Südsudan

Südsudan: Hilfsaktivitäten nach Kämpfen wiederaufgenommen

Anhaltende Kämpfe zwangen Ärzte ohne Grenzen dazu, die Teams aus Melut zu evakuieren und die medizinischen Aktivitäten 16 Tage lang einzustellen. Das Hilfsprogramm wird nun fortgesetzt, um die Bevölkerung in Teilen des Bundesstaats Upper Nile zu versorgen.

Der anhaltende Konflikt und wiederkehrende Kämpfe in Malakal und Melut erschweren den Einsatzteams von Ärzte ohne Grenzen weiterhin den Zugang zu den Menschen, um medizinische Hilfe zu leisten. Auch der Bevölkerung ist es kaum möglich, Gesundheitseinrichtungen aufzusuchen. Die Einstellung der medizinischen Aktivitäten führte dazu, dass sowohl die Bewohner in Melut als auch die 20.000 Vertriebenen im Lager Denthoma 1 während dieser Zeit keinerlei medizinische Versorgung erhielten. Auch Gebiete am anderen Ufer des Nils in den benachbarten Regionen Wau Shilluk und Noon, die je 37.000 bzw. 7.000 Menschen beherbergen, waren von jeglicher humanitären Hilfe abgeschnitten. Einige Patienten und Patientinnen, die aufgrund von Krankheiten wie HIV, Tuberkulose und Kala-Azar behandelt werden, waren gezwungen, ihre Therapie zu unterbrechen – was wiederum zu fatalen Medikamentenresistenzen führen kann.

„Alles, was wir wollen, ist, die Bevölkerung medizinisch zu versorgen – unabhängig von ihrer ethnischen, politischen oder religiösen Zugehörigkeit“, so Miroslav Ilic, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. „Es ist essentiell, dass die Menschen weiterhin Zugang zu hochwertiger, lebensrettender medizinischer Hilfe haben. Daher ist es unumgänglich, dass alle Konfliktparteien humanitäre Hilfe und medizinische Versorgung für die Bevölkerung zulassen.“

Krankenhaus geplündert und zerstört

Im Vertriebenenlager Denthoma 1 in Melut betreibt Ärzte ohne Grenzen ein Krankenhaus – nach über einer Woche kehrten die Teams für einen Kurzbesuch dorthin zurück. Sie mussten jedoch geschockt feststellen, dass Spital, Büroräume und Apotheke geplündert und zerstört worden waren – ein unbezahlbarer Verlust. Die Wassertanks waren von Einschusslöchern übersät, die Menschen somit seit drei Tagen ohne sauberem Wasser. Daher startete Ärzte ohne Grenzen Nothilfe-Aktivitäten und verteilte Wasserfilter an 4.000 Familien. So können die Menschen das Wasser reinigen, das sie aus dem Nil holen und verwenden. Ärzte ohne Grenzen hat auch das beschädigte Wasseraufbereitungssystem repariert – so wird das Lager mit täglich rund 120 Kubikmeter sauberem Wasser versorgt.

„Das Werkzeug des geplünderten Spitals war gestohlen worden, also begannen wir damit, uns im Lager umzusehen – und fanden einen riesigen Schraubenschlüssel. Damit und mit ein paar Dingen aus dem Werkzeugkasten unseres Autos nahmen wir die Aufbereitungsanlage auseinander“, berichtet Paul Jawor, technischer Berater von Ärzte ohne Grenzen im Bereich Wasser & Sanitär. „Schlussendlich konnten wir die Wasserversorgung für rund 20.000 Menschen erfolgreich wiederherstellen, so bekommt jede Person wieder die nötigen 10 Liter Wasser täglich. Die Menschen trinken nun nicht mehr unbehandeltes Flusswasser und gefährden ihr Leben durch übertragbare Krankheiten wie Durchfall und Cholera.“

Notfallbehandlungen in Malakal nehmen stark zu

Im Vertriebenenlager der UN zum Schutz der Zivilbevölkerung in der Stadt Malakal stiegen indes die Fälle, bei denen eine medizinische Notversorgung nötig war, von 301 im Jänner auf 861 im Mai. Trotz schwerer Bombardements und interkommunaler Zusammenstöße innerhalb des Lagers setzte Ärzte ohne Grenzen die medizinischen Hilfsaktivitäten für die mehr als 30.000 dort lebenden Menschen fort. Sowohl Verwundete als auch Menschen mit Krankheiten wie Malaria, Atemwegserkrankungen und akuten Durchfallerkrankungen wurden behandelt.

Die hohe Unsicherheit in den vergangenen Wochen hat die Bewegungsfreiheit der Einsatzteams von Ärzte ohne Grenzen zur Versorgung der Menschen am anderen Ufer des Nils in den Gebieten Wau Shilluk und Noon deutlich eingeschränkt. Die Organisation war daher gezwungen, nur mehr medizinische Kurzbesuche durchzuführen, im Rahmen derer die dringlichsten Fälle versorgt wurden. Auch erhielten Tuberkulose-Patienten und –Patientinnen ihre Medikamente, um eine Unterbrechung der Behandlung zu vermeiden. Solange sich die Sicherheitslage nicht stabilisiert, können die Teams keine normalen Aktivitäten durchführen, womit das Leben für diese isolierten Bevölkerungsgruppen noch weiter erschwert wird.

Humanitäre Hilfe muss respektiert werden

Administrative Hürden und die Einschränkungen aufgrund der Sicherheitslage machen es immer schwieriger, humanitäre Hilfe zu leisten: Flugzeuge können in Konfliktgebieten nicht landen, damit wird die Zustellung essentieller Güter – darunter Medikamente – erschwert. Mit der bald einsetzenden Regenzeit werden Straßen unpassierbar, Transportrouten überschwemmt: Der Zugang zu entlegenen Gebieten wird damit schwieriger, die betroffene Bevölkerung noch weiter gefährdet.

Es ist daher dringend notwendig, dass die sich bekämpfenden Gruppen in diesen Gebieten die Bereitstellung humanitärer Hilfe für die betroffene Bevölkerung auch während es Konflikts  ermöglichen.

Ärzte ohne Grenzen ist einer der größten medizinischen und humanitären Organisationen im Südsudan. Mehr als 3.500 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten im gesamten Land sowie im benachbarten Äthiopien, Uganda und Sudan, wo südsudanesische Flüchtlinge versorgt werden. Aktuell ist Ärzte ohne Grenzen in sechs von zehn Bundesstaaten des Südsudan tätig, darunter in Unity, Upper Nile und Jonglei. In diesen Gebieten fordert der anhaltende Konflikt einen besonders hohen Tribut von der Bevölkerung. Die Einsatzteams sind auch in der Region Abyei aktiv. Sie decken verschiedene medizinische Bedürfnisse ab – von chirurgischen Eingriffe über Geburtshilfe bis zur Behandlung von Malaria und Kala-Azar sowie Impfkampagnen und Ernährungsprogramme. Ärzte ohne Grenzen ruft alle Konfliktparteien dazu auf, medizinische Einrichtungen zu respektieren, humanitären Organisationen den Zugang zu betroffenen Gemeinden zu ermöglichen und Patienten und Patientinnen den Zugang zu einer medizinischen Behandlung zu ermöglichen – unabhängig von ihrer Herkunft oder ethnischen Zugehörigkeit.

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