20.05.2026
Der aktuelle Ebola-Ausbruch in der DR Kongo im Mai 2026 sorgt international für Sorge. Unsere Teams sind vor Ort, behandeln Verdachtsfälle und richten spezielle Ebola-Behandlungszentren ein.

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Im Mai 2026 bricht in der Demokratischen Republik Kongo erneut Ebola aus – diesmal in einer besonders verwundbaren Region, mit einem Virusstamm, gegen den es keinen zugelassenen Impfstoff gibt. 

Wir sind vor Ort und bereiten einen großangelegten Einsatz vor. Was aktuell bekannt ist, warum die Lage so ernst ist – und wie Sie helfen können.

Was aktuell über den Ebola-Ausbruch bekannt ist

Am 15. Mai 2026 hat das Gesundheitsministerium der Demokratischen Republik Kongo offiziell einen Ebola-Ausbruch erklärt. Betroffen ist die Provinz Ituri im Nordosten des Landes.

Konkret wurden in den Gesundheitszonen Mongwalu, Bunia und Rwampara bisher mehr als 536 Verdachtsfälle und 134 Todesfälle gemeldet (Stand 18.5.). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Lage am Sonntag, den 17.5., als internationale Gesundheitsnotlage eingestuft. Bereits einen Tag später, am 18. Mai, erklärte auch die Africa CDC (Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union) einen kontinentalen Gesundheitsnotstand.

Betroffene Gebiete des Ebola Ausbruchs im Kongo Mai 2026 | Ärzte ohne Grenzen
MSF

Noch beunruhigender: Der Ausbruch hat die Landesgrenze überschritten. Uganda bestätigte am 15. Mai einen Ebola-Fall bei einem 59-jährigen Kongolesen, der kurz darauf verstarb. Inzwischen wurden in Kampala zwei bestätigte Fälle gemeldet – darunter ein Todesfall. Beide Fälle wurden aus der DR Kongo eingeschleppt. Wir stehen bereit, auch die ugandischen Gesundheitsbehörden zu unterstützen.

Der Ausbruch hat sich inzwischen über die Provinz Ituri hinaus ausgebreitet. Auch in der Provinz Nord-Kivu, einschließlich der Hauptstadt Goma, wurden bestätigte Fälle registriert.

Dieser Ausbruch ist der siebzehnte in der DR Kongo seit der Entdeckung des ersten Falles im Jahr 1976. In keinem anderen Land weltweit wurden mehr Ebola-Ausbrüche verzeichnet. 

Seien Sie Teil der Hilfe

Warum sich die Situation schnell zuspitzt

Was diesen Ausbruch besonders gefährlich macht, ist die Art des Virus. Es handelt sich um den seltenen Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus – nicht um den besser bekannten Zaire-Stamm. Der entscheidende Unterschied: Es gibt weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene Behandlung gegen diesen Stamm. Die geschätzte Sterblichkeitsrate liegt zwischen 25 und 40 Prozent.

Es ist erst der dritte nachgewiesene Ausbruch des Bundibugyo-Stammes weltweit – nach Uganda 2007–2008 und der DR Kongo 2012. Die Zahl der bisherigen Fälle übersteigt damit bereits jene der beiden früheren Bundibugyo-Ausbrüche. Die medizinische Gemeinschaft verfügt damit über vergleichsweise wenig Erfahrung mit diesem spezifischen Erreger.

Dazu kommt: Der Ausbruch erfasst in wenigen Wochen mehrere Gesundheitszonen gleichzeitig. Eine weitere Besonderheit ist die Diagnostik: Die herkömmlichen PCR-Schnelltests, die bei früheren Ebola-Ausbrüchen genutzt wurden, funktionieren für den Bundibugyo-Stamm nicht.

Es müssen aufwändigere PCR-Tests eingesetzt werden – die eine höhere Qualifikation erfordern und deren Testkits derzeit knapp sind. Das verlangsamt die Fallbestätigung und damit auch die Kontaktverfolgung erheblich.

Das erschwert die Eindämmung erheblich.

Wie Ebola übertragen wird

Ebola ist hochansteckend, aber nicht über die Luft übertragbar. Die Übertragung erfolgt ausschließlich durch direkten Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten oder Organen infizierter Personen – lebender wie verstorbener. Auch der Kontakt mit kontaminierten Oberflächen kann gefährlich werden. 

Die Inkubationszeit des Bundibugyo-Virus beträgt zwischen 2 und 21 Tagen – in dieser Zeit sind Infizierte noch nicht ansteckend. Erst nach dem Einsetzen der ersten Symptome kann der Virus auf andere Menschen übertragen werden.

Die ersten Symptome sind unspezifisch und ähneln einer schweren Grippe: plötzlich einsetzendes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, extreme Schwäche. In weiterer Folge kommen Erbrechen, Durchfall und in manchen Fällen innere oder äußerliche Blutungen hinzu. Das macht die frühzeitige Diagnose so schwierig – und umso wichtiger.

Für Menschen in Österreich oder Europa besteht kein direktes Infektionsrisiko durch den aktuellen Ausbruch in der DR Kongo. Ebola ist nicht so leicht übertragbar wie etwa eine Atemwegserkrankung. Entscheidend ist der enge körperliche Kontakt mit erkrankten Personen.

Was Ärzte ohne Grenzen in der DR Kongo konkret tut

Wir reagieren seit dem ersten Hinweis auf den Ausbruch. Bereits am Wochenende des 9. und 10. Mai haben wir Meldungen über steigende Todesfälle durch ein vermutetes virales hämorrhagisches Fieber in der Gesundheitszone Mongwalu erhalten. 

Wir schickten umgehend ein Team, das die Lage beurteilte und feststellte, dass seit Anfang April bereits 55 Menschen gestorben waren.

Emergency Cell - Program Manager - Trish NEWPORT

Die Zahl der Fälle und Todesfälle in so kurzer Zeit ist äußerst besorgniserregend – und schnelles Handeln ist entscheidend, weil viele Menschen in Ituri bereits unter schwierigen Bedingungen kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben.

Trish Newport, Leiterin unserer Nothilfeprogramme

Seither laufen die Vorbereitungen für einen umfassenden Einsatz auf Hochtouren. Wir stellen Teams aus erfahrenen medizinischen, logistischen und technischen Mitarbeiter:innen zusammen, die speziell für Ausbrüche von viralem hämorrhagischem Fieber ausgebildet sind. 

Über 500 Mitarbeiter:innen von Ärzte ohne Grenzen sind derzeit auf dem Weg in die betroffenen Gebiete. Am 19. Mai sind 3.000 Sets persönlicher Schutzausrüstung in Bunia eingetroffen – darunter Handschuhe, Masken, Schutzbrillen, Schutzanzüge und Stiefel. Weitere 60.000 Sets werden bis Ende nächster Woche aus Europa eintreffen.

In Mongbwalu, wo die ersten Fallcluster gemeldet wurden, errichten wir gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium ein Ebola-Behandlungszentrum. In allen unseren bestehenden Projekten in der Region setzen wir strikte Präventionsmaßnahmen um, um Patient:innen, Mitarbeitende und die lokale Bevölkerung zu schützen.

Die Herausforderungen für medizinische Teams vor Ort

Ituri ist keine einfache Region. Der Osten der DR Kongo ist seit Jahren von bewaffneten Konflikten geprägt. Vertreibung, Armut und eine marode Gesundheitsinfrastruktur gehören zum Alltag der Menschen. Viele Gesundheitseinrichtungen sind chronisch unterversorgt oder kaum erreichbar. Das macht jeden Ausbruch gefährlicher – und jede Hilfsmaßnahme aufwendiger.

Hinzu kommen psychologische und soziale Faktoren: Misstrauen gegenüber medizinischen Teams, Angst vor Isolation, traditionelle Bestattungspraktiken – all das sind Herausforderungen, denen wir uns im Dialog mit der lokalen Bevölkerung stellen müssen. Kommunikation und Aufklärung sind daher genauso Teil unserer Arbeit wie die medizinische Versorgung selbst.

Unsere Teams arbeiten auf höchsten Sicherheitsstandards. Schutzausrüstung, strikte Hygieneprotokolle und regelmäßige Schulungen sind essenziell – der Schutz unserer Teams hat für uns oberste Priorität.

Warum schnelle humanitäre Hilfe jetzt entscheidend ist

Bei Ebola zählt jede Stunde. Je früher Erkrankte isoliert und behandelt werden, desto geringer ist die Chance, dass das Virus weitergetragen wird. Je rascher Kontaktpersonen identifiziert werden, desto schneller kann eine Ausbreitung gestoppt werden.

Ärzte ohne Grenzen hat seit 1995 an zahlreichen Ebola-Ausbrüchen mitgewirkt – in der DR Kongo, in Uganda, in Sierra Leone, in Westafrika

Diese jahrzehntelange Erfahrung ist jetzt gefragt. Wir wissen, wie man Behandlungszentren unter Hochrisikobedingungen betreibt, wie man die lokale Bevölkerung einbindet und wie man in zerstörten Gesundheitssystemen effektiv handelt.

Wie Sie Ärzte ohne Grenzen unterstützen können

Jede Spende zählt – und sie wirkt direkt. Mit Ihrer Unterstützung können wir Schutzausrüstung bereitstellen, Behandlungszentren aufbauen, medizinische Teams entsenden und die betroffene Bevölkerung aufklären.

Weil wir unabhängig und ungebunden arbeiten, entscheiden wir selbst, wo die Hilfe am dringendsten gebraucht wird – ohne politische Rücksichten, ohne bürokratische Verzögerungen.

Epidemien, Konflikte, Naturkatastrophen

IHRE SPENDE SICHERT MEDIZINISCHE HILFE.

Häufige Fragen zum Ebola-Ausbruch (FAQ)

Wie gefährlich ist Ebola für Menschen in Österreich?

Das direkte Risiko für die österreichische Bevölkerung ist sehr gering. Ebola überträgt sich nur durch engen körperlichen Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen – nicht über die Luft. Reisende in betroffene Regionen sollten jedoch die Reisehinweise des Außenministeriums beachten.

Warum ist der aktuelle Bundibugyo-Stamm besonders problematisch?

Weil es gegen diesen Stamm keinen zugelassenen Impfstoff und keine zugelassene Behandlung gibt. Hinzu kommt: Die üblichen PCR-Schnelltests (GeneXpert) funktionieren für den Bundibugyo-Stamm nicht. 

Das verlangsamt die Diagnostik und damit die gesamte Reaktion auf den Ausbruch. Beim häufiger vorkommenden Zaire-Stamm stehen bereits Gegenmaßnahmen zur Verfügung. Der Bundibugyo-Stamm ist seltener – und damit schwieriger zu bekämpfen.

Was tut Ärzte ohne Grenzen konkret gegen Ebola?

Wir isolieren und behandeln Erkrankte in spezialisierten Behandlungszentren, verfolgen Kontaktpersonen, organisieren sichere Bestattungen, schulen lokales Gesundheitspersonal und klären die Bevölkerung auf. Bei verfügbaren Impfstoffen – wie beim Zaire-Stamm – koordinieren wir auch Impfkampagnen.

Gleichzeitig stellen wir sicher, dass unsere bestehenden Gesundheitsprojekte weiter laufen – damit Menschen auch während des Ausbruchs Zugang zu Basisversorgung wie Malaria-Behandlung oder Impfungen haben.

Gibt es einen Impfstoff gegen Ebola?

Ja – aber nur gegen den Zaire-Stamm. Der im aktuellen Ausbruch identifizierte Bundibugyo-Stamm hat keinen zugelassenen Impfstoff. Für den Zaire-Stamm steht seit 2020 ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung, der bei vergangenen Ausbrüchen erfolgreich eingesetzt wurde.

Der Ervebo-Impfstoff (rVSV-ZEBOV) wurde in Tierstudien mit rund 75-prozentiger Wirksamkeit gegen Todesfälle durch Bundibugyo getestet. Klinische Studien am Menschen stehen jedoch noch aus. Weltweit gibt es derzeit rund 500.000 Dosen – ein begrenzter Vorrat, der auch für bestätigte Zaire-Ausbrüche reserviert bleiben muss.

Wann gilt ein Ebola-Ausbruch als beendet?

Offiziell endet eine Ebola-Epidemie erst 42 Tage nach dem letzten bestätigten Fall ohne neue Infektionen – das entspricht dem Doppelten der maximalen Inkubationszeit des Virus.

Wie kann ich Ärzte ohne Grenzen bei der Ebola-Hilfe unterstützen?

Mit einer Spende direkt an Ärzte ohne Grenzen. Alle Informationen zu Spendenmöglichkeiten finden Sie unter hier.