Mittelmeer: Zwischenfall auf Rettungsschiff Bourbon Argos

Auf einem der Rettungsschiffe von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) im Mittelmeer ist es zu einem Zwischenfall gekommen. Am 17. August näherte sich ein nicht identifiziertes Schnellboot mit hoher Geschwindigkeit dem Schiff Bourbon Argos und feuerte Schüsse ab. Die Bourbon Argos war zu dem Zeitpunkt für einen Such- und Rettungseinsatz in internationalen Gewässern nördlich der libyschen Küste unterwegs. Ärzte ohne Grenzen verurteilt diesen gewaltsamen Angriff auf eine medizinische, humanitäre Organisation scharf. 

Der Angriff ereignete sich 24 Seemeilen vor der libyschen Küste. Das Schnellboot wurde um 9.15 Uhr morgens zum ersten Mal gesichtet. Da es keine klare Identifikation und Kommunikation von Seiten der Besatzung des Schnellbootes gab und diese nicht auf Funksprüche reagierte, begab sich das Team von Ärzte ohne Grenzen als Vorsichtsmaßnahme in den vorgesehenen Sicherheitsbereich des Schiffes. Bewaffnete schossen von dem Schnellboot aus etwa 400 bis 500 Meter Entfernung auf die Bourbon Argos und kamen dann an Bord. Sie verließen das Schiff etwa 50 Minuten später wieder, ohne irgendetwas mitzunehmen. Die Einschusslöcher stellen den einzigen geringfügigen Schaden am Schiff dar. Die gesamte Besatzung der Bourbon Argos befand sich während des Angriffes im Sicherheitsbereich des Schiffes und blieb unverletzt. Am Tag des Angriffs befanden sich keine aus Seenot Geretteten an Bord.

„Obwohl wir nicht wissen, wer die Angreifer waren und welches Motiv sie hatten, zeigt unsere erste Untersuchung der Fakten, dass sie professionell und gut ausgebildet waren“, sagt Stefano Argenziano, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen. „Es handelt sich um einen ernsten und besorgniserregenden Angriff. Unser Schiff wurde beschossen und unsere Mitarbeiter hätten Schaden nehmen können.“

Es braucht sichere und legale Fluchtwege nach Europa

Die Bourbon Argos liegt derzeit in Sizilien im Hafen. Die beiden anderen Rettungsschiffe von Ärzte ohne Grenzen setzen die Such- und Rettungseinsätze in den Gewässern nördlich von Libyen fort. Alle Einsätze werden von Häfen in Sizilien (Italien) und Malta aus geleitet.

„Die Zahl der Menschen, die im Mittelmeer sterben, steigt immer noch dramatisch und die Lage in Libyen verschlechtert sich weiterhin“, so Argenziano. „Vor diesem Hintergrund halten wir den Ansatz Europas für kurzsichtig und unangemessen, denn er legt den Fokus nicht auf die Rettung von Menschenleben. Die Seenotrettung im Mittelmeer ist nur ein Notbehelf, weil es nach wie vor keine sicheren und legalen Fluchtwege nach Europa gibt. Diese sind heute nötiger denn je, um Leben zu retten und Menschen auf der Flucht Schutz zu bieten.“

Seit dem Beginn der Such- und Rettungseinsätze am 21. April 2016 haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen an Bord der Dignity, Bourbon Argos und Aquarius (in Partnerschaft mit SOS Méditerranée) bei 84 Rettungseinsätzen 10.925 Menschen gerettet.

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