20.05.2026
Der aktuelle Ebola-Ausbruch in der DR Kongo im Mai 2026 sorgt international für Sorge. Unsere Teams sind vor Ort, behandeln Verdachtsfälle und richten spezielle Ebola-Behandlungszentren ein.

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Letztes Update: 17.06.2026

Im Mai 2026 bricht in der Demokratischen Republik Kongo erneut Ebola aus – diesmal in einer besonders verwundbaren Region, mit dem Bundibugyo-Virus, gegen das es keinen zugelassenen Impfstoff gibt. 

Wir sind vor Ort und bereiten einen großangelegten Einsatz vor. Was aktuell bekannt ist, warum die Lage so ernst ist – und wie Sie helfen können.

Was aktuell über den Ebola-Ausbruch bekannt ist

Am 15. Mai 2026 hat das Gesundheitsministerium der Demokratischen Republik Kongo offiziell einen Ausbruch der Ebola-Krankheit, des Bundibugyo-Virus, erklärt. Betroffen ist die Provinz Ituri im Nordosten des Landes.

Stand 12. Juni wurden in den Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu mehr als 650 bestätigte Fälle und mehr als 130 bestätigte Todesfälle offiziell gemeldet. Diese Zahlen müssen jedoch mit Vorsicht interpretiert werden: Aufgrund fehlender Testkapazitäten und schwer erreichbarer Gebiete ist das eigentliche Ausmaß des Ausbruchs nach wie vor nicht bekannt. Hunderte von Proben warten noch auf ihre Auswertung in Labors.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Lage am Sonntag, den 17.5., als internationale Gesundheitsnotlage eingestuft. Bereits einen Tag später, am 18. Mai, erklärte auch die Africa CDC (Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union) einen kontinentalen Gesundheitsnotstand.

Ebola Ausbruch in der DR Kongo - Karte von den Einsatzgebieten von Ärzte ohne Grenzen
MSF

Noch nie zuvor wurden bei einem Ebola-Ausbruch in so kurzer Zeit so viele Verdachtsfälle gemeldet. Ituri bleibt mit über 90 Prozent der gemeldeten Verdachtsfälle das Epizentrum. Die Fallzahlen steigen insbesondere in Mongbwalu und Rwampara. Auch in Nord-Kivu einschließlich Goma sowie in Süd-Kivu – wo am 21. Mai der erste Fall bestätigt wurde – wurden Fälle registriert.

Der Ausbruch hat außerdem die Landesgrenze überschritten. In Uganda wurden bis 29. Mai 9 Fälle bestätigt. Wir stehen bereit, auch die ugandischen Gesundheitsbehörden zu unterstützen.

Dieser Ausbruch ist der siebzehnte in der DR Kongo seit der Entdeckung des ersten Falles im Jahr 1976. In keinem anderen Land weltweit wurden mehr Ebola-Ausbrüche verzeichnet. 

Seien Sie Teil der Hilfe

Warum sich die Situation schnell zuspitzt

Was diesen Ausbruch besonders gefährlich macht, ist der Virus. Genauer gesagt: Es handelt sich um den Bundibugyo-Virus – einen von mehreren Viren, die Ebola-Erkrankungen auslösen können. Neben dem Bundibugyo-Virus gehören dazu auch der bekanntere Ebola-Virus und der Sudan-Virus. Alle drei verursachen schwere Erkrankungen, unterscheiden sich aber in ihrer Sterblichkeitsrate und erfordern unterschiedliche Behandlungsansätze.

Der entscheidende Unterschied: Es gibt weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene Behandlung gegen diesen Bundibugyo-Virus. Die geschätzte Sterblichkeitsrate liegt zwischen 25 und 40 Prozent.

Es ist erst der dritte nachgewiesene Ausbruch des Bundibugyo-Virus weltweit – nach Uganda 2007–2008 und der DR Kongo 2012. Die Zahl der bisherigen Fälle übersteigt damit bereits jene der beiden früheren Bundibugyo-Ausbrüche. Die medizinische Gemeinschaft verfügt damit über vergleichsweise wenig Erfahrung mit diesem spezifischen Erreger.

Dazu kommt: Der Ausbruch erfasst in wenigen Wochen mehrere Gesundheitszonen gleichzeitig. Eine weitere Besonderheit ist die Diagnostik: Die herkömmlichen PCR-Schnelltests, die bei früheren Ebola-Ausbrüchen genutzt wurden, funktionieren für das Bundibugyo-Virus nicht.

Seit Juni 2026 sind einige Hundert Testkits, die auch Bundibugyo-Virus diagnostizieren können, in der DR Kongo eingetroffen und werden verteilt. Viele Regionen – vor allem jene, die von Konflikten betroffen sind – haben aber nach wie vor nur eingeschränkten Zugang dazu.

Testverzögerungen haben direkte Folgen: Die Bestätigung von Fällen dauert länger, die Isolation von Patient:innen verzögert sich, und Behandlungszentren werden überfüllt, weil Entlassungen nicht rasch genug abgewickelt werden können. Das verlangsamt die gesamte Eindämmung des Ausbruchs.

Wie Ebola übertragen wird

Ebola ist hochansteckend, aber nicht über die Luft übertragbar. Die Übertragung erfolgt ausschließlich durch direkten Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten oder Organen infizierter Personen – lebender wie verstorbener. Auch der Kontakt mit kontaminierten Oberflächen kann gefährlich werden. 

Die Inkubationszeit des Bundibugyo-Virus beträgt zwischen 2 und 21 Tagen – in dieser Zeit sind Infizierte noch nicht ansteckend. Erst nach dem Einsetzen der ersten Symptome kann der Virus auf andere Menschen übertragen werden.

Die ersten Symptome sind unspezifisch und ähneln einer schweren Grippe: plötzlich einsetzendes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, extreme Schwäche. In weiterer Folge kommen Erbrechen, Durchfall und in manchen Fällen innere oder äußerliche Blutungen hinzu. Das macht die frühzeitige Diagnose so schwierig – und umso wichtiger.

Für Menschen in Österreich oder Europa besteht kein direktes Infektionsrisiko durch den aktuellen Ausbruch in der DR Kongo. Die Ebola-Krankheit ist nicht so leicht übertragbar wie etwa eine Atemwegserkrankung. Entscheidend ist der enge körperliche Kontakt mit erkrankten Personen.

So schützen wir uns: Schutzanzug anlegen und ablegen

Wer in einem Ebola-Behandlungszentrum arbeitet, trägt spezielle Schutzkleidung – und muss sie in der richtigen Reihenfolge an- und ablegen. Hier erklären wir Schritt für Schritt, wie das funktioniert, worauf geachtet werden muss und wo das größte Ansteckungsrisiko entsteht:

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Was Ärzte ohne Grenzen in der DR Kongo konkret tut

Wir reagieren seit dem ersten Hinweis auf den Ausbruch. Bereits am Wochenende des 9. und 10. Mai haben wir Meldungen über steigende Todesfälle durch ein vermutetes virales hämorrhagisches Fieber in der Gesundheitszone Mongwalu erhalten. 

Wir schickten umgehend ein Team, das die Lage beurteilte und feststellte, dass seit Anfang April bereits 55 Menschen gestorben waren.

Emergency Cell - Program Manager - Trish NEWPORT

Die Zahl der Fälle und Todesfälle in so kurzer Zeit ist äußerst besorgniserregend – und schnelles Handeln ist entscheidend, weil viele Menschen in Ituri bereits unter schwierigen Bedingungen kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben.

Trish Newport, Leiterin unserer Nothilfeprogramme

Derzeit sind fast 600 Mitarbeiter:innen von Ärzte ohne Grenzen direkt im Einsatz gegen den Ebola-Ausbruch in der DR Kongo – Seite an Seite mit den Teams des kongolesischen Gesundheitsministeriums. In Uganda sind weitere 20 Mitarbeiter:innen im Einsatz. Hier ist eine Übersicht unserer aktuellen Aktivitäten:

Ituri (Epizentrum)

  • Mongbwalu: Bau eines 65-Betten-Ebola-Behandlungszentrums für Verdachts- und bestätigte Fälle; Unterstützung des Allgemeinen Krankenhauses bei Isolation, Behandlung und epidemiologischer Überwachung
  • Bunia: 100-Betten-Ebola-Behandlungszentrum im Elikya-Krankenhaus in Betrieb; Unterstützung von 20 Gesundheitszentren für Infektionsprävention und Basisversorgung
  • Komanda: 16-Betten-Ebola-Behandlungszentrum im Aufbau; Gemeinschaftsaufklärung
  • Fataki: Stärkung der Isolationskapazitäten
  • Aufklärung der Bevölkerung in der gesamten Provinz
  • Sichere und würdevolle Bestattungen

Nord-Kivu

  • Goma (Munigi): 80-Betten-Ebola-Behandlungszentrums am 29. Mai eröffnet, erste Patient:innen aufgenommen
  • Butembo: Aufbau eines 12-Betten-Ebola-Behandlungszentrumsbeim Kitatumba-Krankenhaus; Erkundungsteam in Beni zur Bedarfserhebung
  • Rutshuru, Mweso, Walikale: Isolationsstationen eingerichtet; Ebola-Vorbereitung in bestehende Gesundheitsaktivitäten integriert
     

Süd-Kivu

  • Bukavu: Ebola-Behandlungszentrums mit aktuell 24 Betten in Betrieb
  • Lwiro: Ebola-Behandlungszentrums mit 35 Betten in Betrieb
  • Bukavu, Minova, Bunyakiri: Isolationsstationen und Präventionsmaßnahmen in bestehenden Gesundheitseinrichtungen

Die Herausforderungen für medizinische Teams vor Ort

Ituri ist keine einfache Region. Der Osten der DR Kongo ist seit Jahren von bewaffneten Konflikten geprägt. Vertreibung, Armut und eine marode Gesundheitsinfrastruktur gehören zum Alltag der Menschen. Viele Gesundheitseinrichtungen sind chronisch unterversorgt oder kaum erreichbar. Das macht jeden Ausbruch gefährlicher – und jede Hilfsmaßnahme aufwendiger.

Dieser Ausbruch betrifft Regionen, die bereits durch jahrelange Konflikte und massive Vertreibung erschöpft sind. In einigen Gesundheitseinrichtungen sind die Aufnahme- und Isolationskapazitäten bereits am Limit. Schnelle Fallidentifikation, Kontaktverfolgung und Isolation werden dadurch besonders schwierig – und das erhöht das Risiko einer weiteren Ausbreitung.

Ewald Stals, Vertreter von Ärzte ohne Grenzen in der DR Kongo

Hinzu kommen psychologische und soziale Faktoren: Misstrauen gegenüber medizinischen Teams, Angst vor Isolation, traditionelle Bestattungspraktiken – all das sind Herausforderungen, denen wir uns im Dialog mit der lokalen Bevölkerung stellen müssen. Kommunikation und Aufklärung sind daher genauso Teil unserer Arbeit wie die medizinische Versorgung selbst.

Unsere Teams arbeiten auf höchsten Sicherheitsstandards. Schutzausrüstung, strikte Hygieneprotokolle und regelmäßige Schulungen sind essenziell – der Schutz unserer Teams hat für uns oberste Priorität.

Warum schnelle humanitäre Hilfe jetzt entscheidend ist

Bei der Ebola-Krankheit zählt jede Stunde. Je früher Erkrankte isoliert und behandelt werden, desto geringer ist die Chance, dass das Bundibugyo-Virus weitergetragen wird. Je rascher Kontaktpersonen identifiziert werden, desto schneller kann eine Ausbreitung gestoppt werden.

Ärzte ohne Grenzen hat seit 1995 an zahlreichen Ebola-Ausbrüchen mitgewirkt – in der DR Kongo, in Uganda, in Sierra Leone, in Westafrika

Diese jahrzehntelange Erfahrung ist jetzt gefragt. Wir wissen, wie man Behandlungszentren unter Hochrisikobedingungen betreibt, wie man die lokale Bevölkerung einbindet und wie man in zerstörten Gesundheitssystemen effektiv handelt.

Wie Sie Ärzte ohne Grenzen unterstützen können

Jede Spende zählt – und sie wirkt direkt. Mit Ihrer Unterstützung können wir Schutzausrüstung bereitstellen, Behandlungszentren aufbauen, medizinische Teams entsenden und die betroffene Bevölkerung aufklären.

Weil wir unabhängig und ungebunden arbeiten, entscheiden wir selbst, wo die Hilfe am dringendsten gebraucht wird – ohne politische Rücksichten, ohne bürokratische Verzögerungen.

Häufige Fragen zum Ebola-Ausbruch (FAQ)

Wie gefährlich ist Ebola für Menschen in Österreich?

Das direkte Risiko ist sehr gering. Ebola überträgt sich nur durch engen körperlichen Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen – nicht über die Luft. Das Risiko einer internationalen Ausbreitung durch heimkehrende Mitarbeiter:innen ist ebenfalls sehr gering: Alle unsere Mitarbeitenden unterliegen nach ihrer Rückkehr einem verpflichtenden 21-tägigen Überwachungszeitraum, der die vollständige Inkubationszeit des Virus abdeckt. Reisende in betroffene Regionen sollten die Reisehinweise des Außenministeriums beachten.

Was ist der Unterschied zwischen dem Bundibugyo-Virus und dem Ebola-Virus?

Beides sind Viren, die Ebola-Erkrankungen auslösen können – aber es handelt sich um unterschiedliche Viren. Der Begriff „Ebola-Erkrankung“ ist ein Überbegriff für Krankheiten, die durch verschiedene Viren der Gattung Orthoebolavirus ausgelöst werden: 

  • das Ebola-Virus,
  • das Sudan-Virus
  • und das Bundibugyo-Virus. 

Jeder dieser Viren verursacht eine eigene Erkrankung mit unterschiedlicher Sterblichkeitsrate und erfordert unterschiedliche Behandlungsansätze. Das ist auch der Grund, warum die vorhandenen Impfstoffe und Behandlungen gegen den Ebola-Virus beim aktuellen Bundibugyo-Ausbruch nicht wirksam sind.

Warum ist der aktuelle Bundibugyo-Stamm besonders problematisch?

Weil es gegen diesen Stamm keinen zugelassenen Impfstoff und keine zugelassene Behandlung gibt. Hinzu kommt: Die üblichen PCR-Schnelltests (GeneXpert) funktionieren für den Bundibugyo-Stamm nicht. 

Das verlangsamt die Diagnostik und damit die gesamte Reaktion auf den Ausbruch. Beim häufiger vorkommenden Zaire-Stamm stehen bereits Gegenmaßnahmen zur Verfügung. Der Bundibugyo-Stamm ist seltener – und damit schwieriger zu bekämpfen.

Was tut Ärzte ohne Grenzen konkret gegen Ebola?

Wir isolieren und behandeln Erkrankte in spezialisierten Behandlungszentren, verfolgen Kontaktpersonen, organisieren sichere Bestattungen, schulen lokales Gesundheitspersonal und klären die Bevölkerung auf. Bei verfügbaren Impfstoffen – wie beim Zaire-Stamm – koordinieren wir auch Impfkampagnen.

Gleichzeitig stellen wir sicher, dass unsere bestehenden Gesundheitsprojekte weiter laufen – damit Menschen auch während des Ausbruchs Zugang zu Basisversorgung wie Malaria-Behandlung oder Impfungen haben.

Gibt es einen Impfstoff gegen Ebola?

Ja – aber nur gegen das Ebola-Virus. Gegen das Bundibugyo-Virus gibt es keinen zugelassenen Impfstoff. WHO, das kongolesische Gesundheitsministerium und Forschungspartner prüfen derzeit, ob Impfstoffkandidaten in Notfallstudien gegen das Bundibugyo-Virus getestet werden könnten – das könnte allerdings noch Monate dauern. Ähnliche Studien bei früheren Ausbrüchen haben zur Zulassung der heute verfügbaren Impfstoffe und Behandlungen geführt. Wir sind bereit, diese Forschung zu unterstützen.

Wann gilt ein Ebola-Ausbruch als beendet?

Offiziell endet eine Ebola-Epidemie erst 42 Tage nach dem letzten bestätigten Fall ohne neue Infektionen – das entspricht dem Doppelten der maximalen Inkubationszeit des Virus.

Wie kann ich Ärzte ohne Grenzen bei der Ebola-Hilfe unterstützen?

Mit einer Spende direkt an Ärzte ohne Grenzen. Alle Informationen zu Spendenmöglichkeiten finden Sie unter hier.

Sollte man Reisen in die DR Kongo oder nach Uganda vermeiden?

Pauschal-Reiseverbote oder Grenzschließungen sind keine wirksame Maßnahme zur Eindämmung eines Ebola-Ausbruchs – im Gegenteil: Sie können medizinische Teams und Hilfsgüter an der schnellen Einreise hindern und betroffene Länder isolieren. 

Was wirklich hilft, ist die Kontrolle des Ausbruchs an der Quelle: schnelle Fallidentifikation, Isolation, Behandlung, Kontaktverfolgung und die Einbindung der lokalen Bevölkerung. Wer in die betroffenen Regionen reist, sollte die aktuellen Reisehinweise des österreichischen Außenministeriums beachten.