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Seit September 2026 eskaliert der Krieg im Jemen erneut. Mehr als 230.000 Menschen fliehen von der Westküste, viele von ihnen nicht zum ersten Mal. Cholera und Mangelernährung breiten sich aus, das Gesundheitssystem ist längst am Limit. Hier erfährst du, was im Jemen aktuell passiert, was der Jemen-Krieg für die Bevölkerung bedeutet und wie wir vor Ort helfen.
Das Wichtigste im Überblick:
- Im Jemen herrscht seit 2015 Krieg.
- Mehr als 230.000 Menschen sind seit September 2026 auf der Flucht, viele zum wiederholten Mal.
- Rund 22 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.
- Die Cholera-Verdachtsfälle haben sich in drei Wochen verdreifacht. 2,2 Millionen Kinder sind akut mangelernährt.
- Wir helfen mit mobilen Kliniken, in Spitälern und Gesundheitszentren, unter anderem in Aden, Lahj und Mocha.
Krieg im Jemen: Was seit September 2026 passiert
Seit September 2026 eskalieren die Kämpfe an der Westküste des Jemen erneut. Die wichtigsten Ereignisse im Überblick, das Neueste zuerst:
26. Oktober 2026 Einschläge nahe dem Mocha General Hospital
Drei Geschosse schlagen im Küstengebiet von Mocha ein, eines davon nur 150 Meter vom Mocha General Hospital entfernt. Dort arbeiten unsere Teams auf der Geburten- und der Kinderstation. Niemand wird verletzt, aber das Gebäude wird beschädigt. Nach jedem Einschlag kommen weniger Menschen ins Spital, weil sie um ihr Leben fürchten.
22. Oktober 2026 Mehr als 230.000 Menschen auf der Flucht
Mehr als 230.000 Menschen fliehen von der Westküste, viele nach Lahj und an den Stadtrand von Aden. Für viele ist es nicht die erste Flucht. Sie kommen erschöpft an und finden in den überfüllten Vertriebenenlagern oft weder Zelte noch sauberes Wasser.
17. Oktober 2026 Rakete nahe dem Flughafen Aden
Eine Rakete trifft die Umgebung des Flughafens von Aden, als eines unserer Flugzeuge gerade starten will. Der Flughafen ist der wichtigste Zugang für humanitäre Helfer:innen, Hilfsgüter und medizinisches Material in die Region.
5. Oktober 2026 Gegenoffensive angekündigt
Die international anerkannte Regierung des Jemen kündigt mit Unterstützung der Saudi-geführten Koalition eine Gegenoffensive an. Wer welche Gebiete kontrolliert, ist bis heute unklar.
15. September 2026 Mobile Kliniken für Vertriebene
Unsere mobilen Kliniken starten in Aden und Lahj. Seither führen sie mehr als tausend Untersuchungen durch, vor allem wegen Atemwegs- und Harnwegsinfektionen, die eine Folge der schlechten Lebensbedingungen sind.
10. September 2026 Kontrolle über Mocha
Die Ansar-Allah-Kräfte übernehmen die Kontrolle über die Hafenstadt Mocha.
August/September 2026 Offensive an der Westküste
Die Ansar-Allah-Kräfte starten eine Offensive entlang der Küste.
Warum herrscht Krieg im Jemen?
Der Krieg im Jemen herrscht seit 2015. Im September 2014 übernehmen die Ansar-Allah-Kräfte die Kontrolle über die Hauptstadt Sanaa. Im März 2015 greift eine von Saudi-Arabien geführte Koalition auf Seiten der international anerkannten Regierung des Jemen in die Kämpfe ein. Seither stehen sich vor allem die Ansar-Allah-Kräfte mit Sitz in Sanaa und die international anerkannte Regierung mit Sitz in Aden gegenüber.
Weil jemenitische Konfliktparteien, aber auch andere Staaten der Region beteiligt sind, ist teilweise vom Bürgerkrieg im Jemen die Rede, teilweise von einem regionalen Konflikt. Ab 2022 bleiben die Frontlinien über längere Zeit weitgehend stabil. Im Sommer 2026 nehmen die Kämpfe wieder zu, im September eskaliert die Gewalt an der Westküste.
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen hat der Krieg im Jemen rund 377.000 Menschenleben gefordert. Viele Menschen sterben nicht durch Kampfhandlungen, sondern an den indirekten Folgen wie Mangelernährung und Krankheiten. Zerstörte Infrastruktur und eine schwache Wirtschaft machen die humanitäre Krise im Jemen zu einer der schwersten der Welt.
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Seit wann herrscht im Jemen Krieg?
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Der Jemen-Krieg in Zahlen
Die wichtigsten Zahlen im Überblick (Stand: Oktober 2026):
22
Mio.
Menschen im Jemen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen
5,2
Mio.
Menschen sind im eigenen Land vertrieben
2,2
Mio.
Kinder unter 5 Jahren sind akut mangelernährt
Quelle: OCHA Yemen Report
Die gesundheitlichen Folgen des Krieges
Die Folgen des Kriegs für die Menschen im Jemen sind verheerend. Besonders gefährdet sind Kinder, chronisch Kranke und Schwangere.
Cholera und akute Durchfallerkrankungen
Laut WHO ist der Jemen eines der Länder mit den meisten Cholera-Fällen weltweit. Seit der Eskalation haben sich die Cholera-Verdachtsfälle innerhalb von drei Wochen verdreifacht. 92 Prozent der Fälle entfallen auf fünf Regionen, in denen viele Vertriebene Zuflucht suchen: Abyan, Lahj, Al-Dhale’e, Taiz und Aden. 2026 meldet der Jemen bisher über 8.000 Verdachtsfälle und 27 Todesfälle.
Cholera breitet sich dort aus, wo Menschen auf engem Raum leben und sauberes Wasser und Latrinen fehlen. Wir behandeln Patient:innen mit Cholera und akuten Durchfallerkrankungen und verbessern die Wasser- und Sanitärversorgung, um Ausbrüche einzudämmen.
Mangelernährung bei Kindern
Hilfsorganisationen warnen seit Jahren vor einer Hungersnot im Jemen. Laut UNICEF sind 2,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren akut mangelernährt, ebenso 1,3 Millionen schwangere und stillende Frauen.
Mangelernährung und Infektionen verstärken sich gegenseitig: Kranke Kinder verlieren Nährstoffe, mangelernährte Kinder erkranken schwerer. Im Spital in Abs versorgen unsere Teams mangelernährte Kinder. Zu Spitzenzeiten reichen die Betten nicht aus, Kinder liegen auf den Gängen. Gleichzeitig wird es schwieriger, Therapienahrung ins Land zu bringen. Steigende Lebensmittelpreise und gekürzte oder ausgesetzte Ernährungshilfen verschärfen die Lage.
Masern und fehlende Impfungen
2026 melden die Gesundheitsbehörden bis Ende September über 22.000 Masern-Fälle und über 120 Todesfälle. Im Spital in Abs sind 84 Prozent der aufgenommenen Masern-Patient:innen nicht geimpft.
Unterbrochene Lieferketten und sinkende Impfraten machen Kinder anfällig für vermeidbare Krankheiten. Auch Diphtherie und Polio treten wieder auf.
Schwangere und chronisch Kranke ohne Versorgung
Viele schwangere Frauen auf der Flucht hatten keine einzige Vorsorgeuntersuchung. Oft bringen sie ihre Kinder an ungeeigneten, unhygienischen Orten zur Welt. Akut mangelernährte Kinder überweisen wir an Spitäler. Viele von ihnen sind bereits voll ausgelastet.
Besonders hart trifft es Menschen mit chronischen Krankheiten wie Epilepsie, Bluthochdruck oder Diabetes. Auf der Flucht gehen ihnen die Medikamente aus. Unsere Teams sehen täglich Patient:innen mit leeren Medikamentenschachteln, die dringend Nachschub brauchen.
Ein Gesundheitssystem am Limit
Nach mehr als zehn Jahren Krieg sind nur knapp 60 Prozent der Gesundheitseinrichtungen im Jemen voll funktionsfähig. Es fehlen Fachkräfte, Medikamente und Material.
Weil die Sicherheitslage angespannt ist, müssen Kliniken ihr Angebot einschränken oder ganz schließen. Millionen Menschen haben dadurch kaum Zugang zu Geburtshilfe, Impfungen, Notfallchirurgie oder auch zur Behandlung chronischer Krankheiten. Die Einrichtungen, die noch geöffnet sind, sind überlastet.
Dazu kommen Lieferengpässe: Seit der regionalen Eskalation im Nahen Osten ab Februar 2026 fallen Flüge und Frachtlieferungen immer wieder aus. Wichtige medizinische Güter kommen verspätet an. Gesundheitseinrichtungen in manchen Teilen des Landes warten teilweise seit Jänner auf neue Impfstoffe.
Gleichzeitig fehlt Geld. Laut UN/OCHA ist der humanitäre Hilfsplan für 2026 mit rund 2,16 Milliarden US-Dollar nur zu 20 Prozent finanziert. Laut WHO sind für eine 90-tägige Nothilfe erst 3,78 von 31 Millionen US-Dollar gesichert. Viele Organisationen müssen ihre Hilfe einschränken. Der Bedarf aber wird von Tag zu Tag größer.
So hilft Ärzte ohne Grenzen im Jemen
Wir arbeiten seit 1986 im Jemen und unterstützen Spitäler und Gesundheitszentren in vielen Städten, darunter Aden, Mocha, Abs, Hajjah, Khamer und Sanaa.
Westküste: Mocha, Khokha und Mafraq
In Mocha unterstützen wir seit 2018 die Geburtenstation und die Kinderabteilung des Mocha General Hospital. Dazu gehören auch die geburtshilfliche Notfallversorgung und Intensivpflege für Neugeborene. Auch während der Kämpfe halten wir die Versorgung aufrecht: Unsere Teams behandeln Notfälle, begleiten Geburten und führen Kaiserschnitte durch. Mehr über sichere Geburten an der Westküste.
Die Gesundheitszentren in Khokha und Mafraq al Mocha unterstützen wir finanziell und mit Schulungen, Ausrüstung und Material. Beide Zentren sind ein wichtiger Anlaufpunkt für die Menschen in der Region. Wenn die Kämpfe zu nahekommen, müssen sie zeitweise schließen.
Aden und Lahj: mobile Kliniken und Notaufnahme
Seit Mitte September sind unsere mobilen Kliniken in Aden und Lahj unterwegs. Sie versorgen Vertriebene direkt dort, wo sie Zuflucht finden. Die meisten Patient:innen leiden an Atemwegs- und Harnwegsinfektionen oder Magenbeschwerden. Das alles sind Folgen der schlechten Lebensbedingungen.
Im Al-Jumhouria-Spital in Aden unterstützen wir die Notaufnahme und die Orthopädie. Spitäler in anderen umkämpften Regionen erhalten von uns Trauma-Kits, Medikamente und Material zur Versorgung von Verwundeten.
Was jetzt passieren muss
Die Menschen im Jemen brauchen jetzt mehr Unterstützung. Wir fordern:
- Mehr Finanzierung: Geber:innen müssen die humanitäre Hilfe rasch aufstocken.
- Grundversorgung für Vertriebene: Sie brauchen Nahrung, sauberes Wasser und Unterkünfte.
- Zugang zu Gesundheitsversorgung: Ernährungsprogramme, Masern-Impfungen und Cholera-Prävention müssen dringend ausgebaut werden.
- Humanitärer Zugang: Alle Konfliktparteien müssen sicheren, raschen und ungehinderten Zugang ermöglichen.
- Schutz von Zivilist:innen und medizinischen Einrichtungen: Alle Konfliktparteien müssen das humanitäre Völkerrecht einhalten und Spitäler, Patient:innen und medizinisches Personal schützen.
Wie du den Menschen im Jemen helfen kannst
Spenden für den Jemen und unsere anderen Einsatzländer helfen uns, Nothilfe dort zu leisten, wo die Not am größten ist. Unsere Jemen-Hilfe finanzieren wir zum Großteil aus privaten, ungebundenen Spenden. Dadurch können wir rasch und unabhängig reagieren.
Häufige Fragen zum Krieg im Jemen (FAQ)
Im Jemen herrscht seit 2015 Krieg. Im März 2015 greift die Saudi-geführte Koalition auf Seiten der international anerkannten Regierung in die Kämpfe ein. Seit September 2026 eskalieren die Kämpfe an der Westküste erneut.
Im Krieg im Jemen kämpfen vor allem die Ansar-Allah-Kräfte und die international anerkannte Regierung des Jemen um die Kontrolle über das Land. Durch die Saudi-geführte Koalition hat der Konflikt auch eine regionale Dimension. Als medizinische Hilfsorganisation bleiben wir neutral und konzentrieren uns auf die Folgen für die Menschen.
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen hat der Krieg im Jemen bis Ende 2021 rund 377.000 Menschenleben gefordert. Die genaue Zahl bis heute ist nicht bekannt. Viele sterben nicht durch Kämpfe, sondern an Mangelernährung und anderen Krankheiten.
Schon vor der jüngsten Eskalation sind laut UNHCR rund 5,2 Millionen Menschen im Jemen vertrieben. Seit September 2026 sind mehr als 230.000 Menschen von der Westküste geflohen, viele davon zum wiederholten Mal. Rund 3.000 Menschen suchen Schutz im ostafrikanischen Dschibuti.
Cholera verbreitet sich über verunreinigtes Wasser. Viele Vertriebene leben in überfüllten Vertriebenenlagern ohne sauberes Trinkwasser und ohne Latrinen. Laut WHO haben sich die Verdachtsfälle seit der Eskalation in drei Wochen verdreifacht.
Mit einer Spende an Ärzte ohne Grenzen finanzierst du medizinische Nothilfe, etwa mobile Kliniken für Vertriebene oder Therapienahrung für mangelernährte Kinder. Deine Spende ist in Österreich steuerlich absetzbar.