Niger

Ärzte ohne Grenzen bekämpft Meningitis-Epidemie in Niger

Seit Anfang 2016 ist Niger von einer Meningitis-Epidemie des Erregertyps C betroffen. Seit mehreren Wochen setzt Ärzte ohne Grenzen vor Ort Notfallteams ein und arbeitet eng mit dem Gesundheitsministerium zusammen, um die Epidemie einzudämmen. Die Anzahl Ansteckungen pro Woche nimmt zwar ab, aber die Menge an verfügbaren Impfdosen, die im Fall eines erneuten Ausbruchs der Krankheit benötigt würde, ist nach wie vor ungenügend.

Laut offiziellen Angaben hat der Meningitis-Ausbruch des Erregertyps C, von dem Niger zurzeit betroffen ist, bisher 87 Todesopfer gefordert. Insgesamt sind 1.199 Menschen an der gefährlichen Hirnhautentzündung erkrankt, die meisten davon im Westen des Landes. Die Zahl der Infektionen hatte seit Mitte Januar zunächst kontinuierlich zugenommen, ist seit Mitte März aber wieder rückläufig.

Seit Beginn der Epidemie unterstützt Ärzte ohne Grenzen das Gesundheitsministerium in der epidemiologischen Überwachung der betroffenen Gebiete, führt Impfungen durch und behandelt Erkrankte kostenlos. Um die Epidemie in den am stärksten betroffenen Regionen besser zu kontrollieren, hat Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium gezielte Impfkampagnen durchgeführt. Auf diese Weise wurden in den Gesundheitsbezirken der Regionen Tillabéri, Dosso und Tahoua sowie im Westen des Landes mehr als 254.000 Menschen geimpft. Einen Teil der in der Impfkampagne verwendeten Impfdosen hatte die Regierung von der internationalen Koordinationsgruppe für die Impfstoffbeschaffung erhalten, der andere Teil stammte aus den Vorräten des Gesundheitsministeriums und von Ärzte ohne Grenzen. Bis Ende April sollen noch einmal 126.000 zusätzliche Impfdosen eintreffen.

Weltweiter Mangel an Impfstoff

Der Bereitschaftsplan für Meningitis-Epidemien in Niger sieht vor, dass bei einem Ausbruch in allen 21 Gesundheitsbezirken insgesamt 2,8 Millionen Menschen geimpft werden müssten. Bisher wurden aber nur in 6 der 21 erwähnten Bezirke Impfaktionen durchgeführt. „Das Problem ist, dass zu wenig Impfstoff gegen Meningitis C erhältlich ist, und zwar sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene. Außerdem ist der Impfstoff teuer. Die Hersteller müssten dringend die Produktion erhöhen und den Impfstoff zu erschwinglichen Preisen verkaufen – aber sie tun es nicht“, erklärt Dr. Idrissa, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen. Neben den Impfaktionen unterstützt Ärzte ohne Grenzen das Gesundheitsministerium auch in der Prävention und führt dazu Schulungen für Laboranten des öffentlichen Gesundheitsdienstes zur Diagnostik und zur Entnahme und Beförderung von Proben durch. „Wenn kein Impfstoff vorhanden ist und verhindert werden muss, dass die Krankheit sich ausbreitet, ist es unerlässlich, neue Fälle sofort ausfindig zu machen und die Diagnose so schnell wie möglich zu bestätigen. Das Sammeln und Weiterleiten von Informationen sowie die Behandlung der Erkrankten muss ohne Aufschub geschehen“, betont Dr. Idrissa.

Personalschulungen und materielle Unterstützung

Ärzte ohne Grenzen hat 80 Laboranten ausgebildet, die in insgesamt 32 Gesundheitszentren, verteilt auf alle acht Landesregionen, tätig sind. Ausserdem hat die Organisation zusätzliches Material zur Verfügung gestellt, damit die Labors mehr Probeentnahmen durchführen können. Gemeinsam mit dem Personal des Gesundheitsministeriums sucht Ärzte ohne Grenzen die Orte auf, wo Krankheitsfälle gemeldet wurden, um die Bedürfnisse abzuklären und alle nötigen Maßnahmen für die Behandlung zu ergreifen. Ärzte ohne Grenzen versorgt die Gesundheitszentren mit dem notwendigen Material, stellt Personal zur Verfügung und schult die Angestellten des Gesundheitsministeriums in der Behandlung der an Meningitis erkrankten Patienten. Bis heute hat die Organisation 148 Leiter von Gesundheitszentren sowie 51 Pflegefachkräfte von insgesamt 7 Bezirksspitälern geschult.

Bereits 2015 hatten die Teams von Ärzte ohne Grenzen das nigrische Gesundheitsministerium dabei unterstützt, den Meningitis-Ausbruch in den Regionen Niamey, Zinder, Tahoua, Tillabéri und Dosso zu bekämpfen. Während dieser Epidemie waren 8.500 Personen erkrankt und 573 an den Folgen gestorben.

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