Medikamentenresistente Tuberkulose: Dringend mehr Einsatz erforderlich

Anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages am 24. März warnt Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF), dass die rasante Ausbreitung medikamentenresistenter Formen von Tuberkulose derzeit eine der größten gesundheitlichen Bedrohungen weltweit darstellt. Die internationale medizinische Hilfsorganisation ruft Regierungen, Medikamentenhersteller und Forscher dazu auf, mehr Geld bereit zustellen und neue Therapien zu entwickeln, um die ansteckende Krankheit einzudämmen. Ärzte ohne Grenzen appelliert erneut an Österreich, einen Beitrag für den Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria zu leisten.

„Jedes Jahr erkranken weltweit 8 Millionen Menschen an Tuberkulose. Die Krankheit ist eigentlich heilbar, doch mangelhafte Behandlung hat zu einer starken Ausbreitung von Resistenzen geführt“, sagt Florian Breitenecker, Arzt und Vorstandsmitglied von Ärzte ohne Grenzen Österreich. „Vor allem die multiresistente Form der Krankheit, bei der die beiden wichtigsten Tuberkulose-Medikamente unwirksam sind, ist problematisch. Ärzte müssen bei ihrer Behandlung auf komplizierte Therapien zurückgreifen, die für die Patienten sehr aufwändig und schmerzhaft sind, im besten Fall aber nur die Hälfte von ihnen heilen.“

Schwere Nebenwirkungen

Jährlich treten rund eine halbe Million neue Fälle von multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) auf, fast alle Länder der Welt sind betroffen. Zwar können dank einer neuen Diagnose-Methode immer mehr Fälle von MDR-Tuberkulose entdeckt werden, doch können Mediziner die Betroffenen mit den aktuellen Möglichkeiten nicht adäquat behandeln. Patienten müssen trotz schlechter Erfolgsaussichten einen zweijährigen Leidensweg in Kauf nehmen, bei dem sie mehr als 10.000 Tabletten einnehmen und acht Monate lang täglich Injektionen über sich ergehen lassen müssen. Viele Menschen leiden unter schweren Nebenwirkungen, die von Übelkeit und Schmerzen über permanenten Gehörverlust bis hin zu Psychosen reichen. Trotz ihrer Unzulänglichkeiten kosten die verwendeten Medikamente rund 3.000 Euro pro Person.Die ineffektive Behandlung und die hohen Kosten führen dazu, dass der Kampf gegen die Ausbreitung multiresistenter Tuberkulose kaum Wirkung zeigt. Nur jeder fünfte Patient hat überhaupt Zugang zu einer Behandlung. Das trägt dazu bei, dass sich die Infektionskrankheit problemlos ausbreiten kann. Obwohl vor kurzem zwei neue Tuberkulose-Medikamente zugelassen wurden, gibt es noch lange keine neue, effektivere Therapie gegen MDR-TB. Um eine gute Wirkung zu erzielen, müssen Medikamente in Kombinationen eingenommen werden; doch gibt es noch keine klinischen Untersuchungen, bei denen die Kombination mit den neuen Arzneimitteln getestet wird.

Appell auch an österreichische Regierung

 „Es ist das Gebot der Stunde, der weltweiten Ausbreitung von MDR-Tuberkulose Einhalt zu gebieten. Das geht nur, wenn Regierungen, Medikamentenhersteller und Forscher sich noch stärker im Kampf gegen Tuberkulose einsetzen“, stellt Breitenecker klar. „Wir appellieren auch erneut an die österreichische Regierung, sich deutlich mehr zu engagieren. Österreich ist eines der wenigen wohlhabenden Länder, die keinen Beitrag zum Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria leisten. Dieses Instrument spielt eine wichtige Rolle bei der Eindämmung von MDR-Tuberkulose, doch die Regierung weigert sich seit Jahren, den Fonds zu unterstützen. Das sollte aus unserer Sicht dringend überdacht werden.“Patienten und Patientinnen von Ärzte ohne Grenzen haben angesichts ihrer verzweifelten Lage zusammen mit ihren Ärzten und Pflegern ein Tuberkulose-Manifest verfasst. In dem Online-Appell, der mittlerweile von tausenden Menschen unterstützt wird, fordern sie die Staatengemeinschaft auf, endlich aktiv zu werden: Tuberkulose-Manifest: "Testet mich, behandelt mich"

Bericht veröffentlicht

Anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages veröffentlicht Ärzte ohne Grenzen den Bericht „The new face of an old disease”. Darin schildert die Organisation die Erfahrungen, die sie beim Kampf gegen medikamentenresistente Tuberkulose an vorderster Front gewonnen hat, und beschreibt die dringende Notwendigkeit, mehr Menschen zu diagnostizieren und zu behandeln. In dem Bericht ruft Ärzte ohne Grenzen nach mehr Forschung, damit neue, kürzere, verträglichere und effizientere Kombinationstherapien gefunden werden. Der Bericht (auf Englisch) kann hier heruntergeladen werden: MSF Crisis Alert: "The new face of an old disease"  [PDF]

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