Zentralafrikanische Republik: Die vergessene Krise

Jose Antonio Bastos, Präsident von Ärzte ohne Grenzen in Spanien, ist gerade von einem Besuch in der Zentralafrikanischen Republik, einem der ärmsten Länder der Welt, zurückgekehrt. Dort wurde im März durch einen Staatsstreich der oppositionellen Koalition Séléka die Regierung von François Bozizé verdrängt. Nicht nur die Medien, sondern auch die internationale Gemeinschaft scheinen das Land bereits wieder vergessen zu haben, obwohl sich mit der Zeit des Umbruchs durch weitverbreitete Raubüberfälle, Plünderungen und Kämpfe der ohnehin problematische Zustand des Landes weiter verschlechtert hat.

Wie hast du die Hauptstadt Bangui diesmal erlebt?

Ich war im Jahr 2011 dort. Bangui erschien mir damals eine arme, träge Stadt. Jetzt ist es eine verängstigte Stadt mit schwer bewaffneten jungen Männern, die in Lastwagen auf den Straßen patrouillieren. Die Situation ist immer noch sehr unberechenbar, und niemand kann vorhersagen, was in der nahen Zukunft passieren wird.

Was befürchtet Ärzte ohne Grenzen für die Bevölkerung?

Wir haben erlebt, wie Menschen vertrieben wurden oder fluchtartig ihre Dörfer verließen, um sich im Busch zu verstecken, wo sie in höherem Maße Moskitostichen ausgesetzt waren. Mit der beginnenden Regenzeit erwarten wir daher einen Spitzenwert in Bezug auf die Malaria-Fälle. Viele Patienten haben eine Unterbrechung ihrer HIV- oder Tuberkulose-Behandlung erlebt, was sehr gefährlich ist.

Vermeidbare Krankheiten wie Masern sind in einem Land mit sehr niedrigen Impfraten ebenfalls besorgniserregend. Die Menschen waren nicht in der Lage, sich um ihre Ernten zu kümmern, weil sie große Angst hatten, auf ihre Felder zu gehen. Saatgut, Lebensmittelvorräte und Arbeitswerkzeuge wurden geplündert, so dass wir auch Nahrungsmittelknappheit und zunehmende Mangelernährung befürchten.

Wir sprechen hier von einer Krise, die die bereits vorhandene Krisensituation noch weiter verschärft, denn die Zentralafrikanische Republik war bereits vor dem politischen Umbruch in einer Notsituation. Die Lebenserwartung liegt bei nur 48 Jahren, es gibt eine große Anzahl von Malaria-Fällen, die Sterblichkeitsraten liegen deutlich über den Schwellenwerten von Notfallsituationen und das Gesundheitssystem ist in der Regel sehr schlecht.

Wie kommen die Teams von Ärzte ohne Grenzen mit der Situation zurecht?

Ich bin sehr beeindruckt von den Teams. In Bangui gab es einige unserer Mitarbeiter, die die Projekte in Kabo und Batangafo im Norden aufgrund von Sicherheitsvorfällen evakuieren mussten. Obwohl sie schockiert waren, war ihr einziger Gedanke, zurückzukehren (mittlerweile sind sie auch zurück), da die beiden Projekte ein Gebiet mit mehr als 130.000 Menschen abdecken, die ohne besondere medizinische Versorgung zurückgelassen wurden.

Anfang dieses Jahres, als die politischen Unruhen begannen, hat Ärzte ohne Grenzen bereits begonnen, die Aktivitäten aufzustocken: Wir eröffneten Notfallprojekte in Damara und Sibut, in der Nähe der Frontlinie. Zudem haben wir gerade ein weiteres Notfallprojekt in Bossangoa eröffnet und das örtliche Krankenhaus mit antiretroviralen Medikamenten versorgt. Im Gemeindekrankenhaus in Bangui haben wir einen weiteren Operationssaal eingerichtet. Wir haben schwere Verluste erlitten, da unsere Fahrzeuge gestohlen und unsere Lager und Büros geplündert wurden, und wir haben die neue Regierung aufgefordert, Verantwortung für diese Verluste zu übernehmen. Wir sind fest entschlossen, zu unseren normalen Aktivitäten zurückzukehren und unsere Nothilfe auszuweiten.

Wie reagieren internationale Agenturen und andere humanitäre Akteure?

Von einigen Ausnahmen abgesehen ist die Reaktion entmutigend. Die Plünderungen und die Unsicherheit haben einige UN-Organisationen und NGOs gezwungen, ihre Aktivitäten zu reduzieren. Es sieht nicht so aus, als ob sie jetzt, wo sie am meisten gebraucht werden, kurzfristig auf ihr bisheriges Niveau zurückkehren.

Wir appellieren an diejenigen Agenturen, die sich zuvor verpflichtet hatten, Medikamente gegen Malaria, HIV und Tuberkulose bereitzustellen, ihre Aktivitäten fortzusetzen, und wir fordern ein größeres Engagement von NGOs und UN-Agenturen im Land, um angemessen auf die aktuelle Krise und die akuten Bedürfnisse der Bevölkerung zu reagieren – und nicht nur das: Auch frühere Zusagen von Gebern und der internationalen Gemeinschaft müssen in der Zentralafrikanischen Republik unbedingt eingehalten werden.

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