Jemen

Jemen: Die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen im Überblick (Juni 2015)

Im Jemen ist die humanitäre Lage aufgrund des anhaltenden Konflikts weiter katastrophal. Ärzte ohne Grenzen ist in mehreren jemenitischen Gouvernements aktiv. Die Projekte reichen von erster Nothilfe für Verletzte über lebensrettende chirurgische Eingriffe bis zur Unterstützung von Krankenhäusern und der Versorgung von Vertriebenen mit Wasser und Hilfsgütern. Seit Mitte März 2015 haben die Teams unter anderem mehr als 3.800 Kriegsverletzte versorgt.

Hier finden Sie einen Überblick über die Aktivitäten:

Aden

In Aden betreibt Ärzte ohne Grenzen eine eigene chirurgische Notfallklinik auf dem Gelände des Al-Sadaqa Krankenhauses im Bezirk Sheikh Othman. Das Crater-Gesundheitszentrum wird mit Medikamenten und Benzin für den Stromgenerator unterstützt. Die Klinik hat eine Notaufnahme, einen Operationssaal, einem Röntgenraum sowie Labor und Apotheke. Auch physio- und psychotherapeutische Betreuung wird angeboten. Ärzte ohne Grenzen bietet zudem in mobilen chirurgischen Kliniken eine ambulante Behandlung für die Menschen an, die das Krankenhaus nicht erreichen können. Seit Anfang des Jahres 2015 wurden 2.380 Patienten und Patientinnen in der Notaufnahme von Ärzte ohne Grenzen aufgenommen.

Amran

Seit Mitte Mai bietet Ärzte ohne Grenzen allgemeine Gesundheitsversorgung mittels mobiler Kliniken für Vertriebene an, die ihre Häuser verlassen mussten. Mehr als 3.400 allgemeine Untersuchungen wurden bisher durchgeführt. Zusätzlich unterstützt Ärzte ohne Grenzen mehrere Zufluchtsorte für Vertriebene, u.a. mit Trinkwassertanks, Hilfsgütern und Hygiene-Kits für mehr als 500 Familien an 12 Orten in der Stadt Khamer (siehe Berichte von Betroffenen aus Khamer). Auch sind die Teams im Bereich Gesundheitsaufklärung aktiv.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt zudem das Al-Salam Krankenhauses des jemenitischen Gesundheitsministeriums – darunter Notaufnahme, Intensivstation, Chirurgie, Kinderheilkunde und Ernährungszentrum, Patientenaufnahme, Neugeborenen-Station, Kreissaal, vorgeburtliche Untersuchungen, Blutbank, Labor, Impfungen und Verbandswechsel.

Außerdem unterstützt die Organisation das Huth-Gesundheitszentrum u.a. mit Medikamenten, Sauerstoff, logistischer Ausrüstung, Personal und Strom. Vom 1. Januar bis zum 19. Juni 2015 wurden dort 15.900 Patienten und Patientinnen von Ärzte ohne Grenzen in der Notaufnahme aufgenommen.

Hajja

In Hajja versorgt Ärzte ohne Grenzen Vertriebene mit Wasser, Hilfsgütern und allgemeinen medizinischen Behandlungen im Gesundheitszentrum des Bani Hashim Bezirks. Ärzte ohne Grenzen hielt 4.742 Sprechstunden im Rahmen mobiler Kliniken und Gesundheitszentren in dem Bezirk ab. Die Teams leisten auch Notversorgung und lebensrettende Eingriffe für Verletzte im Haradh Krankenhaus und behandelten gemeinsam mit dem lokalen Gesundheitsministerium 145 Kriegsverletzte.

Al-Dhale'

Ärzte ohne Grenzen bietet weiterhin lebensrettende medizinische Leistungen im Al-Nasser Krankenhaus des Gesundheitsministeriums in Al-Dhale an, darunter u.a. die rund um die Uhr geöffnete Notaufnahme, Operationen, postoperative Betreuung und Überweisungen in andere Krankenhäuser.

Zusätzlich unterstützen unsere Teams das Al-Azarik Gesundheitszentrum in den Bereichen Notaufnahme, Schwangerenvorsorge und -nachsorge, Geburtshilfe, Familienplanung, Ernährungsberatung und Überweisungen an das Al-Nasser Krankenhaus. In Qataba unterstützt Ärzte ohne Grenzen ebenfalls die Notaufnahme, den Beobachtungsraum, das Labor und das Abfallmanagement im Al-Salam Krankenhaus, das vom Gesundheitsministerium betrieben wird. Im vergangenen Monat hat Ärzte ohne Grenzen seine Aktivitäten im Krankenhaus ausgeweitet, in dem wir nun auch die Ambulanz, die Ernährungsberatung und Schwangerenversorgung unterstützen. Ärzte ohne Grenzen stellt außerdem für rund 25.000 Menschen Trinkwasser zur Verfügung.

Die Teams unterstützen auch mehrere Gesundheitszentren im Gouvernement sowie die Krankenhäuser Jaffea und Al-Habilain mit medizinischen Gütern und Materialien. Seit Beginn des Jahres 2015 hat die Notaufnahme im Projekt in Al-Dhale 10.317 Patienten und Patientinnen und 1.232 Verletzte aufgenommen, von denen 490 Kriegs-Verletzte waren. Die Teams haben außerdem rund 11.206 Sprechstunden durchgeführt.

Sa'ada

Im Al Jumhuri Krankenhaus in Sa'ada Stadt unterstützt ein Team seit Mitte Mai die Notaufnahme, den Operationssaal und die Geburtshilfe-Station. Unser Team hat bereits 87 Geburten durchgeführt, 837 Patienten und Patientinnen in der Notaufnahme aufgenommen, von denen 410 Kriegsverletzte waren und 102 Operationen durchgeführt. Die Organisation unterstützt auch das Haidan-Gesundheitszentrum mit einem Arzt und Medikamenten.

Taiz

Seit Anfang Mai unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Krankenhäuser Al-Jumhori, Al-Thawra und Al-Rawdah mit medizinischem und chirurgischem Material sowie Notfall-Medikamenten. In den Krankenhäusern kommen wegen des anhaltenden Konflikts und der damit zusammenhängenden Gewalt immer mehr Menschen an. Im Al-Rawdah Krankenhaus haben wir drei weitere Notaufnahme-Räume eingerichtet und ausgestattet, die Platz für die Versorgung einer großen Anzahl von Verletzten bieten. Des Weiteren unterstützen die Organisation die Notaufnahme mit Material und Personal. Das Team von Ärzte ohne Grenzen besteht aus vier Ärzten und einer Krankenschwester, daneben finanzieren wir die Gehälter von 22 Krankenhausangestellten, um eine rund um die Uhr geöffnete Notaufnahme zu gewährleisten. Während im gesamten Mai rund 946 Verwundete im Krankenhaus aufgenommen wurden, sind seit Anfang Juni bereits  617 Patienten und Patientinnen ins Krankenhaus gebracht worden. Damit werden momentan circa 60 Patienten und Patientinnen pro Tag in der Notaufnahme behandelt. Ärzte ohne Grenzen unterstützte außerdem das Al-Thawra Krankenhaus mit Sets zur Brandwundenversorgung, als 200 Menschen bei der Explosion eines Benzin-Tanklasters in Taiz-Stadt Verbrennungen erlitten.

Angesichts des Bedarfs baut Ärzte ohne Grenzen nun ein Büro in Taiz auf, um die kontinuierliche Unterstützung der Projekte in der Krise sicher zu stellen.

Ibb

Ärzte ohne Grenzen hat den Krankenhäusern Al-Thawra und Al-Qa’idah im Gouvernement medizinisches und chirurgisches Material zur Verfügung gestellt. Am 1. Juni half Ärzte ohne Grenzen bei der Evakuierung von 509.800 Impfdosen, die für eine Routine-Immunisierung vorgesehen waren.

Sana'a

Ärzte ohne Grenzen hat das Nieren-Zentrum im Al-Jumhori Krankenhaus mit Material für 500 Dialysebehandlungen ausgestattet, welches die dortigen Patienten und Patientinnen für 17 Tage versorgt. Seit Anfang des Jahres 2015 hat Ärzte ohne Grenzen außerdem bei mehreren Notfällen nach Bombenexplosionen in lokalen Krankenhäusern des Gesundheitsministeriums Hilfe geleistet.

Das könnte Sie auch interessieren

Teilen

Vervielfältigen