„Nein, es tut weh, ich will das nicht.“

21.12.2010
Thinjin Wals drei Söhne leiden alle an Kala Azar. Die Mutter erzählt
Sudan 2010
MSF
Malakal, Sudan, 12.12.2010: Thinjin Wal mit ihren drei Söhnen. Alle drei leiden an Kala Azar.

Thinjin Wal ist Mutter von vier Kindern, drei davon leiden an Kala Azar.

Mein Name ist Thinjin Wal und ich habe vier Kinder. Drei meiner Söhne befinden sich hier im Malakal Krankenhaus und sind gegen Kala Azar behandelt worden.

Mein jüngster Sohn, Deng, ist zwei Jahre alt. Letzten September wurde er sehr krank und hatte wochenlang hohes Fieber. Er erbrach sich oft, hatte Durchfall und wurde sehr dünn. Ich brachte ihn in die Klinik in Bailet, die meinem Dorf Abong am nächsten gelegen ist. Dort sagte man mir, dass mein Sohn Malaria hätte. Also bekam er Medikamente gegen Malaria, die aber nicht halfen. Daraufhin wurde er gegen Typhus behandelt. Aber auch das scheiterte.

Weil die Klinik nicht mehr weiter wusste und über keinen Kala Azar-Test verfügt, wurden wir an das Malakal Krankenhaus verwiesen. Das war vor 45 Tagen. Wir brachten Deng nach Malakal, wo Ärzte ohne Grenzen ein Kala Azar-Behandlungszentrum eingerichtet hatte. Der zuständige Arzt konnte uns endlich sagen, woran Deng erkrankt war und die Behandlung gegen Kala Azar begann.

Der Heilungsprozess dieser Krankheit ist sehr langwierig und schmerzhaft. Während Deng die Medikamente gegen Kala Azar bekam, erkrankte er an Gelbsucht. Eine Bluttransfusion, die er von seinem Onkel erhielt, half ihm. Als dann aber auch noch eine Lungenentzündung dazu kam, war Deng so krank, dass wir nicht dachten, dass er überleben würde. Der Arzt von Ärzte ohne Grenzen tat alles, um Deng zu retten und schließlich ging es ihm besser. Jetzt ist er sowohl von Kala Azar als auch von der Lungenentzündung geheilt und wurde heute aus dem Behandlungszentrum entlassen. Und im letzten Monat dachten wir noch, dass er nie wieder gesund auf seinen Beinen stehen würde!

Während wir in Malakal waren, wurden aber zwei weitere Söhne von mir krank. Makong ist sieben Jahre alt und Garang fünf. Makong hatte jeden Abend hohes Fieber, einen trockenen Husten und litt unter Appetitlosigkeit. Garang erbrach sich, hatte Durchfall, ebenfalls Husten und keinen Appetit. Sie verloren beide viel Gewicht.

Auch sie wurden im Ärzte ohne Grenzen-Behandlungszentrum auf Kala Azar getestet und es stellte sich heraus, dass sie ebenfalls an der Krankheit litten. Nun werden die beiden behandelt. Garang weint und weint, wenn er die Injektionen bekommt, weil sie schmerzhaft sind. Jeden Tag müssen wir die Kinder darum bitten, die Injektionen zuzulassen. Sie wehren sich dagegen und sagen: „Nein, es tut weh, ich will das nicht.“ So muss ich sie jeden Tag begleiten und sicherstellen, dass die beiden die Injektionen akzeptieren. Und ich halte sie, wenn sie weinen. Dieser Zustand ist schlimm, aber wir werden alles tun, damit es den Kindern besser geht.

Letzte Woche kam mein Ehemann nach Malakal, um uns mitzuteilen, dass wir nach Hause zurückkehren müssten. Die Getreideernte muss eingeholt werden und das Feld muss vor Insekten geschützt werden, die das Getreide auffressen. Er verbrachte die letzte Woche mit uns in Malkal, um zu helfen. Morgen erhält Makong seine letzten Injektionen und danach wird mein Mann ihn mit nach Hause nehmen, damit er bei der Getreideernte mithelfen kann. Ich werde mit Garang hier bleiben während er noch behandelt wird. Auch Deng bleibt bei uns, da er noch so jung ist.

Wir haben einige Schwierigkeiten zu überwinden, aber wir sind dankbar, dass alle unsere Kinder wieder gesund sein werden. Und dass wir alle bald wieder in unserem Dorf zusammen sein werden.

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