Afghanistan

Afghanistan: Ärzte ohne Grenzen behandelt 77 Verletzte nach heftigen Kämpfen in der Provinz Kundus

Nach heftigen Kämpfen zwischen Regierung und Oppositionsgruppen hat die chirurgische Spezialklinik von Ärzte ohne Grenzen in Kundus von Samstag bis Dienstag 77 Verwundete behandelt. Ein Drittel davon waren Frauen und Kinder.

Die meisten Verwundeten kamen aus dem etwa zehn Kilometer entfernten Distrikt Chardara, wo es seit Samstag zu heftigen Kämpfen gekommen war. Sie hatten überwiegend Verletzungen durch die Explosion von Bomben sowie Schussverletzungen erlitten. Das chirurgische Team musste schwere Verletzungen am Unterleib, am Kopf sowie an Armen und Beinen operieren. Die Kämpfe haben seit Mittwoch etwas nachgelassen, aber die Situation bleibt angespannt.

Zivilbevölkerung in den Kämpfen gefangen

„Viele Zivilisten waren vier Tage lang inmitten von schweren Kämpfen gefangen. Granaten haben immer wieder Wohnhäuser getroffen“, sagt Heman Nagarathnam, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan. „Am Montag wurden drei Frauen und drei Kinder aus einem Dorf im Distrikt Chardara eingeliefert, deren Haus mitten in der Nacht getroffen worden war.“

In der Provinz Kundus haben die Kämpfe seit vergangenem Jahr deutlich zugenommen. Schon im Mai hatte es eine erste Welle der Gewalt gegeben. Damals haben die Teams 204 Verwundete in drei Wochen behandelt (siehe Bericht) Die anhaltende Unsicherheit macht es der Bevölkerung sehr schwer, aus dem Chardara-Distrikt nach Kundus zu fliehen. Besonders nachts besteht ein hohes Risiko, ins Kreuzfeuer zu geraten, auf eine Mine zu fahren oder durch die zahlreichen Checkpoints aufgehalten zu werden.

Einzige Klinik im gesamten Norden Afghanistans

„Unser Team kann Patienten helfen, die es bis zur Klinik schaffen. Aber wir sind sehr besorgt um die Menschen, die es nicht rechtzeitig zu uns schaffen“, sagt Nagarathnam. „Unsere Klinik ist die einzige im gesamten Norden Afghanistans, die lebensrettende chirurgische Behandlungen durchführen kann. Verletzte haben deshalb keine andere Wahl, als die riskante Fahrt zu uns zu wagen.“

Am Montagabend wurden zehn Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 18 Jahren in die Klinik gebracht. Eine Granate hatte die Moschee getroffen, in der sie zur Schule gingen. Die Dorfbewohner, die die Kinder nach Kundus brachten, berichteten, dass sich 30 Kinder und Jugendliche in der Moschee befanden, als der Mörser einschlug. Da sie die Schwierigkeiten einer Fahrt nach Kundus kannten, hatten sie nur die zehn Kinder gebracht, die am schwersten verletzt waren.

Schwerverletzte Kinder müssen zu Fuß getragen werden

„Die Fahrt dauert normalerweise 30 Minuten, aber sie haben zwei Stunden dafür gebraucht“, sagt Nagarathnam. „Nachdem sie einen Teil der Strecke gefahren waren, fürchteten sie Minen auf der weiteren Strecke und setzten die Reise stattdessen auf einer anderen Route zu Fuß fort und trugen die verletzten Kinder. Anschließend setzten sie die Reise auf einem Boot auf dem Kundus-Fluß fort, aber sie wurden beschossen, weil man sie irrtümlicherweise für Kämpfer hielt. Als sie endlich die Stadt erreichten, hielten sie Autos an, die sie schließlich in unsere Klinik brachten.“

Angesichts dieser enormen Schwierigkeiten der Menschen, Kundus zu erreichen, hat Ärzte ohne Grenzen Maßnahmen ergriffen, um ihnen dennoch Zugang zu Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Am Dienstag eröffnete ein Team einen Gesundheitsposten im Distrikt Chardara. Dort werden Krankenpfleger eine Erstversorgung Verwundeter übernehmen, bevor sie nach Kundus gebracht werden.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1980 in Afghanistan. In Kundus, wie auch in allen anderen Projekten, arbeiten internationale und nationale Mitarbeiter zusammen. Ärzte ohne Grenzen unterstützt öffentliche Krankenhäuser in Kabul und in Lashkar Gah in der Provinz Helmand sowie eine Geburtsklinik in Kabul mit eigenen Teams. In Khost im Osten Afghanistans betreibt die Organisation eine weitere Geburtsklinik. Ärzte ohne Grenzen finanziert die Projekte in Afghanistan ausschließlich über Privatspenden und nimmt dafür keine Regierungsgelder an.

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