Südsudan

Hilfe für südsudanesische Flüchtlinge im Sudan

Seit Februar 2014 unterstützt Ärzte ohne Grenzen mehr als 30.000 südsudanesische Flüchtlinge, die aus ihrem Heimatland in den White Nile State des benachbarten Sudan geflohen sind. Die meisten dieser Menschen kommen aus dem Upper Nile State an der südöstlichen Grenze zum Sudan. Seit dem Ausbruch des gewaltsamen Konflikts im Südsudan am 15. Dezember 2013 wurden zahlreiche Menschen innerhalb ihres Landes vertrieben oder dazu gezwungen, in eines der Nachbarländer zu fliehen. Unsere Teams berichten, dass die Bevölkerung aus Angst vor Übergriffen oder nach Attacken das Land verlassen hat.

Gemeinsam mit dem sudanesischen Gesundheitsministerium leistet Ärzte ohne Grenzen medizinische Hilfe und betreibt Ernährungsprogramme für diejenigen, die im White Nile State ankommen. Bisher hat die Hilfsorganisation 36.174 Konsultationen durchgeführt und 2.333 Kinder im Alter unter fünf Jahren gegen Kinderlähmung geimpft. Weiters wurden 8.566 Kinder unter 15 Jahren nach einer entsprechenden Diagnose gegen Masern geimpft. Dieser präventive Ansatz hat sich als hilfreich erwiesen, um Krankheitsausbrüche in der Region zu vermeiden.

Schlechter Gesundheitszustand der Menschen

„Die meisten der Ankömmlinge sind Frauen, Kinder und ältere Menschen. Sie kommen zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Da die Gesundheit der meisten von ihnen in einem schlechten Zustand ist, untersuchen wir die Menschen bei ihrer Ankunft und überprüfen ihren Ernährungsstatus. Schwer mangelernährte Kinder werden sofort in unser therapeutisches Ernährungsprogramm aufgenommen. Mäßig mangelernährte Kinder erhalten Zusatznahrung“, so Dr. Amir Osman, medizinischer Teamleiter von Ärzte ohne Grenzen im White Nile State.

Derzeit werden im therapeutischen Ernährungsprogramm von Ärzte ohne Grenzen 3.230 Menschen betreut. Sie erhalten regelmäßige Untersuchungen und Zusatznahrung. Mangelernährte Schwangere und stillende Mütter werden in Anbetracht der hohen Anzahl ankommender Frauen ebenfalls genau beobachtet. Bisher haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen 2.111 pränatale Untersuchungen durchgeführt und 152 Geburten begleitet.

Flucht mit leeren Händen

Die meisten Menschen im White Nile State kommen aus den vier großen Städten Waddakona, Kaka, Al-Renk und Malakal sowie deren Umland. Alle mussten auf Grund der großen Unsicherheit fliehen; manche konnten einige ihrer Habseligkeiten mitnehmen, andere kommen mit leeren Händen. „Ich bin drei Tage lang zu Fuß von Waddakona im Upper Nile State nach Nord-Kweik im Sudan gelaufen. Dort musste ich meine Kühe, Schafe und Ziegen verkaufen, um mit dem Geld andere Dinge anschaffen zu können“, erzählt Nyabok Adwog (Name geändert, Anm.). „Ich war früher eine Staatsbedienstete und konnte für mich selbst sorgen. Nun bin ich in einem anderen Land und von Hilfsgütern abhängig“, fügt sie hinzu.

Der Großteil der Flüchtlinge hat den Sudan über das westliche Nil-Gebiet erreicht und sich in der Region Um Jalala, auch bekannt als „Kilo 10“, niedergelassen. Doch seitdem wurden die Menschen in drei Übergangszonen übersiedelt – Jorai, El Kashafa und El Rades. Manche sind auch über die östliche Nil-Region in das sudanesische Gebiet Al-Alagaya gekommen.

Große medizinische Bedürfnisse

Diese Gegenden liegen alle in der Nähe des Nils, wo der Transport über den Wasserweg möglich ist – besonders während der Regenzeit ein wichtiger Faktor, da die Straßen unpassierbar sind. Kranke mit komplizierten Fällen können dann nur mit einem Boot über den Fluss in das Krankenhaus in Kosti gebracht werden, die zweite Hauptstadt des Landes. Im Gebiet El Kashafa hat Ärzte ohne Grenzen eine 20-Betten-Klinik errichtet, um auf die rasch zunehmende Anzahl kritischer Fälle reagieren zu können. Gleichzeitig werden mobile Kliniken eingesetzt, um die Menschen in den beiden Übergangszonen zu erreichen, die rund 7 bzw. 15 km entfernt liegen.

Die medizinischen Bedürfnisse der Bevölkerung sind offensichtlich – Teams von Ärzte ohne Grenzen führen im Durchschnitt 4.300 Konsultationen monatlich durch, rund 15 Fälle werden nach Kosti überstellt. Ein Grund dafür ist auch die äußerst beengte Lebenssituation der Menschen: Sechs bis sieben Personen sind gezwungen, gemeinsam in einem „Tukul“ zu leben, einer kleinen Hütte für eigentlich rund zwei bis drei Personen. Die Überfüllung beschleunigt die Verbreitung übertragbarer Krankheiten wie Atemwegsinfektionen – eine der häufigsten Erkrankungen, die Ärzte ohne Grenzen im White Nile State behandelt. Bei der Vermeidung von Krankheiten helfen auch Teams, die für die Gesundheitsaufklärung verantwortlich sind. Sie informieren die Bevölkerung über Krankheiten, die übertragbar sind oder auf Grund mangelnder Hygiene entstehen können.

Friedliches Zusammenleben von Flüchtlingen und Ansässigen

Schwere Regenfälle könnten die Menschen daran hindern, in den Sudan zu gelangen, da der Fluss dann auf Grund des Hochwassers nicht überquerbar ist. Doch wenn die Gewalt im Grenzgebiet des Südsudan zum Sudan wieder aufflammt, werden die Zahlen automatisch steigen. Nur wenige Kilometer Grenzlinien teilen die zwei Länder, die vor etwa drei Jahren noch eines waren. Doch trotz der Grenze, die sie trennt, ermöglichen die Gemeinsamkeiten und stillen Verbindungen zwischen den Ankommenden und der hier lebenden Bevölkerung eine gegenseitige Akzeptanz und friedliche Ko-Existenz. Man könnte sogar sagen, dass die lokalen Gemeinden gerne ihre Nachbarn aus dem Südsudan beschützen – und somit für eine gewisse Sicherheit sorgen, die humanitäre Hilfsleistungen begünstigt.

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