Zentralafrikanische Republik: Kämpfe im Norden zwingen Tausende zur Flucht

24.02.2012
Anhaltende medizinische Krise im Land
Zentralafrikanische Republik 2011
Anna Surinyach
Kabo, Zentralafrikanische Republik, 07.12.2011: Der Eingang zum Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kabo.

Die unsichere Lage im Norden der Zentralafrikanischen Republik hat tausende Menschen aus ihren Häusern vertrieben. „Dörfer sind gewaltsam zerstört und geplündert worden, ebenso wie Gesundheitszentren“, so Ärzte ohne Grenzen-Einsatzleiter Pablo Marco. 

Seit Ende Januar bringen die Kämpfe um Gondava und Ouandago an der Grenze zum Tschad große Instabilität in diese Region. Die tschadische Rebellengruppe Popular Front for Recovery, kurz FPR, kämpft gegen tschadische und zentralafrikanische Truppen. Etwa 3.000 vertriebene Menschen sind in den Dörfern Farazala, Ouandago und Nana-Outa angekommen, zusätzlich zu den 3.000 Menschen, die schon in Kabo Zuflucht gefunden haben.

„Während der ersten Tage der Kämpfe, wurden einige der Verwundeten in unser Krankenhaus eingewiesen. Unter ihnen waren auch zwei Frauen, die vergewaltigt worden waren. Mittlerweile gibt es aber Berichte über viel mehr Verletzte“, sagt Marco. Die Menschen flohen mit nichts als der Kleidung an ihrem Körper. Sie können nicht zurück zu ihren Feldern, deswegen gibt es einen dringenden Bedarf an Nahrungsmitteln und Hilfsgütern.“

Angst und Gewalt

Auch die 28-jährige Pake erreichte das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kabo nachdem ihr Haus in Ouandago angegriffen und sie selbst vergewaltigt worden war. Sie erzählt: „Meine Familie und ich schliefen gerade als bewaffnete Männer in unser Haus eindrangen. Mein Ehemann floh aus Angst. Auch meine drei älteren Kinder konnten flüchten, aber die Angreifer nahmen mein Baby und drohten damit, es zu töten. Sie warfen den Kleinen zu Boden und dann vergewaltigten sie mich. Ich gab ihnen alles Geld, was wir hatten. Ich konnte nicht in das Gesundheitszentrum gehen. Ich habe große Schmerzen, fühle mich unsicher und habe Angst. Mein Herz klopft und ich kann nachts nicht schlafen.“

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen gelang es, das Gesundheitszentrum in Farazala, 20 Kilometer entfernt von Ouandago, wieder zu eröffnen. Dort kann den tausenden Vertriebenen, die mit nichts als ihrer Kleidung in der Stadt ankommen, eine Basisgesundheitsversorgung angeboten werden. Die meisten der Menschen finden Zuflucht in leeren Häusern, die von anderen schon früher verlassen werden mussten. 

Bedarf an Hilfsgütern

Bisher müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in Farazala ohne Reserven auskommen, da es den Unterstützungs-Teams noch nicht gelungen ist, die Stadt zu erreichen. Sie sollen Nahrungsmittel und Hilfsgüter bringen, den Bedarf an psychischer Unterstützung unter den Vertriebenen ermitteln oder Kinder impfen.

Einem Team ist es gelungen, die Dörfer Ouandago und Nana-Outa zu erreichen. Dort konnten Hilfsgüter, wie Kunststoffplanen, Decken, Kanister, Kochutensilien und Hygiene-Sets an etwa 700 Familien verteilt werden.

State of Silent Crisis

Erst kürzlich wies Ärzte ohne Grenzen in einem Bericht darauf hin, dass die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik seit Jahren unter einer anhaltenden Krise leiden. Im Bericht  „Central African Republic: A state of silent crisis“  (Dezember 2011) warnte Ärzte ohne Grenzen vor der schlechten medizinischen Versorgung, die die enormen medizinischen Bedürfnisse des Landes nicht abdecken kann. Die Zentralafrikanische Republik hat weltweit die fünfthöchste Todesrate durch Infektions- und Parasitenerkrankungen. Die hohen Todesraten sind das Ergebnis von saisonalen Epidemien, einem schwachen Gesundheitssystem und einer erlahmten Wirtschaft aufgrund von jahrelangen Konflikten und Vertreibungen.