Statement zur Quarantäne für heimkehrenden Ebola-HelferInnen

Aufgrund der jüngsten Entwicklungen in den USA äußert sich Ärzte ohne Grenzen in New York besorgt über die Quarantäne für heimkehrende HelferInnen, die keine Ebola-Symptome zeigen. Die Organisation befürchtet, dass dies die Bemühungen um die Eindämmung der Epidemie in Westafrika behindern kann. Die sorgfältige Gesundheitsüberwachung von MitarbeiterInnen, die aus den vom Ebola-Ausbruch betroffenen Ländern zurückkehren, ist der Zwangisolierung von Menschen ohne Symptome vorzuziehen.

„Wir verstehen die Sorge der Menschen. Die Reaktion auf den aktuellen Ebola-Ausbruch sollte aber nicht von Angst geleitet werden", sagte Sophie Delaunay, Geschäftsführerin von  Ärzte ohne Grenzen  in den USA. „Vorschriften, die sich nicht an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren und die auf die Isolierung gesunder HelferInnen ohne Symptome abzielen, laufen Gefahr, Menschen zu demotivieren, die wir so dringend brauchen, weil sie die Epidemie an ihrem Ursprung in Westafrika bekämpfen können."

Internationale MitarbeiterInnen von  Ärzte ohne Grenzen  stehen für ihre Arbeit im Ebola-Gebiet vier bis sechs Wochen lang unter Vertrag. Das Risiko für US-amerikanische MitarbeiterInnen, nach der Rückkehr in den USA womöglich für 21 Tage in Quarantäne gehen zu müssen, hat bereits dazu geführt, dass einige von ihnen ihren Hilfseinsatz vor Ort verkürzten. Andere werden sich angesichts einer möglichen Quarantäne erst gar nicht mehr bewerben. Dies wird zu einschneidenden Problemen in den Projekten von  Ärzte ohne Grenzen  und anderen Hilfsorganisationen vor Ort führen. Es droht vor Ort zu einem Engpass bei den so dringend benötigten speziell ausgebildeten HelferInnen zu führen - und dies zu einem Zeitpunkt, zu dem die Ebola-Epidemie in Westafrika weniger unter Kontrolle ist als je zuvor.

Die Hilfe von  Ärzte ohne Grenzen  vor Ort stützt sich auf einen kleinen Pool von Menschen mit äußerst spezifischen Fähigkeiten, die in einem Ebola-Einsatz gebraucht werden. Wenn diese Helfer nicht mehr verfügbar sind, kann dies verheerende Konsequenzen haben. 

Die verschärften Vorschriften für zurückkehrende Helfer in den USA könnten auch andere Länder zu ähnlichen Maßnahmen greifen lassen. Die Möglichkeiten, den Ausbruch in Westafrika zu bekämpfen, würden dadurch weiter eingeschränkt.

„Wir müssen uns von der Wissenschaft und nicht von politischen Agenden leiten lassen", sagte Joanne Liu, internationale Präsidentin von  Ärzte ohne Grenzen.  "Der beste Weg, das Risiko einer Ebola-Ausbreitung außerhalb Westafrikas zu verringern ist, die Krankheit in Westafrika zu bekämpfen. Politische Bestimmungen, die diese Vorgehensweise untergraben oder Fachkräfte davon abhalten, ihre Hilfe anzubieten, sind kurzsichtig. Wir müssen über unsere eigenen Grenzen hinweg schauen, um diese Epidemie zu stoppen."

Die medizinische Forschung zeigt, dass Menschen, die keine Symptome zeigen, das Virus nicht übertragen. Das Ebola-Virus wird auch nicht durch Tröpfcheninfektion übertragen, anders als Erkältungs- oder Grippeviren. Es kann nur durch direkten Kontakt mit den Körperflüssigkeiten eines Infizierten übertragen werden, der Symptome zeigt.

Ärzte ohne Grenzen  hat strikte Sicherheitsprotokolle für aus dem Ebola-Gebiet zurückkehrende MitarbeiterInnen. Diese Protokolle stützen sich auf international geltende Richtlinien.

Ärzte ohne Grenzen ist seit März 2014 im Ebola-Gebiet in Westafrika im Einsatz. Seitdem wurden mehr als 700 internationale MitarbeiterInnen in den Ebola-Einsatz geschickt. Derzeit arbeiten in Guinea, Liberia und Sierra Leone rund 270 internationale MitarbeiterInnen und mehr als 3.000 lokale MitarbeiterInnen. Die Organisation betreibt sechs Ebola-Behandlungszentren (je zwei in Guinea, Liberia und Sierra Leone), mit insgesamt rund 600 Betten in Isolierstationen. Seit Beginn des Ausbruchs hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 4.900 PatientInnen aufgenommen, rund 3.200 von ihnen hatten Ebola. Bislang konnten etwa 1.140 PatientInnen die Behandlungszentren wieder gesund verlassen. Ärzte ohne Grenzen hat zudem seit März mehr als 877 Tonnen Hilfsgüter in die betroffenen Länder geschickt.

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