Liberia

Liberia Ebola-frei erklärt: Ärzte ohne Grenzen mahnt zu anhaltender Wachsamkeit

Monrovia/Wien, am 9. Mai 2015 – Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) mahnt trotz des offiziellen Endes der Ebola-Epidemie in Liberia zu Wachsamkeit. Dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Liberia heute nach 42 Tagen ohne neue Infektionsfälle für Ebola-frei erklärt hat, ist eine gute Nachricht. Doch in den Nachbarländern Guinea und Sierra Leone gibt es noch immer Neuinfektionen. Um erneute Ebola-Fälle in Liberia zu verhindern, muss die grenzüberschreitende Beobachtung verbessert werden. Der Ebola-Ausbruch in Westafrika ist erst vorüber, wenn alle drei Länder 42 Tage ohne Neuinfektionen bleiben.

„Für Liberia sind 42 Tage ohne einen einzigen neuen Ebola-Fall ein wirklicher Meilenstein”, sagt Mariateresa Cacciapuoti, die Einsatzleiterin von Ärzte ohne Grenzen in Liberia. „Doch wir können unseren Fuß nicht vom Gaspedal nehmen, bevor nicht alle drei Länder 42 Tage ohne neue Fälle sind. Die liberianische Regierung und die Bevölkerung haben sich diese 42 Tage ohne Neuinfektionen hart erkämpft. Das Ergebnis dieses harten Kampfes kann jedoch innerhalb eines Augenblicks zunichte gemacht werden.“

Gesundheitssystem muss wieder aufgebaut werden

Fast 200 Mitarbeiter des liberianischen Gesundheitswesens starben beim Kampf gegen Ebola. Die Epidemie zerstörte das ohnehin fragile Gesundheitssystem. „Es ist nun wichtig, dass gesundheitliche Belange Priorität bekommen”, so Cacciapuoti. „Die Liberianer müssen darauf vertrauen können, dass sie wieder ins Krankenhaus gehen können und man sich um ihre medizinische Versorgung kümmert. Die internationale Gemeinschaft muss Liberia – ebenso wie Guinea und Sierra Leone – dabei unterstützen, ein starkes und leistbares nationales Gesundheitssystem aufzubauen, mit angemessenen personellen und materiellen Ressourcen.”

Ende März hat Ärzte ohne Grenzen einen Bericht mit dem Titel „Pushed to the Limit and Beyond“ (PDF) veröffentlicht. Darin wird beschrieben, wie die Ebola-Epidemie die Schwäche der Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern und die Schwerfälligkeit der internationalen Hilfe offenbart hat. Der Bericht kritisierte die „globale Allianz der Untätigkeit“ in der ersten Phase des Ausbruchs: Trotz wiederholter Hilfsgesuche von Ärzte ohne Grenzen dauerte es mehrere Monate bis die internationale Gemeinschaft reagierte.

"Die Welt war zu langsam."

„Wir kamen schlicht alle zu spät“, sagt Henry Gray, der Leiter des Ebola-Einsatzes in Brüssel. „Die Welt – einschließlich Ärzte ohne Grenzen – war zu langsam. Diese Lektion haben wir gelernt. Der Preis dafür waren tausende Menschenleben. Wir können nur hoffen, dass diese Erfahrung ein solches Szenario in Zukunft verhindern wird.“

Ärzte ohne Grenzen ist weiterhin in Liberia tätig und betreibt in Monrovia eine Kinderklinik. Gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden wird derzeit in drei Bezirken der Hauptstadt eine Masern-Impfkampagne organisiert. In Liberia sind 10.564 Menschen an Ebola erkrankt und 4.716 gestorben. Ärzte ohne Grenzen errichtete in Monrovia mit „ELWA 3“ das größte Ebola-Behandlungszentrum, das je gebaut wurde. Es hatte eine Kapazität von 400 Betten. Insgesamt hat Ärzte ohne Grenzen in Liberia 1.663 bestätigte Ebola-Fälle behandelt. 910 Patienten überlebten. In ganz Westafrika wurden 9.470 Personen in die Ebola-Behandlungszentren von Ärzte ohne Grenzen eingeliefert; bei 5.170 Patienten wurde Ebola nachgewiesen, 2.553 von ihnen überlebten. 14 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind an Ebola gestorben.

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