Die aktuelle Situation in Madagaskar

Seit Anfang des Jahres trafen fünf Wirbelstürme und tropische Stürme die Insel Madagaskar. Hunderte Menschen verloren ihr Leben und weite Teile der Küste wurden verwüstet. Unsere Notfallteams versorgen die Menschen in der abgelegenen Region Nosy Varika, wo das örtliche Krankenhaus und mehrere Gesundheitszentren schwer beschädigt wurden. Überschwemmungen und zerstörte Infrastruktur bergen logistische Herausforderungen in sich, die wir auf dem Weg zu den Menschen in Not überwinden mussten. Wir setzen beschädigte Gesundheitszentren wieder instand und behandeln rund 345 Patient:innen pro Woche. Die meisten Patient:innen sind an Malaria, Durchfall oder Atemwegsinfektionen erkrankt, aber auch immer mehr akut mangelernährte Kinder brauchen dringend Hilfe. 

Gleichzeitig leiden die Menschen im Süden des Landes unter den schweren Folgen von Dürre. Seit drei Jahren ist kaum ein Tropfen Regen gefallen, Flüsse sind ausgetrocknet, Quellen versiegt und die Ernten fallen aus. Seit Ende März 2021 sind wir in Madagaskar angesichts der auch durch die Dürre entstandenen, außergewöhnlich schweren Ernährungskrise im Einsatz: Wir behandeln mangelernährte Kinder in mobilen Kliniken und verbessern die Trinkwasserversorgung.

Wie wir in Madagaskar helfen

  • Wir behandeln akut mangelernährte Kinder sowie Jugendliche und Erwachsene. 
  • Wir besuchen entlegene Orte mit mobilen Einsatzteams und bieten vor Ort medizinische Hilfe an. 
  • Wir richten Wasserstellen ein, reinigen bestehende Quellen und verteilen Kanister an die Menschen. 
  • Wir verteilen Lebensmittelrationen in den am stärksten von der Ernährungskrise betroffenen Regionen.
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1987

Beginn der Arbeit

6,0

Mio. EUR

Ausgaben (Vorjahr)

104

Einsatz­kräfte

Ländervergleich Österreich & Madagaskar

AT
MG
83.80
68.68

Lebens­erwartung Frauen

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
MG
79.40
65.42

Lebens­erwartung Männer

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
MG
3.00
36.50

Säuglings­sterblichkeit

je 1000 Geburten

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
MG
5.20
0.18

Ärzt:innen

je 1000 Einwohner­:innen

Quelle: WHO, data.worldbank.org

Unsere Hilfe in Madagaskar 2021

28.900 ambulante Behandlungen

19.200 Menschen, an die über einen Monat Essen verteilt wurde

8.890 Kinder in ambulanten Ernährungsprogrammen

Warum wir in Madagaskar helfen

Im Südosten Madagaskars leiden die Menschen unter der schwersten Dürre seit 30 Jahren. Trockenheit und Sandstürme, die sich ungebremst über die Felder legen, nachdem Wälder abgeholzt wurden, führen zu ausfallenden Ernten. Das hat schwerwiegende Folgen. Denn Landwirtschaft ist die Lebensgrundlage der meisten Madagass:innen in der Region. Zehntausende Kinder im Süden des Landes sind akut von Mangelernährung betroffen.

Wenn die Saison gut ist, bauen wir Reis und Süßkartoffeln an. Aber in den vergangenen drei Jahren gab es keinen Regen, deshalb können wir nichts anbauen. Wir hoffen, dass der Regen kommt, sonst werden wir sterben.

Mandilsoa, Vorsteher im Dorf Kapila Fonkontany
Malnutrition emergency: mobile clinic in Ranobe
iAko M. Randrianarivelo/Mira Photo
In Ranobe im Aboasary District arbeitet unser mobiles Team bis zum Einbruch der Dunkelheit, um möglichst viele Menschen zu behandeln.

Hinzu kommt die Covid-19-Pandemie: Die Wirtschaftslage in Madagaskar hat sich infolgedessen verschlechtert, wichtige Wirtschaftszweige wie Tourismus sind weggebrochen. Armut und Kriminalität sind gestiegen. Zudem hat die Pandemie zur Folge, dass die Vereinten Nationen weltweit viel Geld für die Bekämpfung von Covid-19 verwendet haben. Für Nahrungsmittelhilfen blieb deutlich weniger übrig. Tagesrationen wurden halbiert. Dies spüren die Menschen in Madagaskar deutlich.

Sehr viele Menschen akut mangelernährt

74.000 Kinder im Süden Madagaskars sind akut mangelernährt, 12.000 davon schwer: So lauteten die Zahlen der Behörden von Madagaskar, von UN-Agenturen und anderen Organisationen, als wir im März 2021 das Hilfsprojekt eröffneten. Um diese hohen Zahlen zu senken, reisen seitdem unsere mobilen medizinischen Teams durch die Regionen Anôsy und Androy.

Seit März haben wir unsere Hilfe ausgeweitet und bieten inzwischen in 15 Orten in den Distrikten Amboasary und Ambovombe medizinische Hilfe an. Unsere Teams untersuchen und behandeln jeden Tag Hunderte mangelernährte Menschen. Seit Beginn des Projekts bis Anfang Juli haben wir 4.339 Menschen wegen moderater oder schwerer Mangelernährung behandelt, die meisten von ihnen Kinder. Ihr Zustand verschlimmert sich häufig noch durch weitere Erkrankungen, wie Malaria (22 Prozent der Patient:innen), Atemwegsinfektionen (18 Prozent) und Durchfall (14 Prozent).

Besonders alarmierend: Unter den Menschen, die wir seit Ende März wegen schwerer Mangelernährung behandelt haben, waren nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche und Erwachsene. Normalerweise sind sie weniger stark betroffen.

Abhängig von ihrem Gesundheitszustand nehmen wir sie dann in unser Ernährungsprogramm auf. Im Krankenhaus der Kleinstadt Ambovombe betreiben wir seit Juni 2021 ein Behandlungszentrum mit 40 Betten für schwer mangelernährte Kinder. Wir arbeiten dort mit den lokalen Gesundheitsbehörden zusammen, um die Behandlung zu verbessern. Bereits jetzt ist eine Erweiterung der Station geplant, um die doppelte Zahl Patient:innen versorgen zu können. Der Bedarf ist groß.

Malnutrition emergency: mobile clinic in Ranobe - Portrait Herintsoa (no testimony)
iAko M. Randrianarivelo/Mira Photo
Im Untersuchungsgespräch erhalten mangelernährte Kinder gleich die erste Dosis Medikamente.

Medizinische Hilfe allein reicht nicht

Im Süden Madagaskar sind Hunderttausende Menschen auf die Lieferung von Nahrungsmitteln angewiesen. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel hat das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen zuletzt jedoch die täglichen Rationen halbiert. In einige betroffenen Dörfer kommt gar keine Hilfe.

Die medizinische Hilfe, die wir anbieten, und die halben Rationen, die andere Organisationen verteilt haben, reichen einfach nicht, um eine Trendwende herbeizuführen. Es gibt viel zu wenig Essen.

Bérengère Guais, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Madagaskar

Im Juni haben wir begonnen, Essensrationen an Familien mangelernährter Patient:innen zu verteilen. Eine Ration besteht aus etwa 66 Kilogramm Reis, Bohnen, Öl und Salz – genug, um eine Familie rund einen Monat zu ernähren. Unsere Teams verteilten bis Mitte Juli 1.588 Rationen, also rund 104 Tonnen Nahrungsmittel.  

Wir stellten fest, dass die Kinder, die wir in unseren mobilen Kliniken behandelt hatten, trotz langfristiger Nachsorge nur wenig an Gewicht zugenommen hatten. Dies zeigt, dass, solange die Nahrungsmittelversorgung unverändert schlecht bleibt, auch eine medizinische Behandlung nicht ausreicht, um die Krankheit zu heilen.  

Ende 2021 waren immer noch schätzungsweise 1,47 Millionen Menschen von der Unterernährungskrise betroffen, obwohl im Laufe des Jahres mehr Nahrungsmittel verteilt wurden als zuvor. 

Die Situation im Süden Madagaskars erfordert jedoch noch viel größere Nahrungsmittellieferungen, die wir nicht leisten können. Andere Organisationen, die auf Nahrungsmittelversorgung spezialisiert sind, müssen dringend aktiv werden. Wir fordern: Die Ernährungshilfe muss sofort massiv verstärkt werden.

Fehlendes sauberes Wasser - weitere Krankheiten

Mangelernährung führt zu einem geschwächten Immunsystem. Mangelernährte Kinder und Erwachsene sind somit besonders anfällig für beispielsweise Durchfall- und Hauterkrankungen. Das wenige Wasser, das den Menschen in der Region im Süden von Madagaskar zur Verfügung steht, ist oft verschmutzt und von minderer Qualität: ein Nährboden für Krankheiten wie parasitäre Magenerkrankungen und Durchfall. Um sauberes Wasser zu finden, sind die Menschen oft stundenlang unterwegs. Wir haben verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung umgesetzt, zum Beispiel Handpumpen instandgesetzt, Brunnen gegraben und Wasser mit mobilen Kliniken zu den Menschen gebracht. Wir bemühen uns auch weiterhin um eine dauerhafte Lösung, aber die Wasserversorgung in diesem Gebiet bleibt aufgrund der ausbleibenden Niederschläge weiterhin angespannt. 

Seit März haben unsere Logistiker:innen rund 190 Kubikmeter sauberen Wassers zur Verfügung gestellt und 2.872 Kanister verteilt, mit denen die Familien das Wasser nach Hause transportieren können. Außerdem verteilten wir 3.870 Stücke Seife, um den Menschen eine bessere Hygiene zu ermöglichen.

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