Kommentar von
Daniela Zainzinger
26.08.2022
Mit einem Erinnerungskunstwerk gedenken wir allen verstorbenen Testamentsspender:innen.

Themengebiet:

Spenden ermöglichen unsere unabhängige humanitäre Arbeit in mehr als 70 Ländern weltweit. Unsere Teams leisten medizinische Nothilfe in Krisen- und Konfliktgebieten und behandeln jedes Jahr mehr als 12 Millionen Patient:innen.

Ein wichtiger Teil dieser Unterstützung stammt aus Testamentsspenden. In Österreich kommt mittlerweile beinahe jeder sechste Spendeneuro aus Nachlässen.

Mit einer Testamentsspende tragen Sie zu einem wesentlichen Teil dazu bei, medizinische Versorgung dort möglich zu machen, wo sie dringend gebraucht wird. Herzlichen Dank! 

Anm. Im Video wird erwähnt, dass wir in mehr als 80 Ländern aktiv sind. Die Zahl unserer Einsatzländer variiert jedoch jährlich. 2025 waren wir in über 70 Ländern aktiv.

Was bleibt von den Menschen, die unsere Arbeit über ihr Leben hinaus unterstützen? 

Wie kann die Erinnerung an Menschen bewahrt werden, die sich über ihr Leben hinaus für andere engagieren? Mit dieser Frage haben wir uns 2019 intensiv beschäftigt. Daraus entstand die Idee, einen sichtbaren Ausdruck unserer Wertschätzung und Dankbarkeit gegenüber Menschen zu schaffen, die uns in ihrem Testament bedenken.

Es sollte ein Ort der Erinnerung entstehen - etwas Bleibendes, das an ihr Engagement erinnert. 

Gemeinsam mit mehreren Künstler:innen haben wir Ideen für ein entsprechendes Kunstwerk entwickelt. Der Entwurf von Christian Gold-Kurz hat uns dabei besonders überzeugt. 

Heilmittelspeicher Befüllung Nahaufnahme
Christian Gold-Kurz
Der Heilmittelspeicher wird jährlich befüllt

Entstanden ist ein Kunstwerk, das sich nach und nach mit Medikamentenkapseln füllt. Im Deutschen trägt es den Titel "Heilmittelspeicher" - in Anlehnung an Medikamente, die Heilung ermöglichen.

Der englische Titel "Memory of Remedy" nimmt Bezug auf den Begriff "Memory of Pain", das Schmerzgedächtnis. Aus dieser Erinnerung an Schmerz wird so die Erinnerung an Hilfe, Heilung und Menschlichkeit. 

Jede Medikamentenkapsel steht für eine Spender:in

Jede Kapsel enthält eine kleine Schriftrolle mit dem handgeschriebenen Namen einer Testamentsspenderin oder eines Testamentsspenders. So wächst das Kunstwerk mit den Namen jener Menschen, die Ärzte ohne Grenzen Österreich über ihr Leben hinaus unterstützt haben.

Einmal im Jahr kommen neue Namen hinzu. Bei diesem Anlass nehmen sich unsere Mitarbeiter:innen bewusst Zeit, um der Verstorbenen zu gedenken und ihre Großzügigkeit in Erinnerung zu halten. 

Heilmittelspeicher vor der Platzierung
Christian Gold-Kurz
Christian Gold-Kurz bereitet das Kunstwerk für die Platzierung in unserem Büro vor.

Die Betrachter:innen sollen merken, dass es um mehr geht als das was sie sehen.

Für Christian Gold-Kurz trägt das Erinnerungskunstwerk auch eine gesellschaftliche und politische Dimension.

Medikamente und medizinische Produkte sind für die Behandlung von Krankheiten unverzichtbar. Während der Zugang zu Arzneimitteln in wohlhabenderen Ländern oft selbstverständlich erscheint, fehlt er in vielen Teilen der Welt noch immer. Für Menschen in Krisengebieten oder in Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen kann dieser Mangel lebensbedrohlich sein. 

Das Kunstwerk erinnert an jene Menschen, die mit einer Testamentsspende dazu beigetragen haben, gegen diesen Missstand anzukämpfen und medizinischen Hilfe möglich zu machen. Die Kapseln stehen symbolisch für die Medikamente, die wir mit Hilfe von Testamentsspenden in unsere Projekte bringen -und damit für konkrete Hilfe für Patient:innen weltweit. 

Und gleichzeitig verweist das Werk auf eine zentrale Forderung von Ärzte ohne Grenzen, den Zugang zu medizinischer Versorgung und lebenswichtigen Medikamenten für alle Menschen.

 

Ein sensibles Thema

Der Künstler erklärt, dass er zwischendurch auch Zweifel hatte. Nach dem Schreiben der 110. Schriftrolle kam ihm plötzlich der Gedanke: „Oh mein Gott, ich arbeite hier an einem riesigen Grabstein.“ Er fragte sich, ob er den Spender:innen und ihrem Anliegen Genüge tue. Wird sein Werk den toten Menschen gerecht?

Doch er besann sich auf seine ursprüngliche Idee und konnte für sich klar sagen: „Ja, dieses Werk bildet das Persönliche ab und zeigt gleichzeitig ein gesellschaftliches Problem auf. Es ehrt die Spender:innen für ihre Menschenliebe und ihre Weitsicht. Jede einzelne Spender:in hat eine persönliche Geschichte und leistet einen großen Beitrag für eine heilere Welt.“

Heilmittelspeicher
Christian Gold-Kurz
Unser Erinnerungskunstwerk für Testamentspender:innen: der Heilmittelspeicher

Das Erinnerungskunstwerk in unseren Räumen

Der Heilmittelspeicher hat einen besonderen Platz in unseren Räumlichkeiten. Er erinnert an Menschen, die Ärzte ohne Grenzen Österreich mit einer Testamentsspende bedacht haben und deren Hilfe bis heute weiterwirkt. 

Im Jahr 2022 enthält das Kunstwerk die Namen von 353 Spender:innen. Wir begegnen in diesem Vermächtnis mit großer Dankbarkeit und Wertschätzung. 

Gerne können auch Sie das Kunstwerk besichtigen. Bitte wenden Sie sich hierfür an Daniela Zainzinger:

Daniela Zainzinger

Daniela Zainzinger

PHILANTHROPIE und Testamentsspenden

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