Mosambik

Mosambik: Moderne Technologien im Kampf gegen HIV

Die Methode der so genannten Viruslast-Bestimmung ist ein im Westen bereits etablierter Standard bei der Behandlung von HIV. Ärzte ohne Grenzen setzt diese moderne Technologie bereits in acht afrikanischen Ländern ein – vergangenes Jahr startete das Projekt in Mosambik.

Eine Gruppe von Menschen wartet unter einigen Akazienbäumen vor dem Jose Macamo Krankenhaus in Maputo. Es ist eines von drei öffentlichen Krankenhäusern in der Hauptstadt von Mosambik, wo mehr als 1,7 Millionen EinwohnerInnen leben. Mit einer HIV-Prävalenz von 17% ist das Virus im Alltag von Maputo allgegenwärtig.

Die PatientInnen warten auf die Ergebnisse ihres CD4-Tests, der feststellt, wie schwach ihr Immunsystem durch die HIV-Erkrankung bereits ist und ob sie mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden können. Doch dieser Test ist längst nicht mehr zeitgemäß.

Moderne Technologien statt veralteten Tests

Der CD4-Test, der in ärmeren Ländern eingesetzt wird, dient nur als indirekter Indikator für den Verlauf einer HIV-Erkrankung. Im Gegensatz dazu berechnet die neue Technologie der so genannten Viruslast-Bestimmung exakt, wie stark sich der Virus im Körper des Patienten verbreitet hat. Der Viruslast-Test wird in westlichen Ländern bereits seit vielen Jahren eingesetzt – die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt ihn als Standard in der Behandlung von HIV . Das Verfahren gibt ÄrztInnen die Möglichkeit, genau festzustellen, wie gut die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten wirkt, ob der betreffende Patient seine Medikamente richtig einnimmt oder ob der Körper eine Resistent gegen sie entwickelt hat. Dank dieser Technologie können HIV-positive Menschen trotz der Krankheit ein langes und gesundes Leben führen – wie auch PatientInnen mit Diabetes oder Bluthochdruck.

Doch der Viruslast-Test wird in Ländern wie Mosambik, wo er am dringendsten benötigt wird, bisher nur wenig eingesetzt – denn die finanziellen Mittel sind nicht vorhanden. Mit Hilfe einer Subvention durch UNITAID konnte Ärzte ohne Grenzen im August 2013 die ersten Geräte zur Viruslast-Bestimmung im öffentlichen Gesundheitssystem von Mosambik einsetzen, die den PatientInnen in ganz Maputo zugute kommen.

Schritt für Schritt zur optimalen Behandlung

Als Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2013 die Methode im Jose Macamo Krankenhaus einführte, wurden drei Labortechniker des Gesundheitsministeriums ausgewählt, um nach einer umfassenden Einschulung mit den Geräten zu arbeiten. Der 25-jährige Ilidio Silva Cavele ist einer von ihnen: „Ich hatte bereits während der Ausbildung von dieser Technologie gehört. Es ist sehr spannend für mich, nun diese Theorie in der Praxis anwenden zu können.“

Als ersten Schritt nimmt Ilidio einen Stapel Papier mit Blutflecken zur Hand – die ersten 140 Proben, die getestet werden. Sie stammen aus Projekten von Ärzte ohne Grenzen in ganz Maputo. Aus den eingetrockneten Blutproben auf dem Papier erzeugt eine Maschine eine klare Flüssigkeit, die alle Informationen über den Gesundheitszustand des Patienten beinhaltet: Seine RNA – ein Molekül aus Erbinformation und Proteinen, die Basis des Lebens. In diesem Molekül ist auch das HIV-Virus eingebettet. Über 70 Millionen Menschen sind von HIV betroffen, seit es vor 30 Jahren entdeckt wurde. Sie benötigen eine Behandlung – und vor allem eine, die wirkt. Dafür benötigt es moderne Technologie, die feststellen kann, ob sie das auch tut.

In einem nächsten Schritt bringt Ilidio die kleinen Laborfläschchen zu anderen Maschinen, die – ähnlich einem Mikroskop – aus einer Vergrößerung der Testergebnisse feststellen, wie viele HIV-Viren sich in den Proben befinden. Drei Stunden nachdem Ilidio mit der Arbeit begonnen hat, zeigt ein Computer die Ergebnisse auf dem Bildschirm an: „ND“ – nicht messbar. Die beste Nachricht, die ein HIV-positiver Patient erhalten kann: Sie bedeutet, dass das Virus erfolgreich unterdrückt wird und die Behandlung optimal wirkt. Außerdem ist es in diesem Fall eher unwahrscheinlich, dass die Person das Virus übertragen kann – das Risiko ist um 96% geringer.

Schlüssel im Kampf gegen HIV

„Im Sinne der öffentlichen Gesundheitsversorgung ist die Viruslast-Bestimmung der Schlüssel im Kampf gegen HIV. Deshalb sollte diese Methode in Ländern eingesetzt werden, die sie am dringendsten benötigen – auch, wenn sie keine entsprechenden finanziellen Ressourcen haben“, erklärt Daniel Remartinez, der medizinische Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Maputo.

Das Hauptproblem stellen die fehlenden finanziellen Mittel dar: Viruslast-Tests sind teuer, vor allem für Länder mit einer hohen HIV-Prävalenz, die täglich hunderte davon benötigen. Außerdem müssen die Maschinen von hochqualifiziertem Personal bedient werden, solange es keine einfacheren Geräte gibt. Doch die Erfahrung von Ärzte ohne Grenzen in denjenigen Ländern, wo die Viruslast-Bestimmung bereits eingesetzt wird, zeigt, dass es möglich ist, die Technologie bereits anzuwenden. Währenddessen übt der Kooperationspartner UNITAID weiterhin Druck auf Industrie und Hersteller aus, damit die Preise gesenkt werden. Die Kosten für einen einzelnen Test sind während der vergangenen zwei Jahre bereits um 35% gesunken – auf weniger als 20 US-Dollar. Weitere Preisreduktionen sind für die Zukunft vorhersehbar.

Ärzte ohne Grenzen hat die Methode der Viruslast-Bestimmung im öffentlichen Gesundheitssystem von Mosambik gestartet, um PatientInnen in Behandlung besser beobachten zu können. Die Gesundheitsbehörden von Mosambik planen, Viruslast-Tests im Laufe der nächsten zwei Jahre im ganzen Land einzusetzen – basierend auf einem Behandlungsprotokoll, das auf den Erfahrungen von Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit den Behörden beruht.

Ärzte ohne Grenzen konnte die Viruslast-Bestimmung Dank einer dreijährigen Förderung durch UNITAID bereits in acht afrikanischen Länder einführen: Mosambik, Demokratische Republik Kongo, Lesotho, Malawi, Südafrika, Swasiland , Uganda und Simbabwe. Im Fokus stehen der Zugang zu Diagnose und Behandlung für PatientInnen und die Zusammenarbeit mit den lokalen Gesundheitsbehörden. Die Aktivitäten werden den Voraussetzungen des jeweiligen Landes angepasst: Von der Verbesserung der Laboreinrichtung über die Implementierung neuer Diagnose-Möglichkeiten (wie in Mosambik und Simbabwe) bis zu Bereitstellung von Geräten, die auch von weniger spezialisiertem Gesundheitspersonal in kleineren Gesundheitseinrichtungen angewendet werden können (z.B. in Malawi und Uganda).

Durch die UNITAID-Förderung ist es Ärzte ohne Grenzen möglich, zu zeigen, dass die Methode der Viruslast-Tests auch in Ländern mit geringen Mitteln eingesetzt werden kann. Währenddessen wird versucht, PatientInnen den Zugang zu Behandlungsmöglichkeit wie antiretroviralen Medikamenten zu ermöglichen, auch wenn sie noch weit weg davon sind, eine Viruslast-Bestimmung zu erhalten. Es gibt keine Grund, weshalb PatientInnen mit geringen Ressourcen nicht ebenfalls von modernen Technologien profitieren sollten, sobald diese verfügbar sind. Die einzige Zugangsbeschränkung ist der Preis sowie die mangelnde Finanzierung, daher fordert Ärzte ohne Grenzen Preissenkungen seitens der Hersteller und höhere finanzielle Subventionen für die Methode der Viruslast-Bestimmung.

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