem 496 Gebäude, 805 Wege, 264 Landstraßen und 15 Wasserläufe auf Karten eingetragen. Der Großteil Mosambiks wurde bereits in OpenStreetMap kartiert, wobei Freiwillige Gebäude, Straßen und Wasserwege beschrifteten.

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