Welt-Aids-Tag: Ärzte ohne Grenzen warnt vor massiven Finanzproblemen bei der Behandlung von Menschen mit HIV/Aids

Wien, 29. November 2011 – Die medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) fordert die Geber des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria auf, Mittel bereitzustellen, um auf die finanzielle Notlage des Fonds zu reagieren. Auch die österreichische Bundesregierung sollte sich endlich am globalen Kampf gegen die HIV/Aids-Epidemie beteiligen und einen den Möglichkeiten des Landes entsprechenden Beitrag leisten. Der Globale Fonds steckt in den größten finanziellen Problemen seiner Geschichte und sieht sich gezwungen, die 11. Zahlungsrunde für HIV/Aids-Programme zu streichen. Dadurch könnten die Bemühungen im Kampf gegen HIV/Aids weit zurück geworfen und bereits erzielte Erfolge zunichte gemacht werden.

Das Defizit des Globalen Fonds erklärt sich hauptsächlich durch den Rückzug einiger Spender bzw. durch die Verminderung ihrer Beiträge. Dies wird drastische Auswirkungen für Millionen von Menschen haben, die dringend die lebensrettende Behandlung mit den antiretroviralen Medikamenten benötigen. „Die Geber ziehen den Menschen mit HIV/Aids den Teppich unter den Füßen weg, gerade zu einem Zeitpunkt, an dem wir mit Hochdruck an der Ausweitung der lebensrettenden Behandlung arbeiten müssen“, sagt Tido von Schön-Angerer, Leiter der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen.

Noch nie da gewesen

Der Globale Fonds ist der größte multilaterale Geldgeber für Medikamente gegen HIV/Aids, der mehr als 70 Prozent der antiretroviralen Medikamente in Afrika zur Verfügung stellt, und auch 85 Prozent der Tuberkulose-Programme in dieser Region finanziert. Die Absage ist ein noch nie dagewesenes Ereignis in der 10jährigen Geschichte des Globalen Fonds.

In Ländern, die Ausfälle zu befürchten haben, werden Notfallreserven verfügbar gemacht, um für die bereits bestehenden Patienten und Patientinnen eine lückenlose Behandlung sicherzustellen. Tatsächlich wird die Aussetzung der 11. Finanzierungsrunde jedoch bedeuten, dass keine neuen Erkrankten in die Behandlungsprogramme aufgenommen werden, obwohl in den meisten Ländern im Süden Afrikas mehr als 30 Prozent der Betroffenen keinen Zugang zu den Therapien haben.

Verheerende Folgen

Die Absage der 11. Runde ist verheerend. Ohne die Neuaufnahme von HIV-Positiven in die Programme, werden die bereits viel zu langen Behandlungswartelisten noch länger. Auch wird befürchtet, dass wieder selektiv behandelt wird, das heißt dass Ärzte die Patienten und Patientinnen auswählen, die ihrer Meinung nach am dringendsten eine Behandlung brauchen anstatt diese für alle zur Verfügung zu stellen.

Abgesehen von den Kürzungen des Globalen Fonds wird die Situation dadurch verschlimmert, dass auch andere Spender ihre Programme und Unterstützungen zwei Jahre hintereinander kürzen mussten. In einigen schwer betroffenen Ländern, in denen Ärzte ohne Grenzen arbeitet, sind verheerende Auswirkungen der Finanzierungslücke deutlich sichtbar. Kamerun und Simbabwe haben beispielsweise schon kurzfristig Probleme, die Behandlung von Patienten und Patientinnen fortzuführen. In der Demokratischen Republik Kongo wird gerade die Zahl der Menschen, die eine lebensrettende HIV-Behandlung beginnen können, drastisch reduziert. Auch in Malawi, Kenia, Lesotho und Südafrika müssen geplante Programme auf Eis gelegt werden. In Mosambik wird mit Ausfällen bzw. Engpässen in der Medikamentenversorgung bereits Ende 2012 gerechnet. Am schlimmsten ist jedoch wohl die Situation in Swasiland, das bereits jetzt auf Notfallfonds von PEPFAR (US Aids Hilfsprogramm) angewiesen ist.

Behandlung mit ARVs enorm wichtig

Frühe Behandlung ist wichtiger denn je, wie neueste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, da die Behandlung nicht nur Leben rettet, sondern auch die weitere Ausbreitung der Krankheit verhindert. Das bedeutet auch, dass die Krankheit und deren Ausbreitung früher in den Griff zu bekommen ist, wenn mehr Menschen früher mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden. Länder wie Malawi, Mosambik oder Simbabwe versuchen diese frühe und bessere Behandlung den Menschen zugänglich zu machen, aber finanzielle Kürzungen haben den Bemühungen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Anders als der überwiegende Großteil der anderen europäischen Staaten, hat sich Österreich im vergangenen Jahrzehnt überhaupt nicht an der Finanzierung des Globalen Fonds beteiligt. „Die jetzige Krisensituation wäre eine ideale Gelegenheit für Österreich, im Bereich der internationalen Gesundheitspolitik aktiv zu werden und endlich einen den Mitteln des Landes angemessenen Beitrag zum globalen Kampf gegen HIV/Aids zu leisten“, fordert Mario Thaler, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich.

Pressemitteilung zum Download Bericht "10 Years That Changed My Life" zum Download

Teilen

Vervielfältigen