Südsudan

Südsudan: Schwere Kämpfe, zerstörte Städte, Zehntausende Vertriebene

Nairobi/Wien, am 22. Mai 2015 Durch die Eskalation der Kämpfe im Südsudan werden immer mehr Zivilisten Opfer der Gewalt. Dringend benötigte humanitäre Hilfe wird behindert und mancherorts sogar verhindert, warnte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) am Freitag bei einer Pressekonferenz in Nairobi. Gesundheitseinrichtungen wurden zerstört oder beschädigt, medizinisches Personal evakuiert. Ganze Städte wurden zerstört, zehntausende Menschen sind geflohen. Die Gewalt betrifft vor allem die Bundesstaaten Unity, Jonglei und Upper Nile.

„Durch die Eskalation sind die Menschen in den Konfliktgebieten der Gewalt schutzlos ausgesetzt, sie haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und humanitärer Hilfe“, warnt Paul Critchley, der Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan. „Um noch mehr Leid zu verhindern, müssen alle Konfliktparteien sowohl Zivilisten als auch Gesundheitseinrichtungen respektieren.“

Heftige Kämpfe in Malakal und Melut

Im Bundesstaat Upper Nile behandelt Ärzte ohne Grenzen Verwundete nach heftigen Kämpfen in Malakal und Melut. In beiden Städten sind tausende Personen in die UN-Schutzzone für Zivilisten geflohen – in dem Lager in Malakal leben nun 30.000 Vertriebene. Die Gewalt hindert Teams von Ärzte ohne Grenzen jedoch daran, in die Stadt hineinzufahren. Auch nach Melut können derzeit weder Personal noch Material gebracht werden, weil keine Flugzeuge mehr landen können.

Im Bundesstaat Jonglei hat ein Team von Ärzte ohne Grenzen die Stadt Phom El-Zeraf (New Fangak) komplett zerstört vorgefunden. Die Häuser sind niedergebrannt, Schulen und das Krankenhaus zerstört.

Krankenhaus in der Stadt Leer evakuiert

Im Bundesstaat Unity musste Ärzte ohne Grenzen am 9. Mai das Krankenhaus in der Stadt Leer evakuieren. 200.000 Menschen haben dadurch keine medizinische Versorgung mehr. Ein südsudanesischer Mitarbeiter berichtete, er sei mit vielen anderen auf eine Insel in den umliegenden Sümpfen geflohen. Es gebe Todesfälle und Entführungen. In Bentiu kamen 11.000 Vertriebene – vor allem Frauen und Kinder – neu in der UN-Schutzzone für Zivilisten an. Ärzte ohne Grenzen musste hier wegen der Gewalt die mobilen Kliniken in der Umgebung einstellen. Die Vertriebenen berichten von Angriffen und Tötungen, von niedergebrannten Dörfern und Verwundeten, die zurückgelassen werden mussten, sowie von sexueller Gewalt gegen Frauen und Kinder. Das Team in Bentiu behandelte alleine im April 150 Vertriebene mit Gewaltverletzungen. Ein neunjähriger Junge wurde sogar innerhalb der UN-Schutzzone im Schlaf von einem Schuss getroffen.

Die bevorstehende Regenzeit wird die Situation in den überfüllten Vertriebenenlagern weiter verschärfen.

Ärzte ohne Grenzen beschäftigt derzeit mehr als 3.500 Mitarbeiter im Südsudan und hat in diesem Jahr über 160.000 Patienten behandelt.

Mehr Informationen finden Sie in unserer Presseaussendung auf Englisch:

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