Italien

Ärzte ohne Grenzen fordert bessere Seenotrettung am Mittelmeer

Wien, am 6. August – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) fordert nach dem neuen Schiffsunglück am Mittwoch mehr Kapazitäten für die Seenotrettung im Mittelmeer. Bei dem Unglück vor der libyschen Küste kenterte ein Holzboot mit etwa 600 Insassen. Zahlreiche Tote werden befürchtet. Das Rettungsschiff „Dignity I“ von Ärzte ohne Grenzen erreichte kurz nach dem Kentern den Unglücksort.

Ärzte ohne Grenzen hatte gegen 9 Uhr am Mittwochmorgen wegen des in Seenot befindlichen Boots einen Anruf des Seenotrettungszentrums in Rom erhalten. Doch während der Fahrt zu seinem Standort wurde es zu einer Rettungsaktion für ein anderes Boot umgeleitet. Die Bergung der 94 Menschen auf diesem zweiten Boot war gegen 12.30 Uhr abgeschlossen. Daraufhin erhielt die „Dignity I“ einen weiteren Anruf mit der Aufforderung, die Fahrt zum ursprünglich angepeilten Boot fortzusetzen. Als die „Dignity I“ dort ankam, war das Holzboot schon gekentert. Ein irisches Schiff, das zuerst angekommen war, führte gerade eine Rettungsaktion für die im Wasser treibenden Menschen durch.

Zu wenige Ressourcen

„Es war ein schrecklicher Anblick. Menschen klammerten sich verzweifelt an Rettungswesten, Boote und alles, was sie erreichen konnten und kämpften um ihr Leben. Um sie herum waren andere Menschen dabei zu ertrinken, andere waren schon ertrunken“, sagt Juan Matías, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen auf der „Dignity I“. „Die Tatsache, dass wir zunächst zum Rettungseinsatz für dieses Boot gerufen wurden, kurze Zeit später aber dann zu einem anderen Boot geschickt wurden, zeigt, dass es noch immer viel zu wenig Ressourcen für Rettungseinsätze auf dem Mittelmeer gibt.“

Nach und nach trafen weitere Rettungsschiffe am Unglücksort ein. Das Team der Dignity I versorgte zehn Menschen medizinisch. Fünf waren in einem so ernsten Zustand, dass sie per Helikopter evakuiert werden mussten. Auch die beiden anderen Rettungsschiffe von Ärzte ohne Grenzen – die Bourbon Argos und die „MY Phoenix“, die von der Migrant Offshore Aid Station (MOAS) betrieben wird – waren im Einsatz.

Vor der aktuellen Bootstragödie haben mehr als 2.000 Menschen ihr Leben bei dem Versuch verloren, das Mittelmeer zu überqueren. Ärzte ohne Grenzen startete die Such- und Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer im Mai und hat seitdem mehr als 10.000 Menschen gerettet.

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