Griechenland

Griechenland: Migranten - Dringender Handlungsbedarf in Evros

Athen/Wien, 26. Jänner 2011. „Die griechische Regierung muss dringend die Lebensbedingungen und die sanitären Zustände in den Grenzstationen und den Auffanglagern für Migranten und Asylsuchende in der Region Evros verbessern“, fordert die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen heute. Die Situation in den Einrichtungen ist alarmierend. Täglich sind Männer, Frauen, Kinder, auch Schwangere und unbegleitete Minderjährige grausamen und unmenschlichen Lebensbedingungen ausgesetzt.

In den vergangenen beiden Monaten haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen angehaltenen Migranten und Asylsuchenden in drei Polizeigrenzstationen sowie in einem Auffanglager in der Region Evros im Norden Griechenlands Hilfe geleistet. Sie sind daher Zeugen einer unerträglichen und unmenschlichen Situation.

„Kein menschliches Wesen sollte so einer Behandlung ausgesetzt sein“ erklärt Ioanna Pertsinidou, Nothilfe-Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen. „Wir sehen Menschen, die gezwungen sind, Wochen oder sogar Monate in extrem überfüllten und schmutzigen Zellen zu verbringen, ohne das Recht, hinaus in den Hof zu gehen. Es sind dort so viele Menschen untergebracht, dass diese nicht einmal den Platz haben, sich hinzulegen. Die Heizung funktioniert oft nicht und die Insassen frieren bei Temperaturen, die derzeit häufig unter Null Grad sinken. In einem der Auffanglager sind immer wieder die Toiletten desolat und die Exkremente überfluten Bereiche von Zellen, wo die Menschen leben und schlafen.“

Schwere gesundheitliche Auswirkungen

Diese Zustände haben gravierende Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit der Betroffenen. In den Polizeistationen in Soufli und Tychero haben die Mediziner von Ärzte ohne Grenzen über 850 Personen behandelt. Die meisten von ihnen leiden aufgrund der miserablen Lebensbedingungen unter Atemwegs- und Magen-Darmerkrankungen sowie Hautkrankheiten. Temperaturen unter Null verschlimmern die Lage weiter. In den vergangenen Wochen sind einige Menschen beim Versuch die Grenze zu überqueren infolge der Kälte gestorben. Andere haben Evros in besorgniserregendem Zustand erreicht. In der ersten Woche des Jahres haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen 15 Neuankömmlinge behandelt, die unter Erfrierungen litten, vier davon in sehr ernstem Zustand.

Ärzte ohne Grenzen sieht dringenden Handlungsbedarf und fordert von den griechischen Behörden, auf die medizinischen und humanitären Bedürfnisse der Migranten und Asylsuchenden in Evros zu reagieren. „Die humanitäre Lage, die wir derzeit erleben, ruft bei uns große Sorge hervor. Die griechische Regierung muss sofort und koordiniert reagieren und die Aufnahmebedingungen an der Grenze und die Lebensbedingungen in den Auffanglagern verbessern“, erklärt Pertsinidou.

Maßnahmen zur Verstärkung der Grenzkontrollen, wie der Bau eines Zaunes entlang der Grenze und der Einsatz von FRONTEX-Teams, sollten nicht als gangbare Reaktion erachtet werden. Migranten und Asylsuchende, die vor Konflikt und Gewalt, Entbehrung oder Menschenrechtsverletzungen fliehen, werden weiterhin versuchen nach Europa zu gelangen. Restriktive Maßnahmen werden sie nur dazu zwingen, ihr Leben auf längeren, noch gefährlicheren Reisen zu riskieren und macht sie zu einer leichten Beute für Menschenhändler und Schmuggler-Netzwerke. Die immer restriktivere Asyl- und Migrationspolitik der Europäischen Union bringt das Leben und die Gesundheit der Migranten und Asylsuchenden in Gefahr, insbesondere von besonders verwundbaren Gruppen wie Frauen, Kinder oder Minderjährige ohne Begleitung.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit 2008 Migranten und Asylsuchenden in Griechenland medizinische und psychologische Hilfe. Seit Anfang Dezember 2010 bieten MSF-Teams in den Polizeigrenzstationen von Tychero, Soufli und Feres und im Auffanglager in Filakio medizinische Behandlung an und versuchen die Lebensbedingungen der Betroffenen zu verbessern. Ärzte ohne Grenzen hat bisher mehr als 850 Patienten behandelt, 15 Patienten an lokale Spitäler überwiesen sowie 3500 Schlafsäcke und 2500 Hygiene-Pakete verteilt.

Pressemitteilung zum Download

Teilen

Vervielfältigen