Serbien

Nach Grenzschließung Ungarns: Ärzte ohne Grenzen stockt Hilfe in Serbien auf

Wien, am 17. September 2015 – Nach der Schließung der Grenze durch Ungarn hat Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) die Teams auf der serbischen Seite der Grenze verstärkt. Die Hilfsorganisation verurteilt den gestrigen Einsatz von Gewalt gegen Flüchtlinge und fordert die EU erneut auf, sichere Fluchtwege zu schaffen.

Nach dem Beginn der Zusammenstöße mit der ungarischen Polizei und der Armee gestern Nachmittag hat Ärzte ohne Grenzen zwei mobile Kliniken an der Grenze eingesetzt, um den betroffenen Flüchtlingen zu helfen. Die Teams behandelten 15 Patienten nach dem Einsatz von Tränengas, eine Wunde aufgrund eines Gummigeschosses und zwölf Personen, die sich an den Klingen des Grenzzauns verletzt hatten.

„Der Einsatz derart exzessiver Gewalt, damit verletzliche Personen davon abgehalten werden, um Schutz anzusuchen, ist eine große Schande“, sagt Aurelie Ponthieu, humanitäre Beraterin für Migrationsfragen bei Ärzte ohne Grenzen. „Dies zeigt, wie absurd die Reaktion Europas auf die aktuelle Flüchtlingskrise ist. Die EU muss legale Alternativen und sichere Fluchtrouten schaffen.“

5.000 Menschen im Grenzland gestrandet

Der von Ungarn errichtete Zaun blockiert die Weiterreise der Menschen; rund 5.000 Personen hatten sich deshalb gestern im Niemandsland zwischen den Grenzposten der beiden Länder versammelt. Viele suchen nun nach alternativen Routen, etwa über Kroatien. Ärzte ohne Grenzen hat deshalb Teams an die serbisch-kroatische Grenze geschickt, um die dortige Situation zu erheben. Am Donnerstag befanden sich auch weiterhin zwischen 500 und 1.000 Flüchtlinge an der ungarischen Grenze, in der Hoffnung, dass diese wieder geöffnet wird. Ärzte ohne Grenzen ist bemüht, den Menschen rund um die Uhr medizinische Hilfe zu bieten und verteilt Zelte an die Familien.

„Die Schließung von Grenzen ist keine Lösung, sondern schiebt die Verantwortung bloß einem Nachbarland zu. Diese Maßnahme zwingt die Menschen dazu, größere Risiken einzugehen, was oft gravierende Auswirkungen auf ihre Gesundheit hat“, sagt Ana de Lemos, Projektkoordionatorin von Ärzte ohne Grenzen. „Solange es Konflikte in ihren Heimatländern gibt, werden diese Menschen fliehen müssen, egal, auf welche Hindernisse sie dabei stoßen.“

Lager in Röszke von Behörden geräumt

Während der vergangenen Wochen haben täglich 2.000 bis 4.000 Menschen das Lager im ungarischen Ort Röszke passiert. Am vergangenen Wochenende und am Montag ist das Lager von den ungarischen Behörden geräumt worden. Die Menschen, die sich zu diesem Zeitpunkt im Lager aufhielten, wurden erst in Bussen und später in Zügen zur österreichischen Grenze gebracht. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen waren ununterbrochen im Einsatz, bis am Montag der letzte Zug abgefahren war. Trotz der schwierigen Bedingungen versorgten sie rund 500 Flüchtlinge, darunter schwangere Frauen, und behandelten unter anderem offene Wunden und Atemwegsprobleme.

Nachdem das Lager und der Bahnhof in Röszke geräumt waren, begann das dortige Team von Ärzte ohne Grenzen die Teams auf der serbischen Seite der Grenze zu unterstützen. In Serbien versorgt Ärzte ohne Grenzen seit Dezember 2014 Menschen auf der Flucht mit mobilen Kliniken und Hilfsgütern. Die Teams sind in Horgos, Belgrad und Presevo tätig und behandeln vor allem Haut- und Atemwegserkrankungen – beides direkte Folgen der schwierigen Bedingungen, unter denen Menschen auf der Flucht in Griechenland und am Balkan leben müssen. Außerdem bieten sie psychologische Hilfe an. Im Zeitraum von Ende 2014 bis Ende August 2015 haben die Teams insgesamt 5.072 medizinische und psychologische Konsultationen in Serbien durchgeführt.

Serbien schlecht vorbereitet

Serbien ist auf die dringenden Bedürfnisse von Menschen auf der Flucht nach wie vor schlecht vorbereitet. Die fünf serbischen Asylzentren bieten Platz für maximal 1.000 Menschen. Im Laufe des Sommers haben sich die Behörden darum bemüht, die Aufnahmekapazität des Landes zu erhöhen, und drei weitere Zeltlager in Presevo und Miratovac im Süden und Kanijza im Norden errichtet, mit einer maximalen Aufnahmekapazität von 1.200 Plätzen.

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