Syrien

Gewalt in Syrien - eine Mutter berichtet

Bei einem Artilleriefeuer wurde ein neunjähriges Mädchen schwer am Kopf verletzt, ein Granatsplitter steckte in der Wunde. Ihre Mutter schildert die gefährliche Situation in ihrer Heimatstadt und die humanitäre Notsituation, in der sich die Menschen befinden.

Die Mutter erzählt:

„Am Samstag gab es Artilleriefeuer in der Nähe unseres Hauses. Eine Wand brach vollkommen zusammen und meine Tochter wurde am Kopf getroffen. Ich brachte sie in das Feldspital im Nachbarort, weil wir keinen Gesundheitsposten in unserem Dorf haben. Zum Glück konnte ich ein Auto finden, denn dort wo wir sind gibt es keinen Krankenwagen. Das Spital war in einer Art Keller und jeder, der verwundet wurde geht dorthin, um medizinische Behandlung zu erhalten. Sie konnten nur die Blutungen meiner Tochter stoppen und nähten sie. Ich wollte sie röntgen lassen, sie hatten aber nicht die richtige Ausrüstung. Meine Tochter hat noch dazu einen gebrochenen Finger, aber mein fünfjähriger Sohn ist in Ordnung.

Man hört die ganze Zeit Schüsse, bei Tag und bei Nacht. Es sind die Hubschrauber, die MIGs… Fast alle sind aus dem Dorf geflohen – es gibt kein Gas, keine Elektrizität, kein Wasser, kein Brot, kein Telefon mehr. Es gibt nichts, wovon man leben kann. Man kann dort nicht mehr leben.

Was das Essen betrifft, da haben wir nur noch unsere Reserven übrig. Ich habe seit zwei Monaten  kein Geld mehr bekommen. Ich arbeite immer noch – ich bin Mathematiklehrerin in M.* – aber ich gehe nicht jeden Tag zur Arbeit. Jetzt machen die Schüler gerade ihre Prüfungen.Vor  einer Woche ist ein Flugzeug über die Stadt geflogen und alle, Lehrer und Schüler, verließen die Schule. Die Fenster in den Klassenzimmern sind alle zerbrochen. Es gibt nur Tische und Stühle, sonst nichts, und das Wasser wurde abgedreht.“

Der Notarzt von Ärzte ohne Grenzen erzählt:

„Dieses kleine Mädchen wurde durch einen Granatsplitter am Kopf verletzt und hatte eine sehr große Wunde. Sie hat auch einen gebrochenen Finger. An einem Gesundheitsposten hat sie jemand zusammengenäht, was man bei einer Kriegsverletzung nie tun sollte. Also haben wir die Nähte herausgenommen, ein Stück des Splitters, das noch in der Wunde war, entfernt, die Wunde gereinigt und sie dann verbunden. Wir haben auch ihren Finger geschient. Wenn alles gut läuft, können wir sie heute entlassen. Aber wir müssen einen Ort finden, an dem sie ihre Verbände tauschen lassen kann.“

*Name gekürzt, um die Privatsphäre der Familie zu schützen.

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