Beim bisher größten Ebola Ausbruch war Georg Geyer als Logistiker in Sierra Leone im Einsatz. Hier erzählt er von seinen Erlebnissen.
Kommentar von Georg Geyer
08.11.2021

Seit 2011 ist Georg Geyer bereits 15 Mal für uns als Logistiker im Einsatz gewesen und hat so einiges miterlebt. Seine Aufgaben erstrecken sich über die Erstellung der technischen Infrastruktur während eines Einsatzes, bis hin zur Überwachung von Sicherheitsstandards. Beim bisher größten Ebola-Ausbruch war das eine besondere Herausforderung.

Vor der Entwicklung von Impfungen und Medikamenten im Jahr 2015 hat man bei einer Ebola Erkrankung von einer Sterblichkeitsrate von etwa 90% gesprochen. Damals gab es praktisch keine Möglichkeit auf Behandlung. Ebola Zentren waren quasi Quarantäne- und Palliativzentren. Da ging es nur noch um Schmerzlinderung und Unterstützung der Erkrankten. Es gab keine Medikamente, die zu einer Heilung der Krankheit geführt hätten.

Als ich meiner Mutter gesagt habe, dass ich auf einen Ebola Einsatz gehe, hat sie mich angeschaut und gefragt ‚Willst du dich umbringen?'

Natürlich gab es vorher auch schon Ausbrüche, aber noch nie in dieser Größenordnung. Wir waren, als wir Ende 2014 nach Sierra Leone gekommen sind, als internationale Organisation dort die Einzigen, die Nothilfe geleistet haben. Dadurch, dass wir eine unabhängige Organisation sind, können wir oft viel schneller und flexibler helfen, während sich die internationale Gemeinschaft noch mit bürokratischen Hürden herumschlagen muss. 

Als Einzige vor Ort…

Also haben wir Material und Einsatzkräfte hingeschickt, haben trainiert, haben geschult. Wir haben alles getan, was irgendwie möglich war – und haben die Ausbreitung der Krankheit trotzdem nicht unter Kontrolle gebracht. Wir haben gewusst, allein können wir Ebola nicht besiegen. Den Kampf würden wir verlieren. Das hat aber nicht geheißen, dass wir aufhören zu kämpfen. Natürlich haben wir weiter alles getan was wir konnten, um so vielen Menschen wie möglich zu helfen.

Parallel hat Ärzte ohne Grenzen weiter versucht, die Dringlichkeit der Lage zu vermitteln. Und sobald wir nicht mehr allein waren, sobald wir gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft gegen die Ausbreitung dieser Krankheit kämpfen konnten, ja endlich genug Menschen im Einsatz hatten, die bei der Verfolgung und Behandlung mitgeholfen haben, da haben wir es endlich geschafft, die Ausbreitung unter Kontrolle zu bringen.
 

Endlich internationale Unterstützung

Anfang 2015 hat sich die Lage merklich entspannt. Einerseits waren wir nicht mehr allein, was die Eindämmung der Krankheit anging, andererseits wurde auch intensiv an der Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung gearbeitet. Hier konnten unsere Einsatzteams gezielt mithelfen, indem wir Daten und Untersuchungsergebnisse aus unserem Einsatz geteilt haben. Es hat gedauert, die Infrastruktur auf allen Ebenen ausreichend aufzubauen und den Apparat der medizinischen Nothilfe in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen gesichert zu starten. Aber als es dann so weit war, war die Epidemie binnen Monaten unter Kontrolle.

Langfristig kann man nur weiter machen und immer wieder auf Einsatz gehen, wenn man sich vor Augen führt, wer überlebt hat, wem man geholfen hat.

Negative und positive Erlebnisse

Es war schwierig zu sehen, wie viele Menschen so viel gegeben haben und die Zahlen gleichzeitig gestiegen sind. Gerade am Schluss hatte ich aber wirklich viele positive Erlebnisse. Die Unterstützung aus der Gesellschaft war einfach überwältigend. Gerade die etwas wohlhabendere Bevölkerung in der Region hat uns unglaublich unterstützt, uns ihre Transportwägen kostenlos zur Verfügung gestellt, oder mal nebenbei, ohne ein Wort über Bezahlung zu verlieren, einen Brunnen gebohrt, der die Wasserversorgung des Krankenhauses sichergestellt hat. Das zu sehen war wirklich schön!

Mittlerweile…

Bei Ebola gab es 2014 noch gar nichts, keine Behandlung, keine Impfung, keinen Schutz. Die Krankheit ist bis dahin immer nur in sehr kleinen Bereichen aufgetreten. Sierra Leone war der größte Ausbruch bis dahin. Seither hat sich viel verändert. Es ist wesentlich besser geworden.

Während es 2014/2015 hauptsächlich um die Schmerzlinderung bei einer Erkrankung ging, kann man sie heute wirklich behandeln. Als ich vor kurzer Zeit erst mit Kolleg:innen gesprochen habe, die zuletzt 2019 im Kongo bei einem Ebola Ausbruch auf Einsatz waren, haben sie berichtet, dass das alles wesentlich besser geworden ist. Man kann viel mehr machen. Das medizinische Personal ist durch eine Impfung besser geschützt und es gibt auch eine medikamentöse Behandlung, die vor einer Zulassung steht. Die Sterblichkeitsrate ist deutlich gesunken und Ebola ist nicht mehr die gleiche todbringende Krankheit, die sie noch vor einigen Jahren war. 

Und deshalb macht man weiter. Und hilft Menschen zu überleben, auch wenn andere sterben. Ab und zu tut man alles was möglich ist und es reicht trotzdem nicht. Aber das bedeutet nicht, dass man aufgibt. Sondern heißt erst recht, dass man weiter macht! Dass man tut, was man kann.
 

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