Türkei

Türkei: Psychologische Unterstützung der Erdbebenopfer

Kinder gehen wieder zur Schule, Geschäfte und Märkte haben wieder geöffnet. Drei Monate nach den beiden Erdbeben in der Provinz Van im Osten der Türkei versuchen die Überlebenden zur Normalität zurückzukehren. Aber die meisten Menschen leben noch immer in Zelten oder Metallcontainern. Es ist sehr schwierig für sie, sich von den traumatischen Erlebnissen zu erholen. 

Zusammen mit der türkischen Organisation Helsinki Citizens’ Assembly (hCa) betreut Ärzte ohne Grenzen in einem Programm für psychische Gesundheit Erdbeben-Opfer, damit sie diese Erlebnisse bewältigen können. „Die Menschen leiden unter den typischen Stress-Reaktionen: Alpträume, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen bis hin zur Schlaflosigkeit. Sie fühlen sich hilflos, haben Angst zu sterben und manche erkennen nicht einmal mehr ihr Dorf“, schildert Ärzte ohne Grenzen-Psychologin Maria Palha, die in Van arbeitet. „Zuerst kamen die Menschen nur zögerlich in unsere Gruppensitzungen, aber nach und nach konnten wir ihr Vertrauen gewinnen. Jetzt sprechen sie sehr offen über ihre Frustrationen und kommen jede Woche zu uns.“

Programme in 31 Dörfern und in Van

In Zusammenarbeit mit dem türkischen Familien- und Sozialministerium und dem Zentrum für Krisenkoordination in Van startete Ärzte ohne Grenzen zusammen mit Helsinki Citizens’ Assembly im Dezember 2011 ein zweimonatiges Programm zur psychischen Unterstützung in 31 Dörfern außerhalb des Zentrums der Stadt Van. Bisher konnten 3.000 Frauen und 1.800 Männer die Gruppensitzungen nützen. 40 Menschen mit schwereren Symptomen wurden individuell psychologisch betreut.

„In einem der Orte kam ein fünfjähriger Junge mit seiner Mutter zu uns. Er sagte: ‚Ich fürchte mich und meine Mutter ist immer zornig. Sie müssen uns helfen.‘ Das zeigt, dass die Menschen nun verstehen, dass ihnen die psychologische Betreuung helfen kann. Damit haben wir schon einiges erreicht“, sagt Maria Palha.

Verteilung von Zelten

Ärzte ohne Grenzen geht auch auf Lehrerinnen und Lehrer zu und bietet Unterstützung an. Außerdem betreut die Organisation 91 Flüchtlings- und asylsuchende Familien, die vom Erdbeben betroffen und vertrieben nun in behelfsmäßigen Siedlungen in Van leben.

Zusätzlich zur psychologischen Hilfe hat Ärzte ohne Grenzen außerdem zusammen mit den türkischen Organisationen Hayata Destek und hCa ebenso wie lokalen Behörden 2.000 winterfeste Zelte und 2.000 Küchenutensilien an 12.000 Menschen in 37 Dörfern in der Provinz Van verteilt. 

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