Südsudan

Einsatzbericht - „Ein Lächeln auf ihrem Gesicht“

Dr. Kirrily de Polnay ist Ärztin im Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen im Lager in Jamam. Sie berichtet über ihre Arbeit mit Kindern, die aufgrund ihrer Fluchtgeschichte sehr krank und erschöpft sind. Das Camp ist eines von zweien in einer entlegenen Region des Südsudans, in die seit November vergangenen Jahres 80.000 Menschen aus dem Sudan geflohen sind. 

Die Eltern hier sind so gestresst, voller Sorge, und man stürzt sich auf das Kind, es muss sofort an den Tropf, die Infusionskabel rein, irgendwo kriegt man sie rein.... Aber die Kinder, mit denen man zu tun hat, sind oft mangelernährt, so dass man unglaublich behutsam vorgehen muss, denn es kann bei einem Kind so leicht zu Herzversagen oder zu einem Lungenödem kommen. Deshalb ist das ein wirklich heikler Balanceakt: Es sind keine gesunden Kinder, die plötzlich krank geworden sind, sondern Kinder, die nur noch ganz wenige Reserven haben.

Lebensrettende Flüssigkeit

Wir haben so viele Fälle von Durchfall und man versucht, ihnen zu erklären, wie sie eine Rehydrierungslösung zur oralen Einnahme herstellen können, sie haben aber nichts, in das sie sie reingeben könnten. Sogar ich finde es schwierig, die Menge eines halben Portionsbeutels abzuschätzen. Man sagt ihnen also, Sie müssen auf jeden Fall Wasser trinken, sie müssen die ORS-Lösung trinken, die wir Ihnen geben. Und sie nicken und sagen ja. Gleichzeitig weiß man genau, dass sie nicht genug Wasser haben, um das wirklich zu befolgen. Sie haben nur ein paar Liter pro Tag. Mit anderen Worten, das was man ihnen verordnet, haben sie nicht. Deshalb fühlt man sich, als versuche man, mit einem winzigen Pflaster eine starke Blutung zu stillen

Bisher haben wir uns die Nachtschichten alle geteilt. Besonders bei den schwer mangelernährten Kindern muss man ständig dabei sein, ständig abwägen, ihnen genug Flüssigkeit zu geben, ohne dass es zum Herzversagen kommt. Im Augenblick können wir das noch, aber ich weiß nicht, wie lange wir noch in diesem Tempo weiter arbeiten können.

Erlebnisse, die einen harten Tag erträglich machen

Wir hatten einen Patienten, der noch ziemlich klein war - zwei, drei Jahre alt. Als er hereinkam, dachten wir: Das war‘s – er schafft das nicht mehr. Zum Glück hatten wir gerade das Sauerstoffgerät angeschlossen, also haben wir mit Sauerstoff begonnen, ihn rundum behandelt. Am Ende des Tages beschwerte sich der Kleine: Er wolle nach Hause! Das ist so unglaublich herzerfrischend. Wenn ein Kind anfängt, einen zu nerven, weiß man, dass alles auf einem guten Weg ist. Solche Fälle lassen wir natürlich trotzdem über Nacht hier. Manchmal passiert es, dass es dem Kind sehr schnell sehr viel besser geht.

Manche der kleinen Patientinnen und Patienten überweisen wir nach Doro, wo Ärzte ohne Grenzen ein größeres Krankenhaus betreibt. Zwei Abende lang fragt man sich dann, wie es dem Kind wohl gehen mag. Heute zum Beispiel habe ich einen kleinen siebenjährigen Jungen gesehen, von dem ich absolut nicht gedacht hätte, dass er es schaffen wird. Er war schwer krank, aber wir haben hier nicht die diagnostischen Möglichkeiten, um genau klären zu können, was mit ihm los war. Als er weggebracht wurde, ging alles etwas hektisch zu. Die Großmutter war nicht daheim, sie musste dann mit dem Auto dorthin gebracht werden, und sie hat sehr geweint. Es war herzergreifend, sie weinen zu sehen. Man konnte ihr ansehen, dass sie Angst hatte und sehr einsam war. Und heute ist sie wieder gekommen, mit einem strahlenden Lächeln auf dem Gesicht hat sie jedem die Hand geschüttelt. Auch der Kleine hat jedem die Hand geschüttelt. So etwas kann einen unglaublich harten Tag wirklich erträglich machen.

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