Zentralafrikanische Republik

Akute humanitäre Notlage in der Zentralafrikanischen Republik

Bangui/Wien, 9. Juli 2013. Drei Monate nach der Machtübernahme durch die Seleka-Bewegung befindet sich die Zentralafrikanische Republik in einer schweren humanitären Notlage, warnt die medizinische Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF). Die Organisation fordert von der internationalen Gemeinschaft, dass Hilfe für das Land Priorität haben muss. UN-Organisationen und viele Nichtregierungsorganisationen haben sich wegen fehlender Sicherheit aus der Hauptstadt zurückgezogen. Der heute von Ärzte ohne Grenzen veröffentlichte Bericht „Central African Republic: Abandoned to its fate?“ zeigt, dass die Bevölkerung in größter Not ihrem Schicksal überlassen wird. Ärzte ohne Grenzen befürchtet zudem, dass eine der schwersten Malaria-Epidemien bevorsteht.

Kein Zugang zur Gesundheitsversorgung

Während der Offensive der Seleka wurden Krankenhäuser und Gesundheitszentren geplündert, medizinisches Personal ist geflohen. Ohne Ärzte, Medikamente und medizinisches Material hat die Mehrheit der Menschen keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung. Das Land befand sich bereits vor dem Umsturz in einer Krise mit hohen Sterblichkeitsraten. Mangelernährung und vermeidbare Krankheiten sind häufig. Zudem beobachten die Teams von Ärzte ohne Grenzen einen alarmierenden Anstieg der Malariafälle – die Zahl ist um 33 Prozent höher als in der vergleichbaren Zeit im vergangenen Jahr: „Wir sind was die Auswirkungen von Malaria betrifft mit einem der schlimmsten Jahre konfrontiert”, erklärt Ellen van der Velden, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen.Eine Hürde für die medizinische und humanitäre Hilfe im Land ist der Mangel an Sicherheit. Einige UN-Organisationen, Nichtregierungsorganisationen sowie Ärzte ohne Grenzen sind Opfer von Raub und Plünderungen geworden. Dennoch hat Ärzte ohne Grenzen während der jüngsten Krise neun medizinische Programme weitergeführt und die Hilfe auf andere Regionen ausgeweitet. Allerdings sind die Bedürfnisse so groß, dass weitere Hilfe dringend benötigt wird. Auch die Finanzierung ist ein Problem. Von den Geldern, die im März 2013 von UN-Organisationen und Hilfsorganisationen für die aktuelle Krise angefragt wurden, sind bisher nur 31 Prozent ausgezahlt worden.

Appell an internationale Gemeinschaft

Ärzte ohne Grenzen appelliert an die internationale Gemeinschaft – einschließlich der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der Afrikanischen Union – ihre Hilfe für die Zentralafrikanische Republik als Priorität zu behandeln. Zudem ruft Ärzte ohne Grenzen die humanitäre Gemeinschaft auf, ihr Engagement trotz der aktuellen politischen Situation und der Sicherheitslage beizubehalten und Mittel bereitzustellen. Die Übergangsregierung der Zentralafrikanischen Republik wird aufgefordert, die dringendsten Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen und Hilfsorganisationen die nötige Sicherheit zu garantieren, so dass sie auf die humanitäre Krise im Land reagieren können. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit dem Jahr 1996 in der Zentralafrikanischen Republik und hat derzeit Projekte in Batangafo, Boguila, Bossangoa, Bria, Carnot, Kabo, Ndélé, Paoua und Zémio.

Download des Berichts "Central African Republic: Abandoned to its fate?"

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