Zentralafrikanische Republik

Zentralafrikanischen Republik: Zehntausende brauchen dringend mehr Hilfe

Wien, 16. Oktober 2013. Im Nordwesten der Zentralafrikanischen Republik fliehen zehntausende Menschen vor einer neuen Welle der Gewalt und dem schonungslosen Töten durch Regierungstruppen und andere bewaffnete Gruppen. Mehr als 30.000 Vertriebene suchen derzeit in Bossangoa Zuflucht, auch in der Umgebung der Stadt sind es mehrere Tausend. Die Geflüchteten haben wenig bis gar keinen Zugang zu Unterkünften, sauberem Wasser, Nahrung oder Sanitäreinrichtungen. Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) ruft alle bewaffneten Gruppen auf, die Sicherheit der Zivilisten, des medizinischen Personals und der humanitären Helfer zu gewährleisten. Zudem muss dringend mehr Hilfe bereitgestellt werden.

Schusswaffen und Macheten

„Im vergangenen Monat haben wir in Bossangoa 60 Menschen mit Verletzungen behandelt, die von Gewalt herrührten – vor allem von Schusswaffen und Macheten, auch bei Frauen und Kindern“, sagt Erna Rijinierse, Chirurgin von Ärzte ohne Grenzen vor Ort. „Mehr als 80 Prozent der chirurgischen Eingriffe mussten wir aufgrund von Verwundungen vornehmen, die bei Kämpfen entstanden sind. Wir sind entsetzt über das, was wir sehen. Dörfer werden niedergebrannt, und es wird gemordet. Die Geflohenen brauchen dringend Hilfe und ein gewisses Gefühl der Sicherheit.“

Ärzte ohne Grenzen hat zahlreiche Informationen aus erster Hand über religiös motivierte Angriffe. Darunter ist die Hinrichtung von acht Menschen, die gemeinsam mit anderen versuchten auf einem Lastwagen zu fliehen. Und die gezielte Tötung zweier Männer in einem Dorf, aus dem danach viele der gleichen Religionszugehörigkeit flohen.

Hohe Seuchengefahr

In Bossangoa suchen schätzungsweise 28.000 Menschen in der überfüllten katholischen Missionskirche Zuflucht. Zusätzliche 1.200 sind in einem Krankenhaus untergebracht und machen damit die Hälfte des Gebäudes zu einer provisorischen Unterkunft. Weitere 1.000 Menschen suchen neben einer Landebahn Zuflucht, während rund 400 weitere sich in einer Schule versammelt haben. Da die Regenzeit anhält, sind die Menschen ohne Unterkunft besonders gefährdet, sich mit Malaria zu infizieren - der Todesursache Nummer eins in der Zentralafrikanischen Republik.

„Die Menschen schlafen, wo immer sie können. Alles ist überfüllt, und sie kochen, essen, schlafen und waschen sich dort, wo sie ihre Notdurft verrichten. Unter diesen katastrophalen hygienischen Bedingungen ist die Gefahr hoch, dass Seuchen ausbrechen", sagt Ellen Van der Velden, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. „Ärzte ohne Grenzen ist derzeit eine der wenigen Hilfsorganisationen, die in den Konfliktgebieten des Landes medizinische Hilfe, sowie Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Ernährungshilfe bietet. Viel mehr Hilfe ist nötig.“

Zivilisten und Helfer hingerichtet

Seit Oktober werden aus Bouca und Garga im Nordwesten des Landes sowie aus dem im Südwesten gelegenen Ort Mbaiki tödliche Zusammenstöße gemeldet. Unter den Opfern sind Zivilisten, humanitäre Helfer und medizinisches Personal. Ärzte ohne Grenzen wurde selbst Zeuge der Hinrichtung eines medizinischen Helfers sowie zahlreicher Angriffe auf humanitäre  Helfer. In Bouca setzt die Organisation ihre Hilfe für 400 Familien fort, die dort auf einem Gelände leben, seit ihre Häuser niedergebrannt wurden. Wenn die Instabilität in dieser Form anhält, wird der Zugang zu medizinischer Versorgung jedoch weiter erschwert.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1996 in der Zentralafrikanischen Republik. Zurzeit betreibt die Organisation sechs reguläre Projekte in Paoua, Carnot, Zemio, Boguila, Batangafo and Kabo Ndélé und seit kurzem Notfallprojekte in Bossangoa, Bria Bouca und Gadzi.

Link zum Dossier Vergessene Krisen

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