Nigeria

Nigeria: Cholera-Ausbruch in Bundesstaat Borno

Im Nordosten von Nigeria ist im Bundesstaat Borno Ende September eine Cholera-Epidemie ausgebrochen: In weniger als einem Monat wurden in der Hauptstadt Maiduguri 4.500 Fälle registriert, 70 Menschen verstarben. Ärzte ohne Grenzen ist bereits in diesem schwer erreichbaren Gebiet mit nur äußerst eingeschränkter Gesundheitsversorgung tätig und reagiert auf den Ausbruch. Die Anzahl der Fälle steigt inzwischen weiter an.

Bereits im Jahr 2010 half Ärzte ohne Grenzen bei der Eindämmung eines Cholera-Ausbruchs in Maidaguri und baute damals ein Cholera-Behandlungszentrum mit 120 Betten auf. Auf Grund des neuerlichen Ausbruchs wurde dieses Zentrum wiedereröffnet und die Kapazität auf 150 Betten aufgestockt. Aktuell versorgt ein achtköpfiges Team von Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit MitarbeiterInnen des Gesundheitsministeriums die schwersten Fälle – bisher wurden bereits 1.912 PatientInnen behandelt. Außerdem hat Ärzte ohne Grenzen in mehreren Bezirken der Stadt fünf Stationen aufgebaut, wo die Menschen vorbeugend orale Rehydrierungs-Lösung erhalten. Die Organisation „Action Contre la Faim“ (AFC) unterstützt mit Aktivitäten im Bereich Wasser, Hygiene und Sanitär.

Wiederholte Cholera-Ausbrüche

In Nigeria kommt es häufig zu Cholera-Epidemien – erst im Januar kam es im Bundesstaat Bauchi im Nordosten des Landes zu einem Ausbruch. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen behandelten dort 8.500 der insgesamt 15.500 betroffenen Menschen.

Jährlich erkranken drei bis fünf Millionen Menschen weltweit an Cholera. Die akute Darminfektion ist hochansteckend und wird durch den Verzehr von Nahrung und Wasser übertragen, das mit dem Bakterium infiziert oder durch Fäkalien verunreinigt ist. Die Krankheit fordert jährlich rund 100.000 bis 120.000 Menschenleben. Cholera tritt besonders häufig auf, wenn viele Menschen auf engem Raum leben und keinen oder kaum Zugang zu sauberem Wasser, Abfallentsorgung und Sanitäranlagen haben. Kinder und ältere Menschen sind besonders gefährdet (Details zu den Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten von Cholera finden Sie hier ).

Sicherheitslage erschwert medizinische Hilfe

Im Mai 2013 rief die nigerianische Regierung nach der Radikalisierung der islamistischen Gruppierung Boko Haram den Notstand in Borno, Yobe und Adamwa aus. Nachdem die Stadt Baga im Mai 2013 angegriffen wurden war, startete Ärzte ohne Grenzen erste Hilfsaktivitäten im Bundesstaat Borno – musste aber auf Grund der anhaltenden Unsicherheit die Tätigkeiten rasch wieder einstellen. Wenig später wurde eine Erkundung in Chibok im Süden des Bundesstaats durchgeführt und 3.760 Menschen ärztlich versorgt. Mehr als die Hälfte der Kinder waren jünger als fünf Jahre und viele davon mangelernährt. Nach zehn Wochen musste das Projekt im Oktober 2013 wieder eingestellt werden; ebenfalls wegen Sicherheitsbedenken.

Nach Maidaguri kehrte Ärzte ohne Grenzen im Mai 2014 zurück und unterstützte fixe Gesundheitseinrichtungen sowie mobile Kliniken in zwei der drei Vertriebenenlager in der Stadt. In diesen Lagern leben Menschen, die vor Übergriffen durch Boko Haram in der umliegenden Region geflohen waren. Derzeit leben rund 58.000 Vertriebene in den drei Lagern und die „National Emergency Management Agency (NEMA)“ schätzt, dass insgesamt rund 350.000 Menschen vertrieben wurden.

Unzureichende Versorgung der Menschen in Borno

Ärzte ohne Grenzen kann derzeit die Arbeit in der Stadt zur Eindämmung der Cholera-Epidemie fortführen, da für einige Zeit keine Übergriffe stattgefunden haben und die Situation derzeit ruhig ist. Die Bundesstaaten Yobe, Borno und Adamwa sind sehr entlegen und die Beschränkung für ein- und ausreisende Menschen erschweren Handel und Wirtschaft der Region. In Borno ist die Gesundheitsversorgung für Vertriebene, die gefährdeten EinwohnerInnen von Maidaguri und die Gesamtbevölkerung völlig unzureichend.

Cholera in Haiti, im Niger und in Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste)

  • Haiti: Nach einer Pause von mehr als 18 Monaten wurden in der Hauptstadt Port au Prince wieder Cholera-Fälle registriert. In anderen Teilen des Landes kam es ebenfalls zu kleineren Ausbrüchen. Ärzte ohne Grenzen eröffnete daraufhin fünf Cholera-Behandlungszentren.
  • Niger: Im Süden des Landes sind rund tausend Menschen in mehreren Regionen von Cholera betroffen. Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium haben Notfall-Teams von Ärzte ohne Grenzen bisher 1.000 PatientInnen behandelt.
  • Elfenbeinküste: In Abidjan, der Hauptstadt von Côte d’Ivoire, wurden rund 40 Cholera-Fälle innerhalb einer kleinen Gemeinschaft von Fischern aus Ghana festgestellt. In Ghana haben sich im Rahmen einer aktuellen Cholera-Epidemie rund 15.000 Menschen mit der Krankheit angesteckt. Ärzte ohne Grenzen untersucht momentan, wie in dieser Krise am besten geholfen werden kann.

Lesen Sie hier die Geschichte von Mary Keji und ihren beiden Kindern, die im Südsudan an Cholera erkrankt waren:  „Haltet alles sauber!“

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