14.05.2021
Das Team an Bord der „Geo Barents“ startet den Einsatz, um Menschenleben im Mittelmeer zu retten.

Die internationale medizinische Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) kündigt die Fortführung der Seenotrettung im Mittelmeer mit einem eigenen neuen Schiff an. Das Team an Bord der „Geo Barents“ startet den Einsatz, um Menschenleben auf hoher See zu retten. Mehr als 500 Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten starben in den ersten Monaten des Jahres auf der gefährlichen Überfahrt von Libyen nach Europa. 

„Unsere Rückkehr ins Mittelmeer ist eine direkte Folge der rücksichtslosen europäischen Politik und unterlassener Hilfeleistung. Diese Politik verurteilt Menschen zum Sterben“, sagt Ellen van der Velden, Leiterin der Seenotrettung von Ärzte ohne Grenzen.
 
In den ersten vier Monaten des Jahres 2021 sind mehr als 13.000 Menschen über das Mittelmeer in Italien angekommen. Mehr als 555 von ihnen starben bei der gefährlichen Überfahrt oder werden vermisst. Am 22. April kamen bei einem Schiffbruch mindestens 130 Menschen ums Leben. In der gleichen Zeit wurden mehr als 7.000 Geflüchtete und Migrant:innen von der durch die EU-unterstützten libyschen Küstenwache abgefangen und gewaltsam in das Bürgerkriegsland Libyen zurückgebracht. Die meisten von ihnen landen in Haftanstalten, in denen sie oft Misshandlung, sexueller Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt sind oder sogar sterben.   

„Im Laufe der Jahre haben sich die europäischen Regierungen immer mehr aus der proaktiven Such- und Rettungsarbeit im zentralen Mittelmeer zurückgezogen. Sie haben es verabsäumt, Menschen in Gefahr zu helfen und zudem den dringend benötigten Einsatz von Organisationen, die Menschenleben im Mittelmeer retten, bewusst behindert oder gar kriminalisiert", kritisiert van der Velden. „Diese Politik hat dazu geführt, dass Tausende Männer, Frauen und Kinder ohne Hilfe am Mittelmeer gestrandet waren und unzählige an Europas Grenze ertrunken sind.“
 
Ärzte ohne Grenzen fordert ein Ende der Unterstützung der libyschen Küstenwache durch die EU sowie von der zwangsweisen Rückführung von Menschen nach Libyen. „Wir werden angesichts dieser menschengemachten Katastrophe nicht schweigen“, sagt van der Velden. „Die EU darf diesem Leid nicht länger zusehen. Die europäischen Mitgliedsstaaten müssen sicherstellen, dass ein proaktiver staatlich geführter Such- und Rettungseinsatz im zentralen Mittelmeer umgehend wieder etabliert wird.“
 
Ärzte ohne Grenzen leistet seit 50 Jahren weltweit humanitäre und medizinische Nothilfe für Menschen in Krisenregionen. Jetzt sticht Ärzte ohne Grenzen wieder in See, um den humanitären Imperativ zu erfüllen, Menschenleben zu retten.

Hintergrundinformation zum Einsatz auf dem Mittelmeer

Seit 2015 Ärzte ohne Grenzen mit der Seenotrettung begonnen hat, waren medizinische Teams von Ärzte ohne Grenzen an Bord von sieben Schiffen tätig. Teilweise hat die medizinische Nothilfeorganisation die Schiffe mit anderen Organisationen gemeinsam betrieben. Insgesamt waren Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen an 682 Such- und Rettungseinsätzen beteiligt und hat mehr als 81.000 Menschen versorgt.
 
Ärzte ohne Grenzen hat die M/V Geo Barents von Uksnøy & Co AS gechartert. Sie wurde 2007 gebaut. Das Schiff segelt unter norwegischer Flagge.
 
Die Geo Barents wurde entsprechend den Erfordernissen von Such- und Rettungseinsätzen umgebaut. Das Schiff hat eine Länge von 76,95 Metern. Es hat zwei Decks für Überlebende, eines für Männer und eines für Frauen und Kinder. An Bord befindet sich eine Klinik, ein Zimmer für gynäkologische Untersuchungen durch eine Hebamme und ein Beobachtungsraum für alle medizinischen Aktivitäten. Es gibt zwei schnelle Festrumpfschlauchboote (RHIBS), mit denen Rettungseinschätze durchgeführt werden können. 


Destruction in Tyre/Sour after ceasefire
MSF

Ein Waffenstillstand nur dem Namen nach: Im Libanon werden weiterhin Menschen von israelischen Streitkräften getötet

08.05.2026
Am 17. April wurde ein zehntägiger Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon angekündigt, der später um drei weitere Wochen verlängert wurde. Doch die Angriffe der israelischen Streitkräfte im Südlibanon dauern an. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden zwischen der Ankündigung des Waffenstillstands und dem 4. Mai 385 Menschen getötet und weitere 685 verletzt. Teams von Ärzte ohne Grenzen unterstützen Krankenhäuser im Südlibanon, die weiterhin Verletzte aufnehmen.
Mehr lesen
The man made malnutrition in Gaza
Nour Alsaqqa/MSF

Gaza: Einschränkung der Lebensmittelversorgung hatte verheerende Folgen für Schwangere und Neugeborene

07.05.2026
Die von der israelischen Regierung verursachte Mangelernährungskrise im Gazastreifen hatte während Phasen intensiver Kampfhandlungen und Belagerung schwere Auswirkungen auf schwangere und stillende Frauen, Neugeborene sowie Säuglinge unter sechs Monaten. Das geht aus einer heute veröffentlichten Analyse medizinischer Daten von Ärzte ohne Grenzen hervor.
Mehr lesen
Dr Sigrid Lamberg, the MSF project coordinator for Lankien
Paul Odongo/MSF

Vier Jahre im Südsudan

06.05.2026
Unsere Einsatzleiterin Sigi Lamberg war die letzten Jahre im Südsudan. Sie erzählt, wie die humanitäre Situation eskaliert ist – und wie wir helfen.
Mehr lesen
MSF vehicles were destroyed and vandalized following the bombardment
Stefan Pejovic/MSF

Angriffe auf medizinische Hilfe auf Rekordhoch: Es braucht mehr als leere Worte

04.05.2026
Zehn Jahre nach der Verabschiedung der Resolution 2286 durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen haben Angriffe auf medizinische Hilfe ein Rekordhoch erreicht.
Mehr lesen