Chirurgie

In Kriegs- und Krisengebieten sowie nach Naturkatastrophen benötigen Verletzte schnelle chirurgische Hilfe. Wir richten provisorische Operationssäle ein, um möglichst vielen Menschen das Leben zu retten.

Für die Standortwahl ist die Nähe zum Krisenherd sowie die Sicherheit des Teams und der Betroffenen wichtig. Die Versorgung mit medizinischem Material und Medikamenten muss logistisch möglich sein und oft müssen die Teams auch für Wasser und Strom sorgen. Um eine sterile Umgebung zu garantieren, bauen die Teams manchmal aufblasbare OP-Säle auf. Sie arbeiten mit einfachem, aber zuverlässigem medizinischem Material.

Wenn viele Verletzte gleichzeitig Hilfe benötigen, muss entschieden werden, wer zuerst operiert wird. Entscheidend sind die Dringlichkeit, der Zustand des Kranken und die Aussicht auf einen erfolgreichen Eingriff. Der Fachbegriff für dieses Vorgehen lautet „Triage“.  In Kriegs- oder kriegsähnlichen Situationen werden die Verletzten zuerst stabilisiert und dann, wenn dies möglich und notwendig ist, in sichere Gebiete evakuiert, um dort weiter versorgt zu werden.

Verletzte können viel Blut verlieren und Bluttransfusionen benötigen. Das Blut kommt meist von Verwandten mit der gleichen Blutgruppe. Vor der Transfusion wird das Blut auf Infektionen getestet. In stabilen Regionen richten die Teams häufig in bestehenden Krankenhäusern eine Notaufnahme und einen OP-Saal ein. Kaiserschnitte und andere dringend notwendige Operationen retten vielen Menschen das Leben.

Tomáš Šebek, Chirurg und Vorstandsmitglied von Ärzte ohne Grenzen Österreich, berichtet von einer Notoperation während seines Einsatzes 2013 in Afghanistan:

Zur Mittagszeit klingelt mein Telefon. Ich werde in der Notaufnahme gebraucht. Ein Patient mit einer Schusswunde in der Brust muss dringend operiert werden. Ein kleiner Junge liegt kreidebleich auf dem Operationstisch, hat bereits viel Blut verloren und ist am Rande der Bewusstlosigkeit. Am meisten Sorgen bereitet uns der fallende Blutdruck. Ich kann zunächst nicht herausfinden, woran dies liegt. Doch endlich finden wir die Ursache: Der Junge leidet an einer Perikardtamponade - einer Ansammlung von Blut im Herzbeutel, welche zunehmend auf das Herz drückt. Wir haben Glück und können dem Jungen rechtzeitig eine Drainage setzen, sodass das überschüssige Blut ablaufen kann. Seine Atmung normalisiert sich, er reagiert auf seinen Namen und bewegt auch wieder seine Arme und Hände. Am Ende scheint es fast, als hätte er seine Fassung schneller wiedererlangt als wir. Wir versorgen noch die relativ kleine Wunde, die die Kugel in Brust und Rücken hinterlassen hat und bringen den jungen Patienten auf die Intensivstation. Dort wird er weiter überwacht. Später am Abend sehe ich noch einmal nach ihm. Offenbar haben wir gut gearbeitet: Sein Zustand ist weiter stabil, er wird überleben.

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