Südsudan

Südsudan: 15.000 Menschen fliehen vor Kämpfen im Bundesstaat Upper Nile

Mehr als 15.000 Menschen sind in den vergangenen Wochen auf Grund gewaltsamer Zusammenstöße in den Bezirk Melut im südsudanesischen Bundesstaat Upper Nile geflohen. Ärzte ohne Grenzen hat im dortigen neu errichteten Lager ein Nothilfe-Projekt gestartet, um tausenden Vertriebenen humanitäre Hilfe zukommen zu lassen.

Nachdem rund 3.500 Menschen im neuen Vertriebenenlager in Melut Zuflucht gesucht hatten, führte Ärzte ohne Grenzen eine Erhebung ihrer Bedürfnisse durch. Seitdem wurden zwei weitere Lager aufgebaut, um insgesamt 15.000 SüdsudanesInnen aufzunehmen – die meisten davon sind Frauen, Kinder und ältere Menschen.

„Zu uns kommen große Menschenmengen aus Malakal, dem Bezirk Baliet und anderen Gebieten südlich von Melut – sowohl auf LKWs als auch mit Booten“, berichtet Isaac Oooko, stellvertretender Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen haben seit dem Start des Nothilfe-Projekts Mitte Februar täglich ca. 100 ambulante Behandlungen durchgeführt und 4.500 Kinder unter fünf Jahren gegen Polio und Masern geimpft. Außerdem wird die Verteilung von 3.600 essenziellen Hilfsgütern geplant.

Mehrmalige Vertreibungen und mangelnde Sicherheit

Manche der Menschen in den Lagern wurden bereits zwei oder sogar drei Mal vertrieben, seit die Kämpfe im Süden des Bundesstaats Upper Nile ausgebrochen sind. Viele mussten tagelang mit nur wenig Wasser und Nahrung zu Fuß marschieren, um die Lager zu erreichen. Die unzureichenden Lebensbedingungen in den Camps und die instabile Sicherheitslage geben großen Grund zur Sorge.

„Als wir hier ankamen, waren wir auf der Suche nach einem sicheren Ort und etwas Nahrung, aber wir haben bislang keinen solchen Platz gefunden“, erzählt der 45-jährige Ajith Athor. Er ist erst in den Bezirk Balet und dann von dort in die Stadt Malakal geflohen, bevor er weiter in den Bezirk Melut aufbrechen musste. „Die Kinder sind mittlerweile vollkommen erschöpft und brauchen Wasser und Nahrung.“

Die bald einsetzende Regenzeit bringt die Gefahr mit sich, dass die Lager überflutet werden. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen bereiten sich daher auf eine steigende Anzahl an PatientInnen vor: „Die Regenzeit steht bevor und wir müssen uns darauf vorbereiten“, erklärt Ooko. „Die Vertriebenenlager könnten überschwemmt werden und damit eine äußerst angreifbare Bevölkerungsgruppe, die bereits Gewalt ausgesetzt war, für Malaria, Durchfall und andere Krankheiten anfällig machen.“

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1983 im Gebiet der heutigen Republik Südsudan und betreibt aktuell 20 Hilfsprogramme in neun der zehn Bundesstaaten des Landes. Neben den regulären Hilfsprogrammen in Agok, Aweil, Bentiu, Gogrial, Maban, Malakal, Nasir, Yambio, Lankien, Yuai, Pamat und Yida gibt es fünf zusätzliche Not-Programme in Juba, Awerial, Malakal, Melut und Nimule. Ärzte ohne Grenzen reagiert auf Notsituationen wie massenhafte Vertreibungen, Flüchtlingsströme, Ernährungskrisen und dem verstärkten Auftreten von Krankheiten wie Masern, Malaria, akute Durchfallerkrankungen und Kala Azar. Zusätzlich leisten die Teams grundlegende und spezialisierte Gesundheitsversorgung. Ärzte ohne Grenzen versorgt zudem südsudanesische Flüchtlinge in Kenia, Uganda und Äthiopien.

In den ersten zehn Wochen der aktuellen Krise haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen 103.614 ambulante Behandlungen (davon 40.925 für Kinder unter fünf Jahren) durchgeführt, 3.767 Menschen stationär aufgenommen (davon 2.282 Kinder unter fünf Jahren), 1.393 Kriegsverletzte versorgt, 755 größere chirurgische Eingriffe durchgeführt und 2.157 Geburten begleitet.

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