Malta

„Wir vergeuden hier unser Leben, aber wir können nicht zurück“

Ärzte ohne Grenzen hat die im März 2009 eingestellten medizinischen Aktivitäten in dem Internierungslagern Ta`kandja für illegale Migranten und Asylsuchende auf Malta wieder aufgenommen. Die Entscheidung folgte der Zusage der maltesischen Behörden, effektive medizinische Hilfe möglich zu machen und die Lebensbedingungen für die Internierten zu verbessern.

„Wir haben unsere Arbeit im März eingestellt, da wir uns nicht in der Lage sahen, unter den gegebenen Umständen angemessene medizinische Hilfe zu leisten. Aufgrund der erschreckenden Lebensbedingungen mussten Patienten oft wegen der gleichen Krankheit mehrmals behandelt werden“, sagt Gabriele Santi, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen auf Malta.

Jetzt hat Ärzte ohne Grenzen die Arbeit nach Verhandlungen mit den maltesischen Behörden im Internierungslager Ta`kandja in der ersten Juliwoche wieder aufgenommen. „Die derzeitigen Lebens- und Hygienebedingungen in Ta`kandja machen eine effektive medizinische Intervention möglich. Außerdem wird eine Isolierstation errichtet, in der wir Patienten mit ansteckenden Krankheiten behandeln können“, so Philippa Farrugia, Medizinerin von Ärzte ohne Grenzen auf Malta.

Ärzte ohne Grenzen hat in der ersten Woche nach Wiederaufnahme der Arbeit mehr als 100 Patienten behandelt. Die Organisation veranstaltet außerdem Aufklärungskampagnen und wird in Kürze psychologische Betreuung anbieten. Viele Häftlinge haben eine harte Reise nach Malta hinter sich und sind in den Internierungslagern mit einer ungewissen Zukunft konfrontiert, so dass ein großer Bedarf an psychologischer Unterstützung vorhanden ist.

„Wir helfen den Menschen, die seit Februar nur begrenzt Zugang zu medizinischer Hilfe hatten. Unsere Präsenz in Ta`kandja ermöglicht es uns, Neuankömmlinge auf Malta sofort zu untersuchen und den schwer Verletzten die benötigte Hilfe zukommen zu lassen“, sagt Gabriele Santi.

 

Gefährliche Überfahrten

 

In den ersten beiden Monaten dieses Jahres sind mehr als 700 Migranten und Asylsuchende mit Booten nach Malta gekommen. Seit Ende April sind dagegen keine neuen gelandet. Auch auf Lampedusa, einer italienischen Insel 220 Kilometer von Malta entfernt, auf der jeden Sommer Tausende Migranten ankommen, haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen seit April keine einzige Ankunft gesehen. „Ärzte ohne Grenzen ist darüber sehr besorgt. Wenn Migranten nach Libyen zurückgeschickt werden, bevor sie die Möglichkeit haben, in Italien oder auf Malta zu anzukommen, bedeutet dies, dass ihnen humanitäre Hilfe und die Möglichkeit, Asyl zu suchen, verweigert werden“, sagt Antonio Virgilio, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen für Italien und Malta. „Da sich die Grenzkontrollen verschärfen, sind die Migranten bereit, große Risiken einzugehen und gefährlich Überseefahrten in Kauf zu nehmen.“60 Prozent der Migranten auf Malta, die zwischen August 2008 und Februar 2009 von Ärzte ohne Grenzen behandelt wurden, waren aus Somalia. Sie durchreisen die Wüste und überqueren das Mittelmeer auf der Suche nach Schutz und Frieden.

 

Nicht genug Nahrung und Wasser

 

A., 24 Jahre alt, aus Mogadischu, wurde im September aus einem der maltesischen Internierungslager entlassen und in eines der vier offenen Lager in den Ort Hal Far - ebenfalls auf Malta - geschickt. Er und seine Freundin haben es beim dritten Versuch geschafft, von Libyen nach Malta zu fliehen. „Bei den ersten beiden Versuchen wurde unser Boot abgefangen und wir wurden zurückgeschickt. Wir sind ins Gefängnis gekommen. Wir hatten nicht genug Nahrung und Wasser und Schläge schienen die Regel zu sein“, sagte er. A. hat zwischen den fehlgeschlagenen Versuchen mehr als sechs Monate in libyschen Gefängnissen verbracht. Das Leben auf Malta ist aber nicht das, was er erwartet hat. „Auf Malta habe ich keine Zukunft, kein Leben und keine Entwicklungsmöglichkeiten. Wir stecken fest. Wir vergeuden hier unser Leben. Wir können aber auch nicht zurück“, sagt er. Ärzte ohne Grenzen leistet auf Malta seit August 2008 medizinische und psychologische Hilfe für illegale Migranten und Asylsuchende. Die Organisation arbeitet in den offenen Lagern Hal Far und im Internierungslager in Ta`kandja.

Teilen

Vervielfältigen