Der aktuelle Ebola-Ausbruch in der DR Kongo im Mai 2026 sorgt international für Sorge. Unsere Teams sind vor Ort, behandeln Verdachtsfälle und richten spezielle Ebola-Behandlungszentren ein.
Im Mai 2026 bricht in der Demokratischen Republik Kongo erneut Ebola aus – diesmal in einer besonders verwundbaren Region, mit dem Bundibugyo-Virus, gegen das es keinen zugelassenen Impfstoff gibt.
Wir sind vor Ort und bereiten einen großangelegten Einsatz vor. Was aktuell bekannt ist, warum die Lage so ernst ist – und wie Sie helfen können.
Was aktuell über den Ebola-Ausbruch bekannt ist
Am 15. Mai 2026 hat das Gesundheitsministerium der Demokratischen Republik Kongo offiziell einen Ausbruch der Ebola-Krankheit, des Bundibugyo-Virus, erklärt. Betroffen ist die Provinz Ituri im Nordosten des Landes.
Stand 28. Mai wurden in den Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu insgesamt 906 Verdachtsfälle, 125 bestätigte Fälle und 223 Todesfälle offiziell gemeldet. Diese Zahlen müssen jedoch mit Vorsicht interpretiert werden: Aufgrund fehlender Testkapazitäten und schwer erreichbarer Gebiete ist das eigentliche Ausmaß des Ausbruchs nach wie vor nicht bekannt. Hunderte von Proben warten noch auf ihre Auswertung in Labors.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Lage am Sonntag, den 17.5., als internationale Gesundheitsnotlage eingestuft. Bereits einen Tag später, am 18. Mai, erklärte auch die Africa CDC (Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union) einen kontinentalen Gesundheitsnotstand.
Der Ausbruch hat sich über die Provinz Ituri hinaus ausgebreitet. Ituri bleibt mit über 90 Prozent der gemeldeten Verdachtsfälle das Epizentrum. Die Fallzahlen steigen insbesondere in Mongbwalu und Rwampara. Auch in Nord-Kivu einschließlich Goma sowie in Süd-Kivu – wo am 21. Mai der erste Fall bestätigt wurde – wurden Fälle registriert.
Der Ausbruch hat außerdem die Landesgrenze überschritten. In Uganda wurden bis 29. Mai 9 Fälle bestätigt. Wir stehen bereit, auch die ugandischen Gesundheitsbehörden zu unterstützen.
Dieser Ausbruch ist der siebzehnte in der DR Kongo seit der Entdeckung des ersten Falles im Jahr 1976. In keinem anderen Land weltweit wurden mehr Ebola-Ausbrüche verzeichnet.
Seien Sie Teil der Hilfe
Warum sich die Situation schnell zuspitzt
Was diesen Ausbruch besonders gefährlich macht, ist der Virus. Genauer gesagt: Es handelt sich um den Bundibugyo-Virus – einen von mehreren Viren, die Ebola-Erkrankungen auslösen können. Neben dem Bundibugyo-Virus gehören dazu auch der bekanntere Ebola-Virus und der Sudan-Virus. Alle drei verursachen schwere Erkrankungen, unterscheiden sich aber in ihrer Sterblichkeitsrate und erfordern unterschiedliche Behandlungsansätze.
Der entscheidende Unterschied: Es gibt weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene Behandlung gegen diesen Bundibugyo-Virus. Die geschätzte Sterblichkeitsrate liegt zwischen 25 und 40 Prozent.
Es ist erst der dritte nachgewiesene Ausbruch des Bundibugyo-Virus weltweit – nach Uganda 2007–2008 und der DR Kongo 2012. Die Zahl der bisherigen Fälle übersteigt damit bereits jene der beiden früheren Bundibugyo-Ausbrüche. Die medizinische Gemeinschaft verfügt damit über vergleichsweise wenig Erfahrung mit diesem spezifischen Erreger.
Dazu kommt: Der Ausbruch erfasst in wenigen Wochen mehrere Gesundheitszonen gleichzeitig. Eine weitere Besonderheit ist die Diagnostik: Die herkömmlichen PCR-Schnelltests, die bei früheren Ebola-Ausbrüchen genutzt wurden, funktionieren für das Bundibugyo-Virus nicht.
Es müssen aufwändigere PCR-Tests eingesetzt werden – die eine höhere Qualifikation erfordern und deren Testkits derzeit knapp sind. Das verlangsamt die Fallbestätigung und damit auch die Kontaktverfolgung erheblich.
Das erschwert die Eindämmung erheblich.
Wie Ebola übertragen wird
Ebola ist hochansteckend, aber nicht über die Luft übertragbar. Die Übertragung erfolgt ausschließlich durch direkten Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten oder Organen infizierter Personen – lebender wie verstorbener. Auch der Kontakt mit kontaminierten Oberflächen kann gefährlich werden.
Die Inkubationszeit des Bundibugyo-Virus beträgt zwischen 2 und 21 Tagen – in dieser Zeit sind Infizierte noch nicht ansteckend. Erst nach dem Einsetzen der ersten Symptome kann der Virus auf andere Menschen übertragen werden.
Die ersten Symptome sind unspezifisch und ähneln einer schweren Grippe: plötzlich einsetzendes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, extreme Schwäche. In weiterer Folge kommen Erbrechen, Durchfall und in manchen Fällen innere oder äußerliche Blutungen hinzu. Das macht die frühzeitige Diagnose so schwierig – und umso wichtiger.
Ein Teams von Ärzte ohne Grenzen schließt die Renovierung eines Ebola-Behandlungszentrums in Munigi, Goma, ab.
Für Menschen in Österreich oder Europa besteht kein direktes Infektionsrisiko durch den aktuellen Ausbruch in der DR Kongo. Die Ebola-Krankheit ist nicht so leicht übertragbar wie etwa eine Atemwegserkrankung. Entscheidend ist der enge körperliche Kontakt mit erkrankten Personen.
Was Ärzte ohne Grenzen in der DR Kongo konkret tut
Wir reagieren seit dem ersten Hinweis auf den Ausbruch. Bereits am Wochenende des 9. und 10. Mai haben wir Meldungen über steigende Todesfälle durch ein vermutetes virales hämorrhagisches Fieber in der Gesundheitszone Mongwalu erhalten.
Wir schickten umgehend ein Team, das die Lage beurteilte und feststellte, dass seit Anfang April bereits 55 Menschen gestorben waren.
Die Zahl der Fälle und Todesfälle in so kurzer Zeit ist äußerst besorgniserregend – und schnelles Handeln ist entscheidend, weil viele Menschen in Ituri bereits unter schwierigen Bedingungen kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben.
Seither laufen die Vorbereitungen für einen umfassenden Einsatz auf Hochtouren. Wir stellen Teams aus erfahrenen medizinischen, logistischen und technischen Mitarbeiter:innen zusammen, die speziell für Ausbrüche von viralem hämorrhagischem Fieber ausgebildet sind.
Über 500 Mitarbeiter:innen von Ärzte ohne Grenzen sind derzeit in den betroffenen Gebieten vor Ort. Hier ist ein Liste über unsere aktuellen Aktivitäten:
Ituri (Epizentrum)
Mongbwalu: Bau eines 65-Betten-Ebola-Behandlungszentrums für Verdachts- und bestätigte Fälle; Unterstützung des Allgemeinen Krankenhauses bei Isolation, Behandlung und epidemiologischer Überwachung
Fataki: Unterstützung des Krankenhauses bei Triage, Isolation und Infektionsprävention
Bunia: Isolationssystem im Salama-Krankenhaus eingerichtet; Infektionspräventionsmaßnahmen in mehreren Gesundheitseinrichtungen verstärkt
Aufklärung der Bevölkerung in der gesamten Provinz
Sichere und würdevolle Bestattungen
Nord-Kivu
Goma (Munigi): 80-Betten-Ebola-Behandlungszentrums am 29. Mai eröffnet, erste Patient:innen aufgenommen
Kyeshero-Krankenhaus, Walikale, Mweso, Rutshuru: Isolationsstationen eingerichtet, Schulungen und Infektionsprävention
Butembo: Medizinisch-logistisches Team zur Bedarfserhebung entsandt
Süd-Kivu
Bukavu und Lwiro: Aufbau von zwei weiteren ETCs; Schulungen für Gesundheitspersonal in Infektionsprävention
Ein von Ärzte ohne Grenzen gechartertes Frachtflugzeug, das auf dem Rollfeld des Flughafens Bordeaux-Mérignac beladen wird. Unsere Logistikteams schicken am 26. Mai im Rahmen der Maßnahmen gegen die Ebola-Epidemie mehr als eine Tonne medizinische Ausrüstung und Medikamente in den Osten der Demokratischen Republik Kongo.
Ein Kollege trägt Baumaterialien beim Aufbau einer Isolierstation für Menschen mit Verdacht auf Ebola im Walikale General Hospital in Nord-Kivu, Demokratische Republik Kongo.
Blick auf den Eingang des Nationalen Instituts für Biomedizinische Forschung in Goma. Vor dem Betreten der Einrichtung, in der Proben von Personen mit Ebola-Verdacht getestet werden, wurden Präventionsmaßnahmen eingerichtet.
Desinfektions- und Reinigungsmittel in der Salama-Klinik, Teil unserer Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle während des Ebola-Einsatzes. Ähnliche Einrichtungen wurden an allen Projektstandorten von Ärzte ohne Grenzen installiert, um eine ordnungsgemäße Reinigung und Desinfektion von Materialien und Oberflächen zu gewährleisten.
Eine Schule in Goma. Schüler:innen waschen sich die Hände, bevor sie ihre Klassenräume betreten – als Teil der Präventionsmaßnahmen gegen das Ebola-Virus.
Ein LKW von Ärzte ohne Grenzen wird am Flughafen Bunia mit Notfallhilfsgütern beladen, die per Frachtflug geliefert wurden. Die Lieferung umfasst 3.000 Einheiten persönlicher Schutzausrüstung sowie medizinische Hilfsmittel für den Ebola-Einsatz.
Hilfsgüter im Stock Sud, dem Logistiklager von Ärzte ohne Grenzen. Wichtig jetzt: Einsatzkits für hämorrhagische Fieber mit Probenahmematerialien, kleinen Isolationskits und Schutzausrüstung, die für den schnellen Einsatz bereitstehen.
Die Herausforderungen für medizinische Teams vor Ort
Ituri ist keine einfache Region. Der Osten der DR Kongo ist seit Jahren von bewaffneten Konflikten geprägt. Vertreibung, Armut und eine marode Gesundheitsinfrastruktur gehören zum Alltag der Menschen. Viele Gesundheitseinrichtungen sind chronisch unterversorgt oder kaum erreichbar. Das macht jeden Ausbruch gefährlicher – und jede Hilfsmaßnahme aufwendiger.
Dieser Ausbruch betrifft Regionen, die bereits durch jahrelange Konflikte und massive Vertreibung erschöpft sind. In einigen Gesundheitseinrichtungen sind die Aufnahme- und Isolationskapazitäten bereits am Limit. Schnelle Fallidentifikation, Kontaktverfolgung und Isolation werden dadurch besonders schwierig – und das erhöht das Risiko einer weiteren Ausbreitung.
Hinzu kommen psychologische und soziale Faktoren: Misstrauen gegenüber medizinischen Teams, Angst vor Isolation, traditionelle Bestattungspraktiken – all das sind Herausforderungen, denen wir uns im Dialog mit der lokalen Bevölkerung stellen müssen. Kommunikation und Aufklärung sind daher genauso Teil unserer Arbeit wie die medizinische Versorgung selbst.
Unsere Teams arbeiten auf höchsten Sicherheitsstandards. Schutzausrüstung, strikte Hygieneprotokolle und regelmäßige Schulungen sind essenziell – der Schutz unserer Teams hat für uns oberste Priorität.
Warum schnelle humanitäre Hilfe jetzt entscheidend ist
Bei der Ebola-Krankheit zählt jede Stunde. Je früher Erkrankte isoliert und behandelt werden, desto geringer ist die Chance, dass das Bundibugyo-Virus weitergetragen wird. Je rascher Kontaktpersonen identifiziert werden, desto schneller kann eine Ausbreitung gestoppt werden.
Diese jahrzehntelange Erfahrung ist jetzt gefragt. Wir wissen, wie man Behandlungszentren unter Hochrisikobedingungen betreibt, wie man die lokale Bevölkerung einbindet und wie man in zerstörten Gesundheitssystemen effektiv handelt.
Wie Sie Ärzte ohne Grenzen unterstützen können
Jede Spende zählt – und sie wirkt direkt. Mit Ihrer Unterstützung können wir Schutzausrüstung bereitstellen, Behandlungszentren aufbauen, medizinische Teams entsenden und die betroffene Bevölkerung aufklären.
Weil wir unabhängig und ungebunden arbeiten, entscheiden wir selbst, wo die Hilfe am dringendsten gebraucht wird – ohne politische Rücksichten, ohne bürokratische Verzögerungen.
Häufige Fragen zum Ebola-Ausbruch (FAQ)
Wie gefährlich ist Ebola für Menschen in Österreich?
Das direkte Risiko für die österreichische Bevölkerung ist sehr gering. Ebola überträgt sich nur durch engen körperlichen Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen – nicht über die Luft. Reisende in betroffene Regionen sollten jedoch die Reisehinweise des Außenministeriums beachten.
Was ist der Unterschied zwischen dem Bundibugyo-Virus und dem Ebola-Virus?
Beides sind Viren, die Ebola-Erkrankungen auslösen können – aber es handelt sich um unterschiedliche Viren. Der Begriff „Ebola-Erkrankung“ ist ein Überbegriff für Krankheiten, die durch verschiedene Viren der Gattung Orthoebolavirus ausgelöst werden:
das Ebola-Virus,
das Sudan-Virus
und das Bundibugyo-Virus.
Jeder dieser Viren verursacht eine eigene Erkrankung mit unterschiedlicher Sterblichkeitsrate und erfordert unterschiedliche Behandlungsansätze. Das ist auch der Grund, warum die vorhandenen Impfstoffe und Behandlungen gegen den Ebola-Virus beim aktuellen Bundibugyo-Ausbruch nicht wirksam sind.
Warum ist der aktuelle Bundibugyo-Stamm besonders problematisch?
Weil es gegen diesen Stamm keinen zugelassenen Impfstoff und keine zugelassene Behandlung gibt. Hinzu kommt: Die üblichen PCR-Schnelltests (GeneXpert) funktionieren für den Bundibugyo-Stamm nicht.
Das verlangsamt die Diagnostik und damit die gesamte Reaktion auf den Ausbruch. Beim häufiger vorkommenden Zaire-Stamm stehen bereits Gegenmaßnahmen zur Verfügung. Der Bundibugyo-Stamm ist seltener – und damit schwieriger zu bekämpfen.
Was tut Ärzte ohne Grenzen konkret gegen Ebola?
Wir isolieren und behandeln Erkrankte in spezialisierten Behandlungszentren, verfolgen Kontaktpersonen, organisieren sichere Bestattungen, schulen lokales Gesundheitspersonal und klären die Bevölkerung auf. Bei verfügbaren Impfstoffen – wie beim Zaire-Stamm – koordinieren wir auch Impfkampagnen.
Gleichzeitig stellen wir sicher, dass unsere bestehenden Gesundheitsprojekte weiter laufen – damit Menschen auch während des Ausbruchs Zugang zu Basisversorgung wie Malaria-Behandlung oder Impfungen haben.
Gibt es einen Impfstoff gegen Ebola?
Ja – aber nur gegen den Ebola-Virus (früher: Zaire-Virus). Gegen den aktuell kursierenden Bundibugyo-Virus gibt es keinen zugelassenen Impfstoff. Es gibt derzeit zwei zugelassene Impfstoffe gegen den Ebola-Virus: den Ervebo-Impfstoff (rVSV-ZEBOV), der bei Kontaktpersonen infizierter Menschen eingesetzt wird, und einen zweiten Impfstoff für Personen mit Expositionsrisiko.
In Tierstudien zeigte Ervebo rund 75-prozentige Wirksamkeit gegen den Bundibugyo-Virus – klinische Studien am Menschen fehlen jedoch noch. Weltweit gibt es rund 500.000 Dosen – ein begrenzter Vorrat, der auch für Ebola-Virus-Ausbrüche reserviert bleiben muss. Die WHO diskutiert derzeit, welche Impfstoffkandidaten in Notfallstudien gegen den Bundibugyo-Virus getestet werden könnten. Wir sind bereit, diese Forschung zu unterstützen.
Wann gilt ein Ebola-Ausbruch als beendet?
Offiziell endet eine Ebola-Epidemie erst 42 Tage nach dem letzten bestätigten Fall ohne neue Infektionen – das entspricht dem Doppelten der maximalen Inkubationszeit des Virus.
Wie kann ich Ärzte ohne Grenzen bei der Ebola-Hilfe unterstützen?
Mit einer Spende direkt an Ärzte ohne Grenzen. Alle Informationen zu Spendenmöglichkeiten finden Sie unter hier.
Sollte man Reisen in die DR Kongo oder nach Uganda vermeiden?
Pauschal-Reiseverbote oder Grenzschließungen sind keine wirksame Maßnahme zur Eindämmung eines Ebola-Ausbruchs – im Gegenteil: Sie können medizinische Teams und Hilfsgüter an der schnellen Einreise hindern und betroffene Länder isolieren.
Was wirklich hilft, ist die Kontrolle des Ausbruchs an der Quelle: schnelle Fallidentifikation, Isolation, Behandlung, Kontaktverfolgung und die Einbindung der lokalen Bevölkerung. Wer in die betroffenen Regionen reist, sollte die aktuellen Reisehinweise des österreichischen Außenministeriums beachten.
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