Italien

Mittelmeer: So viele Menschen wie nie zuvor an einem Tag aus Seenot gerettet

Amsterdam/Wien, am 3. September 2015 – Die von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) am Mittelmeer eingesetzten Rettungsschiffe Dignity I und Bourbon Argos und die gemeinsam mit der Organisation MOAS betriebene MY Phoenix haben gestern insgesamt 1.658 Menschen aus Seenot gerettet. So viele Menschen wurden seit dem Start des Rettungseinsatzes am 2. Mai noch nie an einem einzigen Tag gerettet. Die drei Schiffe nahmen die Menschen bei sechs separaten Rettungsoperationen an Bord. Unter den Geretteten, die größtenteils aus Eritrea, Nigeria und Somalia stammen, waren 547 Frauen und 199 Kinder und Babys.

Die erste Rettung startete um 7 Uhr früh, als die Bourbon Argos 353 Menschen aus einem Holzboot rettete, das sich in den internationalen Gewässern nördlich von Zuwara befand. Später stieß die Dignity I auf drei aufblasbare Boote, in denen sich insgesamt 323 Menschen befanden. Kurze Zeit später nahm die Bourbon Argos weitere 650 Menschen aus einem Holzboot an Bord, und schließlich rettete am frühen Nachmittag auch die MY Phoenix 332 Personen aus Eritrea, die sich in einem Holzboot befanden.

Unter den von der Bourbon Argos geretteten Flüchtlingen war auch eine schwangere Frau, bei der kurz nach ihrem Transfer auf das Boot die Wehen einsetzten. Ärzte ohne Grenzen entschied sich für eine Evakuierung; die Frau wurde mit einem Motorboot der italienischen Küstenwache in ein Krankenhaus transportiert.

„Für uns stehen die Menschen im Mittelpunkt“

„Gestern war ein Tag der großen Zahlen für unseren Such- und Rettungseinsatz. Für unsere Teams auf hoher See stehen aber immer die einzelnen Menschen im Mittelpunkt“, erklärt Lindis Hurum, die Notfall-Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen auf der Bourbon Argos. „Die berührendste Erinnerung, die ich an gestern habe, ist die an Senait, eine junge äthiopische Frau, die im achten Monat schwanger war und bei der direkt nach ihrer Rettung die Wehen einsetzten. Wie jeder werdende Vater wollte ihr Ehemann Joseph, der angesichts der Geburt seines ersten Kindes aufgeregt und nervös war, nicht von ihrer Seite weichen. Das junge Paar wurde evakuiert, damit Senait ihr Kind in Italien unter sicheren Umständen gebären konnte. Unser Team wartet nun gespannt auf Neuigkeiten über die Geburt des Babys.“

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