Unsere Hilfe in Syrien und den Nachbarländern

18.10.2019
Mit dem Beginn der türkischen Militäroperation in Nordsyrien am 9. Oktober musste die Organisation wegen der sehr instabilen Lage vor Ort die schwierige Entscheidung treffen, die Mehrzahl der Aktivitäten einzustellen und die internationalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abzuziehen.
Emergency North East Syria: Civilians Fleeing Offensive Ras al-Ain
Associated Press/AP
Syrians flee shelling by Turkish forces in Ras al Ayn, northeast Syria, Wednesday, Oct. 9, 2019. Turkish President Recep Tayyip Erdogan announced Wednesday the start of a Turkish military operation against Kurdish fighters in northeastern Syria. (AP Photo)

Mit dem Beginn der türkischen Militäroperation in Nordsyrien am 9. Oktober sind Städte und Dörfer entlang der türkisch-syrischen Grenze stark beschossen worden. Infolgedessen sind tausende Menschen vor den Kämpfen geflohen, um Schutz und Sicherheit zu suchen.

Seit fast acht Jahren leidet die Bevölkerung in Syrien an den Folgen von Krieg, Gewalt und Vertreibung. Die Menschen hatten versucht, sich wieder ein stabiles Leben aufzubauen, als der neu aufflammende Konflikt erneut ihr Zuhause zerstörte.

Evakuierung der internationalen Einsatzkräfte

Die Situation im Nordosten Syriens ist derzeit unvorhersehbar und verändert sich schnell. Wegen der Sicherheitslage vor Ort, mussten wir schweren Herzens die Entscheidung treffen, die internationalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu evakuieren. Das bedeutet, dass wir vorrübergehend einen großen Teil unserer Hilfe einstellen müssen.

Unsere syrischen Teams sind aber weiterhin im Nordwesten Syriens präsent und arbeiten in mehreren Gesundheitseinrichtungen und mobilen Kliniken: "Wir sind äußerst besorgt um die Sicherheit unserer syrischen Kolleginnen und Kollegen und ihrer Familien, die sich in diesen schwierigen Zeiten im Nordosten Syriens aufhalten. Wir werden sie weiterhin aus der Ferne unterstützen und alle Möglichkeiten prüfen, um der Bevölkerung trotz der Einschränkungen Hilfe zu leisten", sagt Robert Onus, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Syrien.

Seit Jahren sind wir auch in den Nachbarländern Syriens im Einsatz, um die Menschen, die dorthin geflüchtet sind, zu unterstützen. So bieten wir in unserem Krankenhaus in Amman in Jordanien etwa rekonstruktive chirurgische Hilfe für syrische Kriegsverletzte an und versorgen hunderttausende Flüchtlinge. Seit 2011 sind mehr als eine Million Menschen aus Syrien in den Libanon geflüchtet. Ärzte ohne Grenzen bietet eine breite Palette medizinischer Hilfe im ganzen Land an. Natürlich beobachten unsere Teams auch die neuen Fluchtbewegungen in die Nachbarländer um schnellstmöglich auf den Hilfsbedarf zu reagieren.

Menschen fliehen vor Konflikt an syrisch-türkischer Grenze

Ärzte ohne Grenzen hat gesehen, wie Menschen in Syrien aufgrund des Konflikts aus Orten entlang der Grenze zur Türkei vertrieben wurden. Luftangriffe, Bombardierungen und bewaffnete Zusammenstöße haben schwerwiegende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung und die Möglichkeit humanitärer Organisationen, sicher Hilfe zu leisten. In der Stadt Tal Tamer verteilten unsere Teams Decken, Nahrungsmittel, Wasser und Seife an Tausende Vertriebene. Bis zum 13. Oktober lieferten wir auch Wasser in mehrere Dörfer in der Region. Ein Luftangriff hatte die Wasserpumpstation beschädigt und die Wasserversorgung unterbrochen.

In der Grenzstadt Tal Abjad hat die Bombardierung die überwiegende Mehrheit der Menschen gezwungen, zu fliehen. Das einzige öffentliche Krankenhaus, das von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wurde, musste aufgrund des Konflikts geschlossen werden.
Konflikt in Nordsyrien: Neues Trauma für Bevölkerung

Zudem wurden am 13. Oktober Dutzende Menschen bei einem Luftangriff verletzt. Sie wurden in das Krankenhaus in Tal Tamer, ca. 30 km von der türkischen Grenze entfernt, gebracht. In der Stadt Ain Issa sahen unsere Teams, wie die Bevölkerung zu Fuß aus ihren Häusern floh und Sicherheit vor dem Konflikt suchte. Das Krankenhaus der Stadt, das in den letzten fünf Tagen eines der wichtigsten Krankenhäuser zur Behandlung von Verwundeten war, musste ebenfalls evakuiert werden.

Auch den Menschen im Lager Ain Issa mangelt es nach Informationen eines unserer Mitarbeiter an Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. Die Menschen befinden sie sich in einer sehr prekären Situation und wir sind äußerst besorgt um ihr Wohlbefinden.

Ärzte ohne Grenzen fordert alle am Konflikt in Nordsyrien beteiligten Parteien auf:

  •     den Schutz der Zivilbevölkerung, von Krankenhäusern, Krankenwagen und des medizinischen Personals, zu gewährleisten.
  •     lebensrettende humanitäre Hilfe und unparteiische medizinische Versorgung überall in der Region zu ermöglichen.


Ärzte ohne Grenzen ist nach wie vor in Nordwest-Syrien aktiv und bietet Gesundheitsversorgung in verschiedenen Einrichtungen und über mobile Kliniken an. Zudem unterstützen wir die Gesundheitsstrukturen in der Region.