Syrien

Syrien: In der Provinz Idlib wird die Zivilbevölkerung bombardiert

Wien, 10. Jänner 2013. Im Norden der syrischen Provinz Idlib ist die Zivilbevölkerung Opfer heftigen und wahllosen Beschusses durch Regierungstruppen, berichtet heute die medizinische Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF). „Da uns nicht erlaubt wird, in den von der Regierung kontrollierten Gebieten zu arbeiten, können wir die Situation nicht unparteiisch beurteilen“, sagt Mego Terzian, der Verantwortliche für den Nothilfeeinsatz der Organisation in Idlib. „Was aber gesagt werden muss, ist dass wir Zeuge einer Strategie des Terrors gegen die Menschen in dieser Gegend werden, organisiert von der syrischen Regierung.“

Nördlich der Verbindungsachse zwischen den Städten Aleppo und Idlib, wo die Kämpfe derzeit zunehmen, bombardieren Regierungstruppen wahllos Dörfer und Städte. Ein Team von Ärzte ohne Grenzen ist gerade aus einer Stadt im Norden der Provinz zurückgekehrt, die in den vergangenen Monaten wiederholt bombardiert wurde. Dort gibt es ernste Engpässe bei der Versorgung mit dem Nötigsten: Es gibt nicht genug Trinkwasser, Brot, Milchpulver und keinen Strom. Der Benzinpreis ist dramatisch angestiegen. Eine geheime Klinik ist die einzige noch funktionierende medizinische Einrichtung. Sie wird von einigen wenigen syrischen medizinischen Fachkräften und lokalen Helfern betrieben. Angesichts heftigen Beschusses haben die Helfer jedoch Schwierigkeiten, eine größere Zahl von Verletzten zu behandeln. Gleichzeitig nehmen sie selbst ein großes Risiko auf sich, indem sie die Klinik am Laufen halten und die am schwersten Verletzten in Krankenhäuser außerhalb der Stadt bringen.

Zu wenig Hilfe für Verwundete

„Dafür, dass ein großer Teil der ursprünglichen Bewohner die Stadt verlassen hat und Menschen hinzugekommen sind, die aus anderen bombardierten Gegenden geflüchtet sind, herrscht eine beeindruckende Solidarität“, beschreibt Adrien Marteau, ein Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, die Situation in der Stadt. „Die Menschen springen als Krankenpfleger ein oder führen sogar kleinere chirurgische Eingriffe durch, weil es einfach niemanden gibt, der dies sonst tun könnte. Angesichts der Schwere vieler Verletzungen und der Sicherheitsrisiken durch Evakuierungen sterben jedoch viele Verwundete, weil sie nicht behandelt oder rechtzeitig evakuiert werden können. Der Großteil der Patienten mit ernsten Verletzungen, die wir in unserer Klinik in Idlib aufnehmen, stammt aus dieser Gegend.“

Ärzte ohne Grenzen betreibt derzeit drei Krankenhäuser in von bewaffneten oppositionellen Gruppen kontrollierten Gebieten im Norden und Nordwesten Syriens. Von Juni 2012 bis Januar 2013 haben die Mitarbeiter mehr als 10.000 Konsultationen durchgeführt und gut 900 chirurgische Eingriffe vorgenommen. In Jordanien, Libanon und Irak helfen Teams von Ärzte ohne Grenzen syrischen Flüchtlingen.

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