Tansania: 130.000 Flüchtlinge gegen Cholera geimpft

Kigoma/Wien, am 30. Juli 2015 – Die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) hat diese Woche im überbelegten Flüchtlingslager Nyarugusu in Tansania eine Impfkampagne gegen Cholera abgeschlossen. In dem Lager leben burundische und kongolesische Flüchtlinge unter verheerenden Umständen; es braucht dringend Verbesserungen bei den hygienischen Bedingungen.

Die zweite Runde der Impfkampagne, die im Mai als Reaktion auf einen Choleraausbruch unter den Flüchtlingen gestartet wurde, wurde am 27. Juli abgeschlossen. Die Schluckimpfung, die in zwei Dosen verabreicht werden muss, bietet einen hohen Schutz gegen die Krankheit. Doch um Cholera vorzubeugen, braucht es auch Maßnahmen im Hygienebereich – was unter den derzeitigen Umständen im Lager kaum möglich ist.

Hygienebedingungen müssen dringend verbessert werden

„Die Impfung ist ein wichtiges und schnell wirksames Mittel, um Todesfälle zu vermeiden. Doch um weitere Choleraausbrüche zu verhindern, müssen dringend die Hygienebedingungen im Lager verbessert werden“, betont Sita Cacioppe, die Notfallkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Nyarugusu.

Die Impfkampagne wurde in Zusammenarbeit mit den tansanischen Gesundheitsbehörden, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) durchgeführt. Bei der ersten Impfrunde im Juni erhielten rund 107.000 Personen die erste Impfdosis – das entspricht 92 Prozent der Lagerbevölkerung.

Tausende Menschen fliehen nach Tansania

Doch rund um die Wahlen in Burundi flüchteten weitere tausende Menschen über die Grenze nach Tansania. Laut dem UNHCR sind seit der ersten Impfrunde rund 20.000 weitere Flüchtlinge im Lager angekommen. Deshalb wird demnächst eine zusätzliche Impfrunde stattfinden, bei der die Neuankömmlinge, deren allgemeiner Impfstatus unklar ist, ihre zweite Dosis erhalten.

Innerhalb von drei Monaten ist die Zahl der Menschen in Nyarugusu um mehr als das Dreifache angestiegen. Etwa 82.000 Menschen sind vor den politischen Unruhen und der Gewalt in Burundi geflohen. Sie teilen sich nun das Lager mit den rund 64.000 Kongolesen, die bereits seit fast zwanzig Jahren in Nyarugusu leben. Die Infrastruktur des Lagers ist in der Folge fast zusammengebrochen; die Hilfsorganisationen vor Ort haben große Mühe, ausreichend Wasser, Nahrung und Unterkünfte bereitzustellen. Die Neuankömmlinge leben zusammengepfercht in überfüllten Massenzelten unter erbärmlichen Bedingungen, die auch gesundheitliche Auswirkungen haben. Das Risiko für Krankheitsausbrüche ist unter diesen Umständen besonders hoch.

Warteschlangen bei Wasserstationen

„Die Menschen leben in überfüllten Zelten, überall ist Staub. Die Nächte sind kalt. Manchmal müssen sie stundenlang anstehen, um Wasser zu bekommen. Obwohl Malaria die häufigste Krankheit ist, haben wir auch viele Patienten mit Atemwegsinfektionen und Durchfallerkrankungen, die auf die schlechten Hygienebedingungen zurückzuführen sind“, sagt Cacioppe. „Mit der kommenden Regenzeit könnte sich die Lage sogar noch verschärfen, da viele Zelte an Standorten stehen, die hochwassergefährdet sind.“

Neben den medizinischen Tätigkeiten hat Ärzte ohne Grenzen auch ein System zur Wassergewinnung und -aufbereitung eingerichtet und verteilt täglich mehr als 280.000 Liter Wasser an fünf Standorten im Lager. Doch es gibt weiterhin Versorgungslücken. „Wir weisen die Leute immer wieder darauf hin, dass sie sich die Hände mit Seife waschen sollen, um Krankheiten zu vermeiden. Doch einige haben seit ihrer Ankunft noch nicht einmal ein Stück Seife erhalten. Wir planen eine Verteilaktion, doch wir hoffen auf die Unterstützung anderer Hilfsorganisation, damit wir uns auf die medizinischen Bedürfnisse konzentrieren können“, so Cacioppe.

Ärzte ohne Grenzen ist seit Mai im Lager tätig und arbeitet gemeinsam mit dem tansanischen Roten Kreuz in zwei Kliniken. Kürzlich wurde das therapeutische Ernährungszentrum erweitert, in dem schwer mangelernährte Kinder betreut werden. Während der Impfkampagne waren auch sämtliche Kinder unter fünf Jahren auf Mangelernährung untersucht worden.

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