Slowenien: Dringend mehr Hilfe für Durchreisende nötig

25.10.2015
Slovenia: People on transit urgently need assistance
Hanna Spegel/MSF
Thousands of people are entering Slovenia daily on different spots along the border to Croatia. While some of them are gathering in overcrowded transit centres, others have to spend the night outdoors on the fields without any assistance. Doctors without Borders (MSF) is currently supporting the Slovenian Ministry of Health in the transit camp of Brezice and is extending its humanitarian support after assessing the situation in the area.

Tausende Menschen überqueren derzeit täglich an verschiedenen Punkten die Grenze von Kroatien nach Slowenien. Während manche von ihnen in überfüllten Übergangszentren unterkommen, müssen andere die Nächte unter freiem Himmel verbringen. Ärzte ohne Grenzen / Médecins Sans Frontières (MSF) unterstützt derzeit das slowenische Gesundheitsministerium im Aufnahmezentrum Brezice und wird nun nach einer Erhebung der Lage in der Region die humanitäre Hilfe weiter aufstocken.

Seit der Grenzschließung Ungarns reisen die Menschen von Serbien und Kroatien über Slowenien weiter nach Deutschland und Nordeuropa. Doch auch wenn sich die slowenischen Behörden auf die Ankünfte gut vorbereitet hatten, war der massive Flüchtlingszustrom überwältigend: Die geplanten Kapazitäten wurden teilweise bis auf das Fünffache überschritten. Bis zu 9.000 Flüchtlinge kommen täglich an verschiedenen Grenzorten an, während die Unterkünfte im gesamten Land für nur rund 2.500 Personen ausgelegt sind. Daher stranden laufend tausende Menschen unter erbärmlichen Bedingungen sowohl im überfüllten Aufnahmezentrum Brezice als auch auf Feldern rund um Rigonce und Dobava im Osten des Landes.

Hanna Spegel/MSF
Menschen warten auf einem Feld im slowenischen Rigonce an der Grenze zu Kroatien darauf, weiterreisen zu können. Mangels Unterkünften sitzen oder liegen sie auf dem Boden.

Sie haben keinen Zugang zu Unterkünften, Nahrung und Sanitäranlagen, was sowohl Auswirkungen auf ihre psychische und physische Gesundheit hat, als auch die medizinischen Kapazitäten übersteigt, um alle zu versorgen, die Hilfe brauchen. Die Situation wird sich angesichts der bevorstehenden Wintermonate und sinkender Temperaturen noch weiter verschlechtern.

Menschen sind extrem erschöpft

Ein medizinisches Team von Ärzte ohne Grenzen unterstützt seit Mittwoch das slowenische Gesundheitsministerium im Aufnahmezentrum Brezice. Tausende Menschen, darunter Familien, Kinder, Ältere und Behinderte, verbringen die Nacht draußen auf dem Gelände des Zentrums, ohne Schutz vor der Kälte.

„Die Menschen sind extrem erschöpft, und es gibt hier nichts“, so Sandra Miller, Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen. „Sie schlafen draußen in der Kälte und haben keine Unterkunft, kein warmes Essen, nichts.“ Derzeit behandelt das Team hauptsächlich Erschöpfungszustände, Unterkühlung, Atemwegserkrankungen und Grippesymptome.

Hanna Spegel/MSF
Sandra Miller, Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen, mit dem kleinen Rebe Ibrahim in der Ambulanz des Aufnahmezentrums Brezice. Der vierjährige Bub aus Syrien leidet unter Erschöpfung und Unterkühlung.

„Von einem medizinischen Standpunkt aus betrachtet brauchen sie derzeit am dringendsten ein beheiztes Zelt und eine warme Suppe“, unterstreicht Ärztin Susanna McAllister.

Der Winter naht – mehr Hilfe ist dringend nötig

Nachdem ein Team von Ärzte ohne Grenzen am Samstag die Situation im Gebiet rund um Brezice erkundet hat, wird nun die logistische und medizinische Hilfe ausgeweitet, um die Lebensbedingungen zu verbessern, die Durchreisekapazitäten zu erhöhen und die Aufnahmezentren zu entlasten. Während der vergangenen zwei Tage sind zwischen 10.000 und 15.000 Flüchtlinge in Griechenland angekommen, die wahrscheinlich ihre Reise Richtung Mitteleuropa ebenfalls entlang der Balkan-Route fortsetzen werden.

„Der Mangel an Koordination zwischen den EU-Mitgliedsstaaten erzeugt eine humanitäre Krise“, so Margaretha Maleh, Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen Österreich, die derzeit vor Ort in Brezice ist. „Diese Menschen haben ein Recht auf Würde und auf humanitäre Hilfe entlang ihrer Reise, dazu zählen auch eine warme und trockene Unterkunft, ausreichend Essen, warme Duschen und medizinische Versorgung.“