Nepal

Nepal: Hilfsaktivitäten von Ärzte ohne Grenzen

Weitere Teams von Ärzte ohne Grenzen sind im Erdbebengebiet eingetroffen. Chirurgische Teams und Notfallmaterial sind unterwegs nach Gorkha. Die Wasserversorgung und die sanitären Bedingungen im provisorisch errichteten Kathmandu sind besorgniserregend, die Krankenhäuser der Stadt überlastet. Ein weiteres Team ist am Dienstag in das provisorische Lager in Bhaktapur zurückgekehrt, wo über 1.500 Menschen untergebracht sind.

Derzeit sind 62 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Ärzte ohne Grenzen in Nepal im Einsatz. Am Dienstag hat ein Team die Lage im Distrikt-Krankenhaus in Gorkha evaluiert, das beim Erdbeben beschädigt wurde. Die stationäre Abteilung wurde zerstört. Heute ist ein Lastwagen mit chirurgischem Notfallmaterial von Kathmandu in Richtung Ghorka aufgebrochen, da die Straße dorthin wieder geöffnet wurde. Das Chirurgen-Team ist auf dem Weg nach Ghorka, um den Einsatz zu beginnen und auf den chirurgischen Bedarf der Menschen in der Umgebung von Ghorka zu reagieren.

Mangel an Wasser und Sanitäranlagen

Am Dienstag hat ein Team das provisorisch errichtete Lager Tudikhel im Zentrum von Kathmandu evaluiert. Die Wasserversorgung und die sanitären Bedingungen sind besorgniserregend: Die Menschen haben nur eingeschränkt Zugang zu sauberem Trinkwasser, und die öffentlichen Toiletten sind überschwemmt. Ein Ärzte-Team des Bir-Krankenhauses, das gegenüber vom Lager liegt, hat einen provisorischen Behandlungsbereich errichtet und deckt den grundlegenden medizinischen Bedarf ab. Viele Menschen in dem Lager sind aus Kathmandu und Umgebung, aber einige sind auch Gastarbeiter, die nicht mehr in ihren bisherigen provisorischen Unterkünften wohnen können. Außerdem sind auch Menschen im Lager untergebracht, die von außerhalb gekommen sind, nachdem ihre Dörfer vom Erdbeben zerstört wurden. Ärzte ohne Grenzen kümmert sich nun vordringlich um die Wasser- und Sanitärversorgung.

Unfallchirurgie und Behandlung des "Crush-Syndroms"

Ein weiteres Team hat am Dienstag Bedarf und Kapazitäten in vier Spitälern in Kathmandu evaluiert – mit einem Schwerpunkt auf Unfallchirurgie und Nephrologie (Behandlung von Nierenerkrankungen), um die Kapazitäten zur Behandlung des „Crush-Syndroms“ einschätzen zu können. Dabei gibt das durch innere Verletzungen beschädigte Muskelgewebe große Mengen Gift an das Blut ab, was zu Nierenversagen führen kann. Unbehandelt kann das Crush-Syndrom tödlich sein. Insgesamt sind diese Krankenhäuser überlastet, da sie mit einem Zustrom von Verletzten nach dem Erdbeben fertig werden müssen und zusätzlich versuchen, die regulären Patienten mit chronischen Krankheiten etc. zu behandeln.

Die Uniklinik Kathmandu verzeichnet eine Zunahme an Patienten und Patientinnen, die Dialyse benötigen – eher chronisch Kranke als Erdbebenopfer, die am Crush-Syndrom leiden. Sie kommen von anderen Spitälern. Derzeit warten dort 200 Patienten, die eine Dialyse benötigen, acht Maschinen sind im Einsatz.

Versorgung mit medizinischem Material

Ärzte ohne Grenzen hat zwei Spitäler mit Material zur Wundbehandlung beliefert und wird je nach Bedarf spezialisierte Krankenhäuser in Kathmandu mit entsprechendem Material unterstützen.

Ein weiteres Team ist am Dienstag in das provisorische Lager in Bhaktapur (40 km östlich von Kathmandu) zurückgekehrt, wo über 1.500 Menschen untergebracht sind. Die sanitäre Lage ist problematisch: Die Menschen sammeln das Regenwasser und haben keine Latrinen. Sie haben entweder ihr Zuhause im Erdbeben verloren oder fürchten sich vor Nachbeben und wollen daher nicht nach Hause. Das Team von Ärzte ohne Grenzen kümmert sich vordringlich um die Wasser- und Sanitärversorgung im Lager und hat Verband- und Erste-Hilfe-Material an das Krankenhaus in Bhaktapur geliefert.

Außerdem ist gestern ein Chirurgen-Team in Kathmandu angekommen. Es wird sobald wie möglich in einem Feldspital arbeiten, das demnächst nach Kathmandu eingeflogen werden soll. 

Wenn Sie sich für eine Mitarbeit im Erdbeben-Gebiet in Nepal interessieren, beachten Sie bitte unseren Hinweis.

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