Südsudan

Psychologische Unterstützung für ehemalige Kindersoldaten im Südsudan

Im Jahre andauernden Bürgerkrieg im Südsudan wurden viele Kinder gezwungen, als Soldaten und Soldatinnen zu kämpfen. Diese ehemaligen Kindersoldaten und -soldatinnen werden nun von einem Team von Ärzte ohne Grenzen begleitet, damit sie sich wieder in die Gesellschaft integrieren können. Es ist das erste Projekt von Ärzte ohne Grenzen in diesem Bereich. Ein Interview mit Silvia Márquez, Leiterin der Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Bereich psychische Gesundheit.

Auf dem Schulweg entführt

Alle unsere Patienten und Patientinnen kommen aus der Region Yambio. Das jüngste Kind ist 10 Jahre und das älteste 19 Jahre alt, aber die meisten sind zwischen 15 und 17 Jahre alt. Ein Drittel davon sind Mädchen. Eine Minderheit gibt an, dass sie sich freiwillig bewaffneten Gruppen angeschlossen haben. Da sie sich aber als Minderjährige dazu entschieden, konnten sie die Folgen möglicherweise nicht richtig einschätzen. Andere machen die schlechten Lebensbedingungen für ihre Entscheidung verantwortlich. Die meisten berichten jedoch, dass sie auf dem Weg zur Schule oder zu den Feldern entführt wurden.

Psychische Gesundheit und medizinische Grundversorgung

Bislang wurden landesweit 3100 Kinder demobilisiert, davon stammten 983 aus der Region Yambio (Zahlen gemäß Unicef). Unser Team nimmt sich allen mit dem bewaffneten Konflikt verbundenen Gesundheitsproblemen an, einschließlich Fälle von sexueller Gewalt. Es bietet auch psychologische Betreuung an, um den Kindern und Jugendlichen zu helfen, mit den Erfahrungen, die sie als Soldaten und Soldatinnen gemacht haben, umzugehen. Im vergangenen Jahr hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 1430 medizinische Konsultationen und 911 psychologische Sprechstunden für demobilisierte Kinder durchgeführt.

Die Kinder sind nicht überall willkommen

Während die meisten ehemaligen Kindersoldaten und Kindersoldatinnen wieder von ihren Familien aufgenommen werden, ist es in anderen Fällen schwierig, die Angehörigen, die möglicherweise fliehen mussten oder verstorben sind, zu finden. Einige Familien empfinden die Kinder auch als Belastung. An Orten, die von dem Konflikt schwer gezeichnet sind, wurden auch Kinder ausgestoßen. Sie fürchten nun, nie wieder akzeptiert zu werden. Viele Kinder und Jugendliche besuchen nun wieder die Schule oder sind zu ihrer Arbeit auf den Feldern zurückgekehrt. Einige haben sogar geheiratet.

Flashbacks aus dem Krieg

Rund 35% unserer Patienten und Patientinnen leiden unter posttraumatischen Belastungsstörungen und viele von ihnen leiden unter Depressionen. Zahlreiche unserer Kinder weisen mehrere Symptome auf, so leiden sie z. B. unter wiederkehrenden Flashbacks und werden von traumatischen Erinnerungen verfolgt. Einige fühlen sich urplötzlich in Kampfhandlungen zurückversetzt, andere werden im Alltag unvermittelt von Gedanken oder Bildern aus dem Krieg heimgesucht. Wiederum andere denken über Selbstmord oder Selbstverletzung nach.

Hilfe leisten

Wir setzen Entspannungstechniken ein, um die Angst unserer Patienten und Patientinnen zu lindern und ihre Bewältigungsmechanismen und Resilienz zu stärken. Wir bieten Gruppenaktivitäten und Psychoedukation an. In diesem Rahmen diskutieren wir spezifische Themen und organisieren Freizeitaktivitäten wie Fußballspiele oder Malkurse.

Rückkehr zu den bewaffneten Gruppen

Trotz unserer Unterstützung ist die Wiedereingliederung in die Gesellschaft nicht immer einfach für unsere Patienten und Patientinnen. Wenn ihr Alltag mit Schwierigkeiten verbunden ist, denken manche darüber nach, sich wieder einer bewaffneten Gruppe anzuschließen, da ihnen dort teilweise mehr Möglichkeiten offenstehen. In diesen Fällen ist es sehr wichtig, den Kontakt zu anderen Organisationen herzustellen, die den Kindern z. B. ermöglichen, wieder zur Schule zu gehen und sich so wieder in die Gemeinschaft zu integrieren.

Erfolgreiche Rückkehr ins Zivilleben möglich

Ist es möglich, in das normale Leben zurückzukehren, wenn man zuvor Kindersoldat oder Kindersoldatin war? Ja, das ist es. Einige dieser Kinder, die sehr schwierige und traumatische Situationen erlebt haben, werden zu engagierten Mitgliedern der Gesellschaft. Diese Kinder haben mich besonders berührt. Die meisten dieser Kinder und Jugendlichen wollen heiraten, arbeiten und ein normales Familienleben führen. Die Therapie ermöglicht ihnen, diese Ziele zu erreichen. Die hohe Teilnehmerzahl und die Tatsache, dass zwei Drittel unserer Programmteilnehmer und -teilnehmerinnen ihre Behandlung abschließen, zeigen das. Menschen sind sehr widerstandsfähig. Sie haben die Fähigkeit, den Fokus nicht auf die traumatische Vergangenheit, sondern auf ihre Zukunft und ihre Ziele zu legen, und so trotz allem glücklich zu leben.

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