14.04.2022

Ahmed: Schritt für Schritt zurück ins Leben

Eine Bombenexplosion verletzt Ahmed schwer am Bein. So schwer, dass er es beinahe verliert. Im Jemen, seiner Heimat, herrscht Krieg: Viele Spitäler sind nicht funktionsfähig und es fehlt an der passenden medizinischen Versorgung. Aber der 11-jährige Bub hat Glück im Unglück. Er kann in unser Krankenhaus für rekonstruktive Chirurgie nach Amman überwiesen werden.  

Dort operieren unsere Chirurg:innen Ahmed und retten sein Bein. Mit seiner Physiotherapeutin Rula Marahfeh trainiert er danach täglich. Er lernt langsam wieder Stiegen steigen und erobert sich Schritt für Schritt sein Leben zurück. Ahmed Darwesch hat unsere Klinik in Amman mittlerweile auf eigenen Beinen verlassen.  

„Ich bin stärker als Bomben und Krieg. Ich fühle, wie meine Träume wiederkommen. Mit ihnen fliege ich davon - zurück in mein Leben“.

Ahmed Darwesch

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Jordanien: Rekonstruktive Chirurgie in Amman

In Jordanien betreiben wir seit 2006 ein Projekt für rekonstruktive Chirurgie. Der Standort ist nicht zufällig gewählt. Jordanien ist umgeben von Ländern, in denen Kriege und bewaffnete Konflikte herrschen. Hier erhalten Menschen, wie Ahmed, dringend benötigte, medizinische Hilfe, die in ihren Heimatländern oftmals nicht möglich ist. Unsere Chirurg:innen führen täglich fünf bis sechs Eingriffe durch. In den letzten zehn Jahren ergibt das mehr als 12.000 Operationen an über 5.000 Patient:innen. Viele von ihnen wurden durch Bombenexplosionen, Granatsplitter, Schusswunden oder Verbrennungen verletzt.  

Seit 2017 vereinfacht uns ein innovativer 3D-Drucker unsere Arbeit zusätzlich. Denn mit seiner Hilfe können wir Prothesen schnell und unkompliziert an die Bedürfnisse unserer Patient:innen anpassen. Die insgesamt 200 Betten sind fast immer belegt, denn unsere Patient:innen stammen aus sämtlichen Nachbarländern: dem Irak, Syrien, den Palästinensischen Autonomiegebieten oder wie Ahmed aus dem Jemen.  

Operationen unter schwierigen Bedingungen

Nicht überall auf der Welt steht unseren Mitarbeiter:innen ein Krankenhaus in der Nähe zur Verfügung. Gerade nach Naturkatastrophen und einem Kollaps der Infrastruktur ist es in manchen Situationen schlichtweg nicht möglich, ein Krankenhaus zu erreichen. Aus diesem Grund haben wir nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti 2010 mit geschätzten 300.000 Toten ein aufblasbares Operationszelt entwickelt, das nur 32 Kilo wiegt und auch in unwegsames Gelände transportiert werden kann. Innerhalb von 24 Stunden kann unser Logistik-Team ein gesamtes Mini-Krankenhaus überall dort aufbauen, wo medizinische Hilfe besonders dringend benötigt wird. Dazu arbeiten bis zu sieben Logistiker:innen und 50 Arbeiter:innen in Schichten durchgehend am Aufbau. Die gesamte benötige Fläche wird mit Kunststoff-Fliesen ausgelegt, die Zelte daraufgestellt und fixiert und anschließend mit schlauchartigen Durchgängen verbunden. Die Zelte selbst bestehen aus aufblasbaren Röhren. Sobald sich diese mit Luft füllen, wird jedes Zelt mit Seilen hochgezogen - ähnlich einem Heißluftballon.  

Operationssaal auf Rädern

Wir sind seit Jahrzehnten weltweit in Kriegs- und Krisengebieten im Einsatz. Unsere Erfahrungen aus diesen Einsätzen und Projekten lassen wir in die stetige Weiterentwicklung unseres Equipments fließen. Als sich 2017 die Kämpfe rund um die irakische Stadt Mossul intensivierten und der Bedarf an Kriegschirurgie stieg, entwickelten wir innerhalb von nur zwei Wochen ein mobiles Krankenhaus auf Rädern. Fünf Lastwagen beherbergen alles, was es in einem normalen Krankenhaus auch gibt: Operationssaal, Aufwachraum, Intensivstation sowie Sterilisation, Apotheke und Stauräume für logistisches Material und Technik. In insgesamt vier Zelten können Patient:innen intensivmedizinisch versorgt und betreut werden. Unsere mobile Klinik ist innerhalb von drei Stunden vollständig aufgebaut und einsatzbereit. Um Leben zu retten, zählt manchmal jede Sekunde. 

Das Ziel ist es, unsere Patient:innen schnell zu erreichen, wie es etwa bei sich rasch ändernden Frontlinien oder bei Naturkatastrophen notwendig ist, bei Sicherheitsbedenken aber auch schnell wieder weg zu kommen.

Arnaud Badinier, Programmkoordinator von Ärzte ohne Grenzen, hat die Entwicklung des Operationssaals auf Rädern mitverantwortet