Tadschikistan

Tadschikistan: Kinder mit multiresistenter Tuberkulose können gesund werden

Die schwedische Ärztin Ann Åkesson ist seit Oktober Teamchefin für das medizinische Personal im Tuberkulose-Projekt von Ärzte ohne Grenzen in Tadschikistan. Das Projekt in der Hauptstadt Duschanbe richtet sich an Kinder und Jugendliche, die an der multiresistenten Form der Tuberkulose (MDR-TB) leiden. Die Behandlung ist lang, schmerzhaft und kompliziert. Aber das Projekt zeigt, dass Kinder und Jugendliche mit multiresistenter Tuberkulose gesund werden können.

Warum hat die Organisation das Projekt in Duschanbe initiiert?

Bevor Ärzte ohne Grenzen das Projekt im Jahr 2011 startete, bekamen Kinder mit multiresistenter Tuberkulose in Tadschikistan keine Behandlung. Unser Ziel ist es, ein Modell für eine effektive Diagnose und Behandlung von Kindern zu schaffen. Wir möchten zeigen, dass es möglich ist, selbst Kleinkinder zu behandeln. Um die Medizin richtig verabreichen und dosieren zu können, müssen wir zum Beispiel selbst flüssige Medizin aus den Tabletten für Erwachsene herstellen.

Was unterscheidet multiresistente Tuberkulose von der gewöhnlichen Tuberkulose?

Die Medikamente gegen multiresistente Tuberkulose sind weniger wirksam. Die Patienten müssen viel mehr Medikamente über einen viel längeren Zeitraum einnehmen, in der Regel zwei Jahre lang. Dabei bekommen die  Patienten täglich ein Jahr lang täglich schmerzhafte Injektionen. Die Medikamente haben zudem schwere Nebenwirkungen: Übelkeit ist üblich, und man kann sogar sein Gehör verlieren. Wir versuchen, die Nebenwirkungen so weit wie möglich zu reduzieren. Aber manchmal müssen wir auch weiterhin ein Medikament geben, das zu Taubheit führen kann, um das Leben eines Kindes zu retten. Wir haben keine Wahl, es gibt keine besseren Medikamente.

Warum erkrankten die Kinder an multiresistenter Tuberkulose?

Sie stecken sich bei ihren Eltern oder älteren Geschwistern an, die MDR-TB haben und davon oft gar nichts wissen. MDR-TB kann auch auftreten, wenn der Patient die Tabletten nicht regelmäßig nimmt. Daher ist es sehr wichtig, dass die Kinder wirklich alle ihre Pillen jeden Tag während der gesamten Behandlungszeit nehmen. Das kann schwierig sein, vor allem bei Jugendlichen, die rebellieren wollen und sich weigern, ihre Medikamente zu nehmen. Wir müssen ständig erklären, wie wichtig es ist, dass die Behandlung weitergeht, auch wenn starke Nebenwirkungen auftreten. Unsere speziell ausgebildeten Berater unterstützen die Kinder und die Familien.

Gibt es einen Patientengeschichte, die Sie besonders berührt hat?

Wir hatten ein 14-jähriges Mädchen in unserer Abteilung, die eine extrem resistente Form der Tuberkulose, also XDR-TB, entwickelt hatte. Sie konnte wegen der Ansteckungsgefahr nicht mit den anderen Kindern zusammen sein. Sie war sehr einsam, ihre Mutter war an multiresistenter Tuberkulose gestorben und ihr Vater war obdachlos. Sie saß immer am Fenster ihres Zimmers und sah auf den Hof, wenn wir zur Arbeit kamen. Sie war schon sehr schwer krank und hatte viele Behandlungen durchlaufen, als sie zu uns kam. Unser Team kämpfte eine lange Zeit, um sie zu retten. Es war sehr traurig, als sie starb. Ich schaue immer noch zu ihrem Fenster hoch, wenn ich dort vorbeigehe.

Wie stehen die Chancen, dass die anderen Kinder im Projekt gesund werden?

Die meisten Kinder werden völlig gesund. Jedesmal, wenn ein Patient die Behandlung beenden kann, haben wir eine kleine Zeremonie und wir feiern, dass er oder sie wieder gesund ist. Der Patient bekommt Geschenke und ein Diplom, weil er so tapfer durchgehalten hat. Danach gibt es Musik und Tanz!

PatientenInnen von Ärzte ohne Grenzen haben angesichts ihrer verzweifelten Lage zusammen mit ihren ÄrztInnen und medizinischem Personal ein Tuberkulose-Manifest verfasst. In dem Online-Appell, der mittlerweile von tausenden Menschen unterstützt wird, fordern sie die Staatengemeinschaft auf, endlich aktiv zu werden:   Tuberkulose-Manifest: "Testet mich, behandelt mich"

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